Warum Lagerhallen heute häufiger umgebaut werden als vor zehn Jahren
Die Umbauzyklen in deutschen Lager- und Produktionshallen haben sich verkürzt. Treiber dafür sind mehrere Entwicklungen: E-Commerce-Fulfillment verlangt andere Zonierungen als klassische B2B-Distribution. Neue Automatisierungstechnik (AMR, Förderbänder, Sortiersysteme) erfordert veränderte Layoutplanung. Regulatorische Änderungen wie die TRGS 510 verschärfen die Anforderungen an die Getrenntlagerung von Gefahrstoffen. Kunden fordern individuelle Kommissionier- und Verpackungszonen. Betriebe, die ihre Halle alle zwei bis drei Jahre umstrukturieren müssen, brauchen Trennwände, die diesen Wandel mitmachen, statt ihn zu behindern.
Drei Bauweisen im direkten Vergleich
Für die Abtrennung von Bereichen in Lagerhallen stehen drei grundsätzliche Bauweisen zur Verfügung: Trockenbau (Gipskartonständerwände), Mauerwerk und modulare Systemtrennwände aus Stahl. Jede Bauweise hat ihre Berechtigung, aber nur eine bietet echte Versetzbarkeit.
| Kriterium | Trockenbau (GK-Ständerwand) | Mauerwerk (Kalksandstein) | Modulare Systemtrennwand |
|---|---|---|---|
| Montagezeit (20 lfm Wand) | 3–5 Werktage (inkl. Spachteln, Trocknung, Streichen) | 5–10 Werktage (inkl. Putz, Trocknung) | 1–2 Tage (Steck-/Schraubmontage) |
| Verschmutzung während Montage | Mittel (Staub, Spachtelarbeiten) | Hoch (Mörtel, Putz, Staub) | Gering (staubfreie Montage vorgefertigter Teile) |
| Demontierbar / versetzbar | Nein (Abriss, Material wird Abfall) | Nein (Abriss, Material wird Bauschutt) | Ja (schadenfreie Demontage, Wiederverwendung) |
| Wiederverwendung der Bauteile | 0 % | 0 % | Nahezu 100 % |
| Schallschutz | Sehr gut (bis 55 dB Rw bei Doppelständer) | Sehr gut (bis 60+ dB Rw) | Gut (35–42 dB Rw, je nach System) |
| Brandschutz | Bis F90 (je nach Aufbau) | Bis F90+ (je nach Steinart und Putz) | B1 nach DIN 4102 (Stahl + Mineralwolle) |
| Max. Wandhöhe | Abhängig von Ständerwerk (bis ca. 6 m mit Sonderkonstruktion) | Abhängig von Statik (bis ca. 4 m ohne Bewehrung) | Bis 5,50 m (Becker RS 45) |
| Steuerliche Behandlung | Gebäudebestandteil (33–50 Jahre AfA) | Gebäudebestandteil (33–50 Jahre AfA) | Bewegliches Wirtschaftsgut (7–15 Jahre AfA) |
TCO-Rechnung: Was passiert bei drei Umbauten in zehn Jahren
Der entscheidende Kostenunterschied zeigt sich erst über die Nutzungsdauer. Bei einem Betrieb, der seine Hallenzonierung alle drei bis vier Jahre anpasst, ergeben sich über zehn Jahre drei Umbauzyklen. Die folgende Rechnung illustriert den Effekt anhand eines Beispiels (20 Laufmeter Trennwand, ca. 3 m Höhe, ca. 60 m² Wandfläche).
Trockenbau: Erstmontage ca. 4.000 bis 7.000 Euro. Erster Umbau: Abriss (ca. 1.500 Euro), Entsorgung (ca. 500 Euro), Neuaufbau am neuen Standort (ca. 4.000 bis 7.000 Euro). Zweiter Umbau: gleiche Kosten nochmals. Gesamtkosten über zehn Jahre: ca. 16.000 bis 25.000 Euro für dreimal dieselbe Wand, zuzüglich Betriebsunterbrechung von insgesamt neun bis 15 Werktagen.
Modulare Systemtrennwand: Erstmontage ca. 8.000 bis 14.000 Euro (höhere Anfangsinvestition). Erster Umbau: Demontage (ca. 800 bis 1.500 Euro), Wiederaufbau am neuen Standort (ca. 1.000 bis 2.000 Euro), keine neuen Materialkosten. Zweiter Umbau: gleiche Kosten. Gesamtkosten über zehn Jahre: ca. 11.600 bis 19.000 Euro, bei einer Gesamtunterbrechung von nur drei bis sechs Werktagen.
Die modulare Lösung ist beim ersten Aufbau teurer, wird aber mit jedem Umbau günstiger, da das Material wiederverwendet wird. Ab dem zweiten Umbau hat sich der Mehrpreis der Erstinvestition in der Regel amortisiert.
Becker Raumsysteme: Über 25 Jahre System RS 45 in der Industrie
Das System RS 45 von Becker Raumsysteme ist ein modulares Baukastensystem, das seit über 25 Jahren für industrielle Trennwände und Hallenbüros eingesetzt wird. Die Systemeigenschaften umfassen mehrere für die Versetzbarkeit relevante Details: Alle Wandteile sind grundsätzlich mit Mineralwolle gefüllt, es gibt im RS-45-System keine hohlen Wandteile. Auch der Sockelbereich wird isoliert und mit pulverbeschichteten Sockelblechen verkleidet. Die Wandelemente werden in vier genormten Rastergrößen angeboten; Anbindungen an vorhandene Baukörper oder abweichende Maße werden mit Ausgleichselementen realisiert.
Für den TCO-Vergleich ist eine Eigenschaft besonders relevant: Das System lässt sich schadensfrei demontieren und seine Einzelteile können wiederverwendet werden. Im Gegensatz zu Trockenbau (Gipskarton bricht beim Ausbau, Profile verbiegen sich) und Mauerwerk (Abriss = Bauschutt) bleiben die pulverbeschichteten Stahlteile über mehrere Montage- und Demontagezyklen in einwandfreiem Zustand.
Die Hallenabtrennungen von Becker können als freistehende Stellwände (2,00 bis 3,50 m Höhe) oder als Trennwände mit Deckenanschluss (bis 5,50 m) ausgeführt werden. Über 25 Jahre Markterfahrung bedeutet auch, dass Ersatzteile und Erweiterungen systemkonform lieferbar sind, wenn ein Betrieb in drei oder fünf Jahren weitere Module nachrüsten möchte.
Weitere modulare Systeme im Markt
MDS Raumsysteme bietet mit dem System STW 80 eine versetzbare Systemtrennwand, die sich in Form und Farbe individuell gestalten lässt. MDS bietet zusätzlich Miete und Leasing als Beschaffungsmodell an, was für Betriebe interessant ist, die die Trennwand nur für ein bis zwei Jahre benötigen.
Jansen Systembau liefert neben Hallenbüros auch Trennwandsysteme und mobile Stellwände mit integriertem Schallschutz. Die Wandelemente in Sandwichbauweise (50 mm) mit Mineralwolle-Kern bieten eine Kombination aus Versetzbarkeit und Schalldämmung.
Kern Studer mit dem System MultiGuard (Vollblech) und MultiSafe (Gitter) ergänzt das Angebot um Trennwände ohne Schallschutz-Anspruch, aber mit hoher mechanischer Robustheit und Sichtschutz. Diese Systeme eignen sich besonders für reine Lagertrennung und Diebstahlschutz.
Internationale Perspektive: Scania Södertälje — Modulare Zonierung in der Lean-Produktion
Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania setzt an seinem Hauptwerk in Södertälje modulare Trennwandsysteme ein, die innerhalb von vier Stunden versetzt werden können. Die Idee dahinter: Wenn eine neue Produktvariante auf die Linie kommt, muss sich das Layout der angrenzenden Vormontagezonen sofort anpassen können. Feste Wände würden diesen Takt nicht mithalten. Die Trennwände fungieren dort gleichzeitig als visuelle Barrieren (5S-Prinzip: definierte Arbeitsbereiche), als Informationsflächen (Whiteboards, Kanban-Karten) und als Staubschutz für empfindliche Elektronikkomponenten.
Für deutsche Mittelständler, die nicht die Dimensionen eines Scania-Werks haben, ist das Prinzip dennoch übertragbar: Wenn sich der Betrieb alle zwei bis drei Jahre verändert, sind fest eingebaute Wände eine Investition in die Vergangenheit. Modulare Systeme sind eine Investition in die Zukunft.
Checkliste: Modulare Trennwand vs. fester Innenausbau
Entscheidungskriterien:Wenn modulares System gewählt wird:
- Wird die Trennwand voraussichtlich länger als zehn Jahre am selben Standort bleiben? Falls ja: Trockenbau oder Mauerwerk kann wirtschaftlicher sein (höherer Schallschutz, niedrigere Erstkosten).
- Sind Umbauten innerhalb der nächsten fünf Jahre wahrscheinlich (neues Produkt, neue Maschine, neuer Kunde)? Falls ja: modulares System ist über die Nutzungsdauer günstiger.
- Werden die Trennwände bei einem möglichen Standortwechsel mitgenommen? Falls ja: nur modulare Systeme kommen in Frage.
- Werden besondere Schallschutzwerte (über 42 dB Rw) oder Brandschutzwerte (F30, F60, F90) benötigt? Falls ja: Trockenbau oder Mauerwerk bieten höhere Werte. Modulare Systeme erreichen B1 (schwer entflammbar), aber keine F90-Klassifizierung.
- Sind alle Wandteile isoliert (keine hohlen Elemente)? Becker RS 45: ja, grundsätzlich Mineralwolle-Füllung.
- Gibt es einen Systemausgleich für unregelmäßige Hallengeometrien (schiefe Wände, Stützen, Rohre)?
- Ist das System nach über 25 Jahren am Markt ersatzteilverfügbar?
- Kann dasselbe System sowohl als Trennwand als auch als Hallenbüro eingesetzt werden (spart Systemvielfalt)?
- Steuerliche Einordnung mit Steuerberater klären: Bewegliches Wirtschaftsgut (kürzere AfA) vs. Gebäudebestandteil.