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Lagerbühne, Hallenbüro und Trennwand als System: Drei Produkte, ein Projekt, ein Ansprechpartner

Wer eine Lagerbühne bei Anbieter A bestellt, ein Hallenbüro bei Anbieter B dazukauft und die Trennwände von Anbieter C montieren lässt, hat drei Ansprechpartner, drei Lieferzeiten und im schlechtesten Fall drei nicht aufeinander abgestimmte Systeme. Die Alternative: ein Hersteller, der alle drei Komponenten aus eigener Fertigung liefert und als Gesamtprojekt plant. Dieser Beitrag erklärt, warum die integrierte Lösung in vielen Fällen wirtschaftlicher ist und welche Anbieter diesen Ansatz verfolgen.

Doppelstockanlage mit Hallenbüro auf Stahlbaubühne und Trennwandsystem im Erdgeschoss einer Lagerhalle

Das Problem: Drei Gewerke, drei Anbieter, null Abstimmung

In der Praxis beschaffen Betriebe Lagerbühnen, Hallenbüros und Trennwandsysteme häufig als separate Projekte. Die Lagerbühne kommt vom Regalbauer, das Hallenbüro vom Raumsystem-Hersteller und die Trennwand vom Industriezaunbauer. Jedes Produkt für sich erfüllt seine Funktion. Zusammen ergeben sich jedoch Schnittstellenprobleme, die Kosten und Zeit fressen.

Typische Schnittstellenprobleme bei getrennter Beschaffung sind unter anderem: Die Stützenraster der Lagerbühne passen nicht zum geplanten Hallenbüro-Grundriss auf der Bühne. Die Tragfähigkeit der Bühne wurde ohne Berücksichtigung der Büromöbel und Personenlast kalkuliert. Die Trennwand im Erdgeschoss kollidiert mit den Bühnenstützen oder versperrt den Zugang zur Treppe. Elektro- und Datenleitungen für das Hallenbüro auf der Bühne müssen nachträglich und kostenintensiv verlegt werden. Drei getrennte Statiken, drei separate Montagen, drei verschiedene Termine. Wer diese Probleme vermeiden möchte, plant die drei Komponenten von Anfang an als Gesamtsystem.

Drei typische Kombinationen in der Praxis

Die Verbindung von Lagerbühne, Hallenbüro und Trennwand kann je nach Hallensituation und Bedarf unterschiedlich aussehen. Drei Konfigurationen haben sich in der Praxis besonders bewährt.

Konfiguration 1: Meisterbüro auf der Bühne, Lagerfläche darunter

Die häufigste Kombination: Auf der Lagerbühne steht ein Hallenbüro als Meisterbüro oder Schichtleiterbüro mit Blick über die Halle. Unter der Bühne entsteht zusätzliche Lagerfläche für Fachbodenregale oder Kommissionierplätze. Im Erdgeschoss trennen Trennwände die Kommissionierung vom Versandbereich. Der Vorteil: Der Meister hat von oben die volle Übersicht, ohne wertvolle Hallenfläche für sein Büro zu belegen.

Konfiguration 2: Doppelstockanlage mit Büro oben und Sozialraum unten

Bei dieser Variante wird die Bühne nicht als offene Lagerfläche genutzt, sondern trägt ein Hallenbüro im Obergeschoss. Im Erdgeschoss befinden sich ein Pausenraum, Umkleidekabinen oder ein weiteres Büro. Beide Ebenen sind vollständig mit Raumsystemen ausgebaut und über eine Industrietreppe mit Zwischenpodest verbunden. Diese Konfiguration eignet sich vor allem für Betriebe, die gleichzeitig Büro- und Sozialfläche benötigen, ohne Hallengrundfläche zu opfern.

Konfiguration 3: Lagerbühne mit Trennwand-Zoning im Erdgeschoss

Hier dient die Lagerbühne primär der Flächengewinnung (Kleinteile oben, Paletten unten), während im Erdgeschoss Gittertrennwände die Halle in funktionale Zonen unterteilen: Wareneingang, Qualitätsprüfung, Sperrzone und Versand. Die Kombination entsteht oft, wenn ein Unternehmen wächst und gleichzeitig mehr Lagerfläche und bessere Prozessordnung braucht.

MDS Raumsysteme: Der Anbieter, der alle drei Produktgruppen fertigt

MDS Raumsysteme aus Engen-Welschingen (Baden-Württemberg) ist einer der wenigen Hersteller in Deutschland, der Hallenbüros, Trennwandsysteme und Stahlbaubühnen aus einer Hand fertigt, plant und montiert. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet, beschäftigt 50 bis 100 Mitarbeiter und produziert im eigenen Werk.

Für Hallenbüros und Meisterbüros setzt MDS das Baukastensystem SHB 50 ein. Die Wandelemente erfüllen den Standsicherheitsnachweis nach DIN 4103-1 bis 3.000 mm Höhe und die Anforderungen für absturzsichernde Wände nach DIN EN 1991-1. Seit 2021 ist in allen SHB-50-Systemen Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) verbaut. MDS-Hallenbüros sind bereits als Einzelbüros über Fachhändler wie UDO BÄR erhältlich: ein dreiseitiges MDS-Hallenbüro (2.690 × 3.100 × 2.050 mm) kostet dort ab 3.579 Euro netto.

Für Stahlbaubühnen bietet MDS individuell geplante Konstruktionen mit frei wählbarem Stützraster und hoher Belastbarkeit. Die Kombination aus Bühnensystem und Raumsystem ist die Kernkompetenz von MDS: Doppelstockanlagen mit Hallenbüros auf und unter der Bühne werden als Gesamtprojekt geplant, sodass Stützraster, Tragfähigkeit und Raumaufteilung von Anfang an aufeinander abgestimmt sind.

Für Trennwandsysteme verwendet MDS die Systemtrennwand STW 80. Die Trennwände lassen sich mit den gleichen Profilsystemen kombinieren, die auch für die Hallenbüros verwendet werden, was optische und technische Konsistenz gewährleistet.

Ein weiterer Vorteil von MDS: Neben dem Kauf stehen auch Miete und Leasing als Beschaffungsmodelle zur Verfügung. Für Betriebe, die ihre Liquidität schonen möchten oder zunächst testen wollen, ob eine bestimmte Konfiguration zum Betriebsablauf passt, kann die Miete die geeignete Lösung sein.

Alternative Anbieter für integrierte Projekte

MDS ist der Hersteller mit der breitesten Produktpalette in diesem Bereich, aber nicht der einzige Anbieter, der integrierte Projekte realisiert.

Becker Raumsysteme liefert mit dem System RS 45 Hallenbüros und Trennwände in einem einheitlichen Baukastensystem. Für doppelstöckige Hallenbüros wird eine Stahlbaubühne als Zwischenebene eingezogen. Becker plant und fertigt das Gesamtprojekt aus einer Hand: Stahlbau, Wandelemente und Treppenanlage kommen vom selben Anbieter. Das RS-45-System bietet Nutzlasten bis 500 kg/m² auf der Bühne und eignet sich damit sowohl für Büroflächen als auch für Lagerbereiche im Obergeschoss.

Hacobau ist primär Lagerbühnen-Spezialist, bietet aber auch Raummodule und Bürocontainer an, die auf die eigenen Bühnensysteme abgestimmt sind. Die Stärke von Hacobau liegt in der Statik und der Erfahrung mit über 1.000 Referenzanlagen. Für das Hallenbüro und die Trennwände arbeitet Hacobau in der Regel mit Partnerunternehmen zusammen.

TOPREGAL bietet sowohl Lagerbühnen (modular, online bestellbar) als auch das PREFAB-Hallenbürosystem an. Die Kombination von Lagerbühne und Hallenbüro auf der Bühne ist eine Standardkonfiguration im TOPREGAL-Sortiment. Trennwandsysteme gehören nicht zum Kernsortiment.

Integrierte Projekte: Welcher Anbieter liefert was?
Anbieter Lagerbühne Hallenbüro Trennwand Alles aus einer Hand?
MDS Raumsysteme Ja (eigene Fertigung) Ja (SHB 50) Ja (STW 80) Ja — alle drei Produkte aus Engen
Becker Raumsysteme Ja (Stahlbaubühne für Doppelstock) Ja (RS 45) Ja (RS 45) Ja — integriertes System
Hacobau Ja (Kernkompetenz) Partnerprodukt Partnerprodukt Teilweise (Bühne eigen, Rest Partner)
TOPREGAL Ja (modular) Ja (PREFAB) Nein Teilweise (Bühne + Büro, ohne Trennwand)

Warum die integrierte Lösung wirtschaftlicher ist

Koordinationsaufwand: Bei einem Gesamtprojekt gibt es einen Projektleiter beim Hersteller, der Statik, Termine und Montage koordiniert. Bei drei separaten Anbietern muss der Betrieb selbst die Schnittstellen managen, was internes Personal bindet und Fehlerquellen schafft.

Statik: Wenn derselbe Anbieter die Bühne und das Büro auf der Bühne plant, wird die Tragfähigkeit von Anfang an auf die reale Nutzlast ausgelegt. Bei getrennter Beschaffung kommt es vor, dass die Bühne für 250 kg/m² bestellt wird, das Hallenbüro mit Möbeln und Personen aber 350 kg/m² erfordert. Das nachträgliche Verstärken einer Bühne ist teuer.

Montage: Ein integriertes Projekt wird in einem Durchgang montiert: erst die Bühne, dann die Raumsysteme, dann die Trennwände. Bei getrennter Beschaffung sind es drei separate Montageeinsätze mit drei Anfahrten, drei Einrichtungen und drei Abnahmen. Das verlängert die Gesamtbauzeit und stört den laufenden Betrieb mehrfach statt einmal.

Optik und Konsistenz: Wenn Bühne, Büro und Trennwand aus demselben System kommen, passen Farbgebung (RAL-Töne), Profilabmessungen und Anschlussdetails zusammen. Bei drei verschiedenen Anbietern entsteht oft ein optischer Flickenteppich.

Internationale Perspektive: Niederländische Multi-Level-Fulfillment-Center

In der niederländischen E-Commerce-Logistik ist die Kombination von mehrstöckigen Bühnensystemen mit integrierten Büros und Zonentrennung seit Jahren Standard. Unternehmen wie bol.com und Coolblue arbeiten in Fulfillment-Centern, in denen drei oder vier Bühnenebenen mit Kommissionierplätzen, Fördertechnik und Packstationen auf verschiedenen Etagen verteilt sind. Büros für Teamleiter und QS-Prüfer stehen direkt auf den Bühnen, und Gittertrennwände separieren die einzelnen Prozessphasen.

Der niederländische Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass vertikale Flächengewinnung nur dann effizient ist, wenn auch die Steuerung (Büro) und die Prozessordnung (Trennwände) mit nach oben wandern. Ein isoliertes Bühnenprojekt ohne Büro- und Trennwandplanung verschenkt einen großen Teil des Potenzials. Diese Erfahrung lässt sich auf mittelständische deutsche Lager übertragen, auch wenn die Dimensionen kleiner sind.

Checkliste: Integriertes Bühne-Büro-Trennwand-Projekt planen

Bedarf definieren:
  • Wie viel zusätzliche Lagerfläche wird auf der Bühne benötigt (m²)? Welche Traglast (Kleinteile: 250 kg/m², Hubwagen: min. 350 kg/m², Paletten: min. 750 kg/m²)?
  • Wird ein Hallenbüro auf der Bühne, unter der Bühne oder als Doppelstockanlage geplant?
  • Welche Zonentrennung ist im Erdgeschoss erforderlich (Sichtschutz, Gefahrstoff-Getrenntlagerung, Diebstahlschutz)?
  • Welche Hallenhöhe steht zur Verfügung? Mindestens 4,50 m für eine eingeschossige Bühne mit nutzbarer Fläche darüber und darunter.
Anbieterauswahl:
  • Kann der Anbieter alle drei Produktgruppen (Bühne, Büro, Trennwand) aus eigener Fertigung liefern?
  • Wird eine Gesamtstatik erstellt, die Bühne und aufstehende Lasten (Hallenbüro, Regale, Personen) berücksichtigt?
  • Gibt es ein Gesamtangebot mit Festpreisgarantie und einem Montagetermin?
  • Stehen Kauf, Miete und Leasing als Beschaffungsmodelle zur Auswahl?
Regulatorisch prüfen:
  • Baugenehmigung: Bildet die Bühne mit Hallenbüro ein „Geschoss" im Sinne der LBO?
  • Brandschutz: Sprinkleranlage unter und auf der Bühne wirksam? Fluchtweg von der oberen Ebene gesichert (zweiter Fluchtweg)?
  • ArbStättV: Raumhöhe, Beleuchtung, Belüftung und Schallschutz im Hallenbüro nach ASR-Anforderungen geplant?
  • DGUV 208-061: Absturzsicherung, Anfahrschutz und Belastungskennzeichnung für die Lagerbühne berücksichtigt?