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Lagerbereiche trennen ohne Umbau: Wie Trennwandsysteme Sicherheit, Ordnung und Normkonformität schaffen

Gefahrstoffe, die von der allgemeinen Lagerware getrennt werden müssen. Hochwertige Ware, die vor Zugriff geschützt werden soll. Maschinenlinien, die nach EN ISO 13857 eingehaust werden müssen. Kommissionierung und Versand, die sich akustisch und visuell stören. In all diesen Fällen braucht das Lager eine physische Trennung, die schnell aufgebaut, flexibel versetzbar und normkonform ist. Modulare Trennwandsysteme aus Gitter oder Stahlblech sind die Lösung, die in der Praxis am häufigsten eingesetzt wird.

Gittertrennwände in einer Lagerhalle zur Unterteilung in Sicherheitszonen und Lagerbereiche

Fünf Gründe, warum Lagerhallen Trennwände brauchen

Viele Lagerhallen sind als offene Grundrisse geplant worden, weil Flexibilität der oberste Planungsgrundsatz war. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass offene Hallen ohne Zonierung zunehmend Probleme verursachen. Die fünf häufigsten Anlässe für die Nachrüstung von Trennwandsystemen sind dabei immer wieder dieselben.

Gefahrstofftrennung nach TRGS 510: Wer Gefahrstoffe verschiedener Lagerklassen im selben Lagerabschnitt lagert, muss laut TRGS 510 eine Getrenntlagerung sicherstellen. Das bedeutet: physische Trennung durch ausreichende Abstände oder Barrieren wie Wände, Schränke aus nichtbrennbarem Material oder nichtbrennbare Produkte. Separatlagerung erfordert sogar eigene Brandabschnitte mit mindestens 90 Minuten Feuerwiderstandsdauer. Trennwandsysteme aus Stahlblech erfüllen die Anforderung an eine Barriere für die Getrenntlagerung; für die Separatlagerung sind sie allein nicht ausreichend.

Maschinenschutz nach EN ISO 13857: Automatische Verpackungsmaschinen, Stretchwickler, Umreifungsmaschinen und Roboterzellen müssen mit Schutzgittern eingehaust werden, die verhindern, dass Personen in den Gefahrenbereich greifen oder eintreten können. Die EN ISO 13857 definiert Sicherheitsabstände in Abhängigkeit von der Maschenweite des Gitters. Bei einer Maschenweite von 50 × 50 mm genügt bereits ein Abstand von 120 mm zwischen Gitter und Gefahrstelle.

Diebstahlschutz für hochwertige Ware: Elektronik, Werkzeuge, Ersatzteile und andere Waren mit hohem Einzelwert werden in abgesperrten Lagerbereichen verwahrt, zu denen nur autorisiertes Personal Zugang hat. Gittertrennwände mit abschließbaren Türen bieten hier eine wirtschaftliche Lösung, die deutlich günstiger ist als ein separater Lagerraum.

Prozesstrennung: In Lagern, in denen Wareneingang, Kommissionierung und Versand auf derselben Hallenfläche stattfinden, verhindern Trennwände Verwechslungen, reduzieren Laufwege und schaffen klar definierte Arbeitszonen. Das verbessert sowohl die Effizienz als auch die Übersichtlichkeit.

Staubschutz und Klimazonen: Wenn empfindliche Produkte (Elektronik, Pharma, Lebensmittel) in derselben Halle wie staubintensive Prozesse gelagert werden, können Vollblechtrennwände den Staubeintrag erheblich reduzieren und Klimazonen mit unterschiedlicher Temperatur oder Luftfeuchtigkeit abgrenzen.

Gittertrennwand vs. Vollblechtrennwand: Zwei Systeme, zwei Einsatzprofile

Am Markt haben sich zwei grundlegende Bauarten durchgesetzt, die jeweils unterschiedliche Stärken haben.

Gittertrennwände bestehen aus geschweißten Drahtgitterelementen in Stahlrahmen, die zwischen Stützen befestigt werden. Typische Maschenweiten sind 50 × 50 mm (Standardanwendung) und 100 × 20 mm (für Maschinenschutz mit erhöhten Anforderungen). Gitterwände sind transparent, was die visuelle Kontrolle erleichtert, beeinflussen das Raumklima nicht (Luft und Licht passieren ungehindert) und ermöglichen die Sprinklerwirkung über Zonengrenzen hinweg. Die Kern Studer GmbH bietet mit dem System MultiSafe eine der bekanntesten Gittertrennwand-Lösungen für Industrie und Lager. Die Elemente werden vorzugsweise in Deutschland gefertigt und sind für Lagertrennwände, Arealabsicherung, Vandalenschutz, SelfStorage und Datencenter-Einhausungen konzipiert.

Vollblechtrennwände bestehen aus geschlossenen Stahlblechelementen und bieten zusätzlich Sichtschutz, Staubschutz und eine gewisse Schalldämmung. Das System MultiGuard von Kern Studer ist eine solche Vollblech-Lösung. Varianten mit Lochblech bieten einen Kompromiss: partielle Transparenz bei gleichzeitigem Sicht- und Berührungsschutz. Vollblechtrennwände eignen sich besonders für die Getrenntlagerung nach TRGS 510, da sie als nichtbrennbare Barriere zwischen verschiedenen Lagerklassen dienen können.

Gittertrennwand vs. Vollblechtrennwand
Eigenschaft Gittertrennwand Vollblechtrennwand
Transparenz / Einsehbarkeit Hoch (offene Maschen) Keine (Vollblech) oder teilweise (Lochblech)
Staubschutz Keiner Hoch
Schallschutz Keiner Gering bis mäßig
Sprinklerwirkung über Trennwand Ja (Wasser passiert Gitter) Nein (geschlossene Fläche)
Maschinenschutz nach EN ISO 13857 Ja (bei geeigneter Maschenweite) Bedingt (kein Durchgreifen möglich, aber Standard nicht primär darauf ausgelegt)
Gefahrstoff-Getrenntlagerung (TRGS 510) Bedingt (Barriere, aber kein Staubschutz) Ja (nichtbrennbare geschlossene Barriere)
Diebstahlschutz Hoch (mit Schloss) Hoch (mit Schloss, zusätzlich Sichtschutz)
Typische Einsatzhöhen 2.200–3.000 mm 2.200–3.000 mm

Hersteller im Überblick: Vom Spezialisten bis zum Systemanbieter

Kern Studer GmbH ist auf Gitter- und Blechtrennwandsysteme spezialisiert und liefert mit MultiSafe (Gitter) und MultiGuard (Vollblech) zwei aufeinander abgestimmte Produktlinien. Die Stärke von Kern Studer liegt in der Projektierung komplexer Anlagen: von der zweigeschossigen Lagertrennwand-Anlage über Datencenter-Einhausungen bis hin zum Fallschutzgitter (PaletGuard) an Lagerbühnen. Das Unternehmen bietet zusätzlich Kataloge, Montageanleitungen und Ausschreibungstexte zum Download an, was die Beschaffung für Einkäufer und Planer erleichtert.

TROAX aus dem schwedischen Hillerstorp ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von Schutzgittern und Trennwandsystemen. Das Unternehmen produziert in der größten Schutzgitter-Fabrik weltweit und liefert über sieben internationale Distributionszentren. TROAX-Gitter sind die ersten weltweit, die eine TÜV-Zertifizierung erhalten haben. Die Produktpalette deckt drei Segmente ab: Maschinenschutz, Lagertrennwände und Kellertrennwände. Einzelne TROAX-Gitterelemente (Maschenweite 50 × 50 mm) sind ab rund 52 Euro netto pro Element über Fachhändler wie UDO BÄR erhältlich, komplette Lagerboxen (Höhe 2.200 mm) ab rund 1.375 Euro netto.

Becker Raumsysteme bietet mit dem System RS 45 neben Hallenbüros auch Industrietrennwände mit Wandhöhen bis zu 5.500 mm an. Die Trennwände bestehen aus pulverbeschichteten Stahlteilen und können mit Glaselementen, Türen und Fenstern individuell ausgestattet werden. Das RS-45-System eignet sich besonders, wenn neben der reinen Trennung auch Schallschutz und Brandschutz gefragt sind.

MDS Raumsysteme liefert mit dem System STW 80 versetzbare Trennwände für Produktion, Lager und Büro. Die Systemtrennwand bietet einen großen Gestaltungsspielraum bei Material, Verglasung und Höhe. MDS eignet sich für Projekte, bei denen Trennwände und Hallenbüros aus einer Hand kommen sollen.

Trennwandsystem-Hersteller im Vergleich
Hersteller Systemtyp Material Max. Höhe Besonderheit
Kern Studer MultiSafe / MultiGuard Gitter / Vollblech / Lochblech 3.000 mm+ Datencenter-Cages, Fallschutzgitter, Ausschreibungstexte als Download
TROAX (Schweden) Profi / Standard Gitter (verschiedene Maschenweiten) 2.200 mm (Standard) TÜV-zertifiziert, weltgrößte Produktion, breites Händlernetz
Becker Raumsysteme RS 45 Stahl / Glas / Kombi 5.500 mm Integrierter Schall- und Brandschutz, Trennwand + Hallenbüro in einem System
MDS Raumsysteme STW 80 Stahl / Glas / Kombi Projektspezifisch Versetzbar, Kauf/Miete/Leasing, integrierte Lösung mit Hallenbüro und Bühne

Regulatorische Anforderungen: TRGS 510, EN ISO 13857 und ASR A1.8

Trennwandsysteme im Lager berühren mehrere Regelwerke gleichzeitig. Die wichtigsten sind:

TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern": Die Zusammenlagerungstabelle nach TRGS 510 definiert, welche Lagerklassen zusammen, getrennt oder separat gelagert werden müssen. Getrenntlagerung erfordert eine physische Barriere innerhalb desselben Brandabschnitts. Trennwände aus nichtbrennbarem Material (Stahl) erfüllen diese Anforderung. Separatlagerung erfordert dagegen einen eigenen Brandabschnitt mit 90 Minuten Feuerwiderstand, was mit einfachen Trennwandsystemen allein nicht erreichbar ist.

EN ISO 13857 „Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefahrstellen": Diese Norm legt fest, welche Kombination aus Maschenweite, Öffnungsgröße und Abstand zur Gefahrstelle erforderlich ist, damit Personen nicht in den Gefahrenbereich greifen können. TROAX-Gitter mit der Maschenweite 100 × 20 mm erlauben einen Mindestabstand von nur 120 mm zur Maschine, was in engen Hallenumgebungen Platz spart.

ASR A1.8 „Verkehrswege": Wenn durch Trennwände neue Verkehrswege oder Durchgänge entstehen, müssen diese die Mindestbreiten nach ASR A1.8 einhalten. Für Fußgänger-Einbahnverkehr gilt eine Mindestbreite von 0,875 m, für Gegenverkehr 1,25 m. Durchfahrten für Flurförderzeuge müssen mindestens die Fahrzeugbreite plus 0,50 m auf jeder Seite betragen.

DIN EN 15635 „Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen": Trennwände, die als Fallschutzgitter an Lagerbühnen oder als Regalschutzwände eingesetzt werden, unterliegen wie alle Lagereinrichtungen der jährlichen Inspektion durch eine befähigte Person.

Internationale Perspektive: Skandinavisches Lean-Warehouse-Konzept

In skandinavischen Logistikbetrieben hat sich ein Ansatz etabliert, bei dem Trennwandsysteme nicht nur als Sicherheitsbarriere, sondern als Element des visuellen Managements eingesetzt werden. Farbcodierte Gitterelemente in unterschiedlichen RAL-Farben kennzeichnen verschiedene Lagerzonen auf den ersten Blick: Grün für freigegebene Ware, Gelb für Qualitätsprüfung, Rot für Sperrzone. Neue Mitarbeiter und Leiharbeitskräfte orientieren sich sofort, Verwechslungen zwischen freigegebener und gesperrter Ware werden reduziert.

TROAX hat als schwedischer Hersteller dieses Konzept in seinem Produktsortiment aufgegriffen und bietet Gitterelemente in verschiedenen Standardfarben an. Auch Kern Studer fertigt MultiSafe-Elemente auf Wunsch in kundenspezifischen RAL-Farben. In Deutschland nutzen einige Automobilzulieferer bereits farbcodierte Trennwandsysteme als Teil ihres 5S-Konzepts.

Planung: Vom Aufmaß bis zur Montage

Die Planung einer Trennwandanlage beginnt mit dem Aufmaß der vorhandenen Hallengeometrie: Stützen, Tore, Regale, Sprinklerköpfe, Beleuchtung und Kabeltrassen müssen berücksichtigt werden. Gittertrennwände lassen sich in der Regel mit wenigen Standardelementen (Gitterelemente, Stützen, Türen, Eckverbinder) an nahezu jede Hallensituation anpassen. Die Montage erfolgt je nach System durch Aufdübeln auf den Hallenboden oder durch Klemmverbindungen an vorhandene Strukturen.

Für einfache Lagerabtrennungen ist eine Selbstmontage möglich. TROAX-Systeme setzen auf ein Klammer-System, bei dem die Gitterelemente zwischen den Stützen fixiert werden. Kern Studer liefert Montageanleitungen als Download. Für komplexere Anlagen, etwa zweigeschossige Trennwand-Installationen in Hochregallagern oder Datencenter-Einhausungen, empfiehlt sich die Montage durch den Hersteller oder einen spezialisierten Montagebetrieb.

Checkliste: Trennwandsystem für das Lager auswählen

Einsatzzweck klären:
  • Gefahrstoff-Getrenntlagerung nach TRGS 510 erforderlich? Wenn ja: Vollblechtrennwand als Barriere geeignet, für Separatlagerung (90 min Feuerwiderstand) reicht eine einfache Trennwand nicht aus.
  • Maschinenschutz nach EN ISO 13857? Wenn ja: Maschenweite und Abstand zur Gefahrstelle prüfen (50 × 50 mm erfordert 200 mm Abstand, 100 × 20 mm nur 120 mm).
  • Diebstahlschutz? Abschließbare Türen, Übersteigschutz und Panikschloss (Fluchtweg-Anforderung) einplanen.
  • Sicht-, Staub- oder Schallschutz? Bei Staubschutz: Vollblech statt Gitter. Bei Schallschutz: Systemtrennwände (Becker RS 45, MDS STW 80) statt einfache Gitter- oder Blechwände.
System und Hersteller vergleichen:
  • Werden Ausschreibungstexte, Montageanleitungen und technische Datenblätter bereitgestellt?
  • Ist das System modular erweiterbar und versetzbar?
  • Entspricht das System den relevanten Normen (EN ISO 13857 für Maschinenschutz, DIN 4102 für Brandverhalten)?
  • Welches Zubehör ist verfügbar (Türen, Schiebetüren, Panikschlösser, Übersteigschutz, Drehflügeltüren)?
Montage und Betrieb:
  • Verkehrswege nach ASR A1.8 trotz Trennwand eingehalten (Durchgangsbreiten, Durchfahrtshöhen)?
  • Flucht- und Rettungswege nach ASR A2.3 nicht durch Trennwände versperrt?
  • Sprinkleranlage: Wirkt die Sprinkleranlage über die Trennwand hinweg (bei Gitter ja, bei Vollblech separate Sprinkler nötig)?
  • Jährliche Inspektion der Trennwandanlage geplant (bei Einsatz als Lagereinrichtung nach DIN EN 15635)?