Transport

Elektrohubwagen vs. Handhubwagen: Wann lohnt sich der Umstieg?

Der manuelle Gabelhubwagen ist das meistverbreitete Flurförderzeug in Deutschland — und in vielen Betrieben längst an der Belastungsgrenze. Steigende Umschlagzahlen, alternde Belegschaften und verschärfte Ergonomie-Anforderungen verschieben die Kosten-Nutzen-Rechnung zugunsten des Elektrohubwagens. Doch ab wann rechnet sich der Umstieg wirklich? Dieser Ratgeber liefert die Zahlen, den technischen Vergleich, die Akku- und Prüfpflicht-Grundlagen und eine Entscheidungsmatrix für den B2B-Einkauf.

Elektrohubwagen und Handhubwagen nebeneinander im Lagerbetrieb

Grundlagen: Zwei Welten, ein Einsatzzweck

Beide Gerätetypen gehören zu den gleislosen Flurförderzeugen und dienen dem ebenerdigen Transport von Europaletten, Gitterboxen und anderen unterfahrbaren Ladungsträgern. Der Unterschied liegt im Antrieb — und damit in fast allem anderen: Kraft, Geschwindigkeit, Ergonomie, Kosten und Wartungsbedarf.

Der Handhubwagen (auch: manueller Gabelhubwagen, umgangssprachlich „Ameise" nach dem Jungheinrich-Klassiker aus den 1950er-Jahren) wird ausschließlich durch Muskelkraft betrieben. Der Bediener pumpt die Deichsel auf und ab, um die Hydraulik zu betätigen und die Gabeln anzuheben — je nach Last sind 8 bis 12 Pumpbewegungen nötig. Das Verfahren erfolgt durch Schieben oder Ziehen. Handhubwagen wiegen typischerweise 55 bis 75 kg (Standardgabeln 1.150 mm), tragen 2.000 bis 2.500 kg (Spitzenmodelle bis 5.000 kg) und kosten zwischen 250 und 800 Euro netto.

Der Elektrohubwagen (auch: Elektro-Niederhubwagen) besitzt einen akkubetriebenen Elektromotor, der das Fahren übernimmt und bei vollelektrischen Modellen auch das Heben und Senken. Der Bediener steuert das Gerät über eine Multifunktionsdeichsel — Geschwindigkeit, Fahrtrichtung, Hub und Senkung per Knopfdruck oder Proportionalsteuerung. Elektrohubwagen wiegen 120 bis 200 kg, tragen 1.000 bis 3.000 kg und kosten zwischen 1.500 und 10.000 Euro netto. Sie sind Mitgänger-Flurförderzeuge — der Bediener läuft neben dem Gerät her. Modelle mit klappbarem Trittbrett erlauben das Mitfahren; bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 6 km/h genügt eine Unterweisung, oberhalb von 6 km/h ist eine Qualifizierung nach dem DGUV Grundsatz 308-001 erforderlich.

Dazwischen existiert eine wichtige Zwischenstufe: der semielektrische Hubwagen. Er kombiniert einen Elektroantrieb für die Fahrt mit manuellem Pumphub — oder umgekehrt einen Elektrohub bei manuellem Verfahren. Semielektrische Modelle starten preislich bei etwa 1.000 Euro und sind ein sinnvoller Einstieg für Betriebe, die den Vollelektro-Sprung noch nicht rechtfertigen können.

Technischer Direktvergleich

Kriterium Handhubwagen (manuell) Elektrohubwagen (vollelektrisch)
Anschaffungspreis netto 250–800 € 1.500–10.000 €
Tragfähigkeit 2.000–5.000 kg 1.000–3.000 kg
Eigengewicht 55–75 kg 120–200 kg
Gabellänge (Standard) 1.150 mm 1.150 mm
Hubhöhe (Niederhub) 85–200 mm 85–200 mm
Fahrgeschwindigkeit Schrittgeschwindigkeit (3–4 km/h) 4–6 km/h (Mitfahrer bis ca. 10 km/h)
Anfahrkraft bei 1.000 kg Last ca. 180–250 N Motorisiert (kein Kraftaufwand)
Hubvorgang 8–12 Pumpbewegungen Per Knopfdruck (2–3 Sekunden)
Akkulaufzeit Nicht zutreffend 4–8 Stunden (Li-Ion)
Wartungskosten/Jahr 50–150 € 150–400 €
Lebensdauer 8–15 Jahre 6–10 Jahre
Fahrberechtigung Unterweisung Unterweisung (Mitgänger / Mitfahrer bis 6 km/h) / Qualifizierung nach DGUV G 308-001 (Mitfahrer über 6 km/h)

Ein Aspekt, der in der Tabelle nicht sichtbar wird: Der Handhubwagen hat bei der Tragfähigkeit die Nase vorn — bis 5.000 kg sind möglich, weil keine Batterie und kein Motor Platz und Gewicht beanspruchen. Für reine Schwerlastanwendungen mit kurzen Wegen (z. B. Lkw-Entladung) bleibt der manuelle Hubwagen daher oft die bessere Wahl.

Akkutechnologie: Lithium-Ionen hat den Bleisäure-Akku abgelöst

Der entscheidende technologische Wendepunkt für den Elektrohubwagen war der Übergang von Bleisäure- zu Lithium-Ionen-Akkus. Die Vorteile von Li-Ion im Flurförderzeug-Einsatz sind erheblich: Die Akkus sind 40 bis 60 Prozent leichter als gleichwertige Bleisäure-Batterien, was Eigengewicht und Gesamtlänge des Hubwagens spürbar reduziert. Moderne Li-Ion-Elektrohubwagen sind optisch und in den Außenmaßen kaum noch von Handhubwagen zu unterscheiden.

Weitere Vorteile: Li-Ion-Akkus besitzen praktisch keinen Memory-Effekt — Zwischenladen ist jederzeit möglich, ohne die Kapazität nennenswert zu reduzieren. Die Ladung erfolgt über eine normale 230-V-Steckdose mit dem mitgelieferten Ladegerät. Die typische Vollladung dauert 3 bis 5 Stunden, Schnelllader schaffen 80 Prozent in unter 2 Stunden. Die Lebensdauer beträgt 1.500 bis 3.000 Ladezyklen — bei täglicher Nutzung entspricht das mehreren Jahren Betriebsdauer. Für den Kühlhaus-Einsatz gibt es spezielle Versionen mit verstärkter Isolierung, die auch bei –25 °C zuverlässig arbeiten.

Die DGUV Information 205-041 „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien" (Ausgabe Februar 2024) gibt Hinweise zum sicheren Umgang mit LIB — ausdrücklich auch in Flurförderzeugen. Für Elektrohubwagen heißt das in der Praxis: Der Ladevorgang sollte auf nicht brennbarem Untergrund, nicht in der Nähe brennbaren Materials und möglichst unter Beobachtung stattfinden; beschädigte Akkus dürfen nicht weiter geladen werden. Bei sachgemäßer Handhabung ist das Brandrisiko gering — anders als Bleisäure-Akkus, die beim Laden Wasserstoffgas freisetzen können, ist das Risiko aber nicht null, weshalb die Ladeinfrastruktur und ein intaktes Batteriemanagementsystem entscheidend sind.

Li-Ion und Bleisäure im Direktvergleich

Wer Angebote vergleicht, sollte die beiden Akkutechnologien nicht nur am Anschaffungspreis messen. Bleisäure-Batterien sind in der Erstanschaffung günstiger, bringen aber spürbare Folgekosten und Einschränkungen mit: Sie sind schwer, benötigen lange Ladezeiten von oft acht und mehr Stunden, dürfen wegen des Memory-ähnlichen Verhaltens nicht beliebig zwischengeladen werden und müssen bei wartungspflichtigen Varianten regelmäßig mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden. Außerdem ist ein separater, belüfteter Laderaum erforderlich, weil beim Laden Wasserstoff entsteht. Lithium-Ionen-Akkus kehren diese Nachteile um: leichteres Gewicht, kurze und flexible Ladezyklen, Zwischenladen in Pausen ohne Kapazitätsverlust, kein Nachfüllen und keine Gasbildung. Der höhere Anschaffungspreis amortisiert sich im Mehrschichtbetrieb meist schnell, weil ein einziger Li-Ion-Hubwagen mit Zwischenladen einen Bleisäure-Hubwagen mit Wechselbatterie ersetzen kann. Für den überwiegenden Teil der Anwendungen ist Li-Ion daher heute die wirtschaftlich sinnvollere Wahl; Bleisäure bleibt vor allem bei sehr geringer Nutzung und knappem Budget eine Option.

Ergonomie: Der eigentliche Kostentreiber

Die Anschaffungskosten eines Hubwagens sind betriebswirtschaftlich fast nachrangig — die wirklichen Kosten entstehen durch Arbeitsausfälle und Muskel-Skelett-Erkrankungen der Bediener. Die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) verpflichtet Arbeitgeber, manuelle Handhabung schwerer Lasten durch technische Hilfen zu ersetzen, wo immer dies möglich ist. Ein Handhubwagen mit 1.000 kg Last erfordert Anfahrkräfte von 180 bis 250 Newton — über eine Acht-Stunden-Schicht mit 30 bis 50 Palettenbewegungen summiert sich das zu einer erheblichen Belastung der Schulter- und Rückenmuskulatur.

Der Elektrohubwagen reduziert diese Belastung deutlich: Anfahren, Fahren, Bremsen und bei Vollelektro-Modellen auch das Heben erfolgen per Knopfdruck. Die körperliche Beanspruchung beschränkt sich im Wesentlichen auf das Lenken der Deichsel. Bei steigender Schichtdauer, alternder Belegschaft oder hoher Paletten-Umschlagfrequenz ist das ein Argument, das die Kosten-Nutzen-Rechnung schnell zugunsten des Elektromodells verschiebt.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Ein Lagerarbeiter, der pro Schicht 40 Paletten à 800 kg über durchschnittlich 25 Meter bewegt, leistet mit dem Handhubwagen pro Tag eine erhebliche Schub- und Zugarbeit. Die Folge sind häufig überdurchschnittliche Ausfallquoten wegen Rückenbeschwerden. Ein Elektrohubwagen senkt diese physische Belastung drastisch. Bei durchschnittlichen Krankheitstag-Kosten von 350 bis 500 Euro (Lohnfortzahlung plus Produktivitätsverlust) amortisieren sich bereits wenige vermiedene Ausfalltage pro Jahr.

Amortisationsrechnung: Ab wann rechnet sich der Umstieg?

Die reine Preisdifferenz zwischen einem guten Handhubwagen (ca. 450 Euro) und einem vollelektrischen Li-Ion-Niederhubwagen (ca. 2.500 Euro) beträgt rund 2.050 Euro. Addiert man die höheren Wartungskosten des Elektrogeräts (ca. 250 Euro Differenz pro Jahr), scheint die Amortisation fernliegend. Die Rechnung ändert sich jedoch grundlegend, wenn man Produktivitätsgewinne und Ergonomiekosten einbezieht.

Produktivitätsgewinn: Ein Elektrohubwagen spart pro Palettenbewegung erfahrungsgemäß 15 bis 30 Sekunden — durch schnelleres Anfahren, höhere Fahrgeschwindigkeit und den Wegfall der Pumpbewegungen. Bei 40 Paletten pro Schicht und zwei Schichten pro Tag ergibt das eine Zeitersparnis von 20 bis 40 Minuten täglich. Bei einem Logistik-Stundenlohn von 20 Euro (inkl. Nebenkosten) entspricht das einem Produktivitätsgewinn von 6 bis 13 Euro pro Tag — oder 1.500 bis 3.300 Euro pro Jahr (bei 250 Arbeitstagen). Die Mehrinvestition ist damit in weniger als zwei Jahren amortisiert.

Die Einsatzempfehlung von Toyota Material Handling bestätigt die Richtung: Handgabelhubwagen eignen sich für den gelegentlichen Transport, bei intensiver Nutzung ist der Elektrohubwagen vorzuziehen. Als praktischer Richtwert gilt: Ab etwa 15 bis 20 Palettenbewegungen pro Tag oder bei regelmäßigen Transportstrecken über 20 Meter wird der Elektroantrieb wirtschaftlicher; bei gelegentlichem Einsatz (unter 10 Paletten/Tag, kurze Wege) bleibt der Handhubwagen die kostengünstigere Lösung.

Einsatzgrenzen und Sonderfälle

Wo der Handhubwagen überlegen bleibt

Trotz aller Vorteile des Elektroantriebs gibt es Einsatzszenarien, in denen der manuelle Hubwagen die bessere Wahl ist. Auf dem Lkw selbst: Handhubwagen werden häufig auf Lkw mitgeführt, um Paletten an der Lieferstelle zu entladen. Ihr geringes Eigengewicht (55 bis 75 kg vs. 120 bis 200 kg) spart Nutzlast und sie benötigen keine Ladesteckdose. In explosionsgefährdeten Bereichen (ATEX-Zonen) sind manuelle Hubwagen oft die einzige praktikable Option — ATEX-konforme Elektrohubwagen existieren, kosten aber ein Vielfaches. In beengten Bereichen mit häufigem Richtungswechsel (z. B. kleine Einzelhandelsgeschäfte) ist der leichtere, schmalere Handhubwagen wendiger. Und für den reinen Schwerlast-Kurztransport (über 3.000 kg auf wenigen Metern) fehlt dem Elektrohubwagen schlicht die Tragfähigkeit.

Semielektrische Hubwagen als Kompromiss

Der semielektrische Hubwagen ist keine Notlösung, sondern ein eigenständiges Segment. Typische Konfigurationen: Elektrofahrt mit manuellem Hub (für lange Strecken bei wenigen Hubvorgängen, ab ca. 1.000 Euro) oder manuelles Verfahren mit Elektrohub (für kurze Strecken bei schwerer Last, häufiges Heben und Senken, ab ca. 800 Euro). Die Entscheidung zwischen den Varianten hängt davon ab, ob die primäre Belastung durch das Schieben (dann Elektrofahrt) oder durch das Pumpen (dann Elektrohub) entsteht.

Edelstahl-Hubwagen für Hygienebereiche

In der Lebensmittelindustrie, Pharmafertigung und im Reinraum sind Edelstahl-Hubwagen (AISI 304 oder 316L) üblich oder vorgeschrieben. Es gibt sie sowohl manuell (ab ca. 800 Euro) als auch elektrisch (ab ca. 4.000 Euro). Durch gestiegene Materialkosten haben sich die Preise zuletzt spürbar erhöht.

Hersteller und Marktüberblick 2026

Der deutsche Hubwagen-Markt wird von einigen etablierten Herstellern dominiert: Jungheinrich (Hamburg) mit der Traditionsmarke „Ameise" (Handhubwagen AM-Serie, Elektrohubwagen EJE-Serie) und der Eigenmarke „AntOn" im Profishop-Segment bietet Li-Ion-Hubwagen mit Multifunktionsdeichsel und wartungsarmer Hydraulik. Toyota Material Handling (Isernhagen) vertreibt die BT-Levio-Serie — kompakte Elektro-Niederhubwagen mit Li-Ion und PIN-Code-Zugang für autorisierte Bediener. HanseLifter (Bremen) bietet ein breites Spektrum von Handgeräten bis zu Deichselstaplern, einschließlich Sonderbauten. OSWALD Transportgeräte produziert Li-Ion-Elektrohubwagen. Im Einstiegsegment sind STIER, TradeDrive und Stahlwerk mit günstigen Handhubwagen ab rund 250 Euro vertreten.

Ein Trend im Markt: Die Preisdifferenz zwischen Hand- und Elektrohubwagen schrumpft. Einstiegs-Elektromodelle mit Li-Ion-Akku und Elektrofahrt (bei manuellem Hub) starten mittlerweile bei 1.000 bis 1.200 Euro — der Aufpreis gegenüber einem guten Handhubwagen beträgt damit nur noch 500 bis 700 Euro. Gleichzeitig kosten Premium-Handhubwagen (Schnellhub, PU-Rollen, Überdruckventil, integrierte Waage) 500 bis 800 Euro — die Überlappungszone wird größer.

Wartung und UVV-Prüfung

Handhubwagen gelten als wartungsarme Geräte — Hydrauliköl prüfen, Rollen auf Verschleiß kontrollieren, Deichselgelenk schmieren, das genügt bei Standardeinsatz meist einmal jährlich. Auch rein manuell betriebene Hubwagen sind jedoch Arbeitsmittel: Die BetrSichV verlangt eine regelmäßige Prüfung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. In der Praxis wird eine jährliche Sichtprüfung empfohlen.

Für Elektrohubwagen gilt: Als elektrisch angetriebene Flurförderzeuge unterliegen sie der DGUV Vorschrift 68 „Flurförderzeuge" — die jährliche UVV-Prüfung durch eine befähigte Person ist Pflicht. Die Prüfung umfasst Bremsfunktion, Not-Aus, Deichselkontakte, Batterie und Ladegerät, Fahrmotor und Lenkung. Die Kosten liegen bei 80 bis 150 Euro pro Gerät und Jahr. Hinzu kommt die Prüfung der Lithium-Ionen-Batterie: Ladezustand, Zellbalancing und Schutzschaltung sollten im Rahmen der Jahresprüfung kontrolliert werden.

Ein Wartungsaspekt, der häufig übersehen wird: die Gabelrollen. Sowohl bei Hand- als auch bei Elektrohubwagen bestehen die Gabelrollen (Tandemrollen) typischerweise aus Polyurethan (PU) oder Nylon (Polyamid). PU-Rollen sind leiser und bodenschonender, verschleißen aber bei Schmutz und Splitt schneller. Nylon-Rollen sind härter und langlebiger, dafür lauter und weniger bodenschonend. Ein Rollensatz kostet 30 bis 80 Euro und sollte je nach Einsatzintensität alle 2 bis 4 Jahre getauscht werden — die Lenkrollen der Deichsel verschleißen in der Regel schneller als die Gabelrollen.

Miete und Gebrauchtmarkt

Wer den Umstieg zunächst testen möchte, kann Elektrohubwagen mieten. Kurzfristmieten (ab einer Woche) kosten 50 bis 120 Euro pro Woche, Langzeitmieten (12 bis 36 Monate) 80 bis 200 Euro pro Monat inklusive Wartung und UVV-Prüfung. Mietmodelle eignen sich besonders für Saisonbetriebe und zur Überbrückung von Lieferzeiten. Der Gebrauchtmarkt bietet aufbereitete Elektrohubwagen namhafter Hersteller häufig ab 800 bis 1.200 Euro mit begrenzter Garantie — eine attraktive Option für kleinere Betriebe, die den Vollelektro-Einstieg mit begrenztem Budget wagen wollen.

Typische Fehler beim Hubwagen-Einkauf

Drei Denkfehler tauchen bei der Beschaffung immer wieder auf. Erstens die reine Preisbetrachtung: Wer nur den Anschaffungspreis vergleicht, übersieht, dass die laufenden Kosten aus Wartung, Prüfung und — vor allem — ergonomiebedingten Ausfalltagen über die Nutzungsdauer ein Vielfaches der Anschaffung ausmachen können. Zweitens die Fehleinschätzung der Tragfähigkeit: Elektrohubwagen tragen typischerweise weniger als schwere Handhubwagen, weil Motor und Akku Gewicht und Bauraum beanspruchen. Wer regelmäßig über 3.000 kg bewegt, sollte das schon in der Ausschreibung berücksichtigen. Drittens die unterschätzte Bodenfrage: Auf rauem, verschmutztem oder unebenem Boden verschleißen PU-Rollen schnell, und ein zu schwach dimensionierter Antrieb kommt an Rampen an seine Grenzen. Eine kurze Bestandsaufnahme von Bodenbelag, Steigungen, Türbreiten und Wegelängen vor der Beschaffung verhindert teure Fehlkäufe.

Ebenfalls sinnvoll: vor dem Kauf eine Testphase einplanen. Viele Händler stellen Vorführgeräte oder kurzfristige Mietgeräte zur Verfügung, mit denen sich das tatsächliche Einsatzprofil — Umschlagzahl, Streckenlänge, Akkulaufzeit über die Schicht — unter realen Bedingungen prüfen lässt, bevor eine größere Stückzahl beschafft wird.

Häufige Fragen zum Umstieg

Brauche ich für einen Elektrohubwagen einen Staplerschein? Für Mitgänger-Geräte und Mitfahrer bis 6 km/h genügt eine dokumentierte Unterweisung. Erst bei mitfahrbaren Geräten über 6 km/h ist eine Qualifizierung nach DGUV Grundsatz 308-001 erforderlich. Für rein manuelle Handhubwagen ist kein Schein nötig.

Ab wann lohnt sich der Elektrohubwagen? Als Richtwert ab etwa 15 bis 20 Palettenbewegungen pro Tag oder bei regelmäßigen Strecken über 20 Meter. Unter Berücksichtigung von Zeitersparnis und vermiedenen Ausfalltagen liegt die Amortisation dann meist bei ein bis zwei Jahren.

Lithium-Ionen oder Bleisäure? Li-Ion ist heute Standard: leichter, ohne nennenswerten Memory-Effekt, zwischenladbar. Bleisäure lohnt nur bei minimalem Budget und sehr geringem Einsatz. Für den Brandschutz beim Laden gibt die DGUV Information 205-041 die maßgeblichen Hinweise.

Muss ein Elektrohubwagen geprüft werden? Ja — als Flurförderzeug nach DGUV Vorschrift 68 jährlich durch eine befähigte Person (UVV-Prüfung). Manuelle Hubwagen sind im Rahmen der BetrSichV-Gefährdungsbeurteilung zu prüfen; üblich ist eine jährliche Sichtprüfung.

Wann bleibt der Handhubwagen die bessere Wahl? Bei Lkw-Mitnahme (geringes Gewicht, keine Ladetechnik), in ATEX-Zonen, beim Schwerlasttransport über 3.000 kg und in sehr beengten Bereichen mit häufigem Richtungswechsel.

Fazit und Entscheidungshilfe

Die Frage „Elektro oder manuell?" ist keine Frage des Budgets — sie ist eine Frage des Einsatzprofils. Bei hohem Umschlag (über 15 Paletten/Tag), langen Wegen (über 20 Meter) und Dauerbetrieb (mehr als eine Schicht) amortisiert sich der Elektrohubwagen innerhalb von ein bis zwei Jahren. Bei gelegentlichem Einsatz, auf dem Lkw oder in ATEX-Zonen bleibt der manuelle Hubwagen ungeschlagen. Der semielektrische Hubwagen schließt die Lücke für Betriebe im Übergangsbereich.

Checkliste — Elektrohubwagen vs. Handhubwagen entscheiden:
  • Umschlagfrequenz ermitteln: Unter 10 Paletten/Tag → Handhubwagen. 10–20 → semielektrisch prüfen. Über 20 → Elektrohubwagen
  • Transportstrecke messen: Unter 10 m → manuell ausreichend. Über 20 m → Elektroantrieb wirtschaftlicher
  • Maximale Traglast prüfen: Über 3.000 kg → Handhubwagen (Elektrohubwagen reicht nicht)
  • Schichtmodell berücksichtigen: Mehr als eine Schicht → Li-Ion mit Zwischenlademöglichkeit oder Zweitakku
  • Ergonomie-Belastung bewerten: Hohe Beanspruchung (> 30 Paletten/Schicht) → Elektro spart Krankheitskosten
  • ATEX-Zone prüfen: Explosionsgefährdete Bereiche → manuell oder ATEX-zertifizierter Elektro (deutlicher Aufpreis)
  • Lkw-Mitnahme erforderlich? → Handhubwagen bevorzugt (geringes Gewicht, keine Ladetechnik nötig)
  • Akku-Technologie wählen: Li-Ion Standard, Bleisäure nur bei extrem niedrigem Budget und minimalem Einsatz
  • Semielektrisch evaluieren: Elektrofahrt + manueller Hub ab ca. 1.000 €, Elektrohub + manuelle Fahrt ab ca. 800 €
  • Fahrberechtigung klären: Mitgänger/Mitfahrer bis 6 km/h → Unterweisung; Mitfahrer über 6 km/h → DGUV G 308-001
  • UVV-Prüfkosten einplanen: Elektrohubwagen → 80–150 €/Jahr nach DGUV V 68; Handhubwagen → jährliche Sichtprüfung
  • Amortisation berechnen: Zeitersparnis × Stundenlohn × Arbeitstage = jährlicher Produktivitätsgewinn
  • Gebrauchtmarkt prüfen: Aufbereitete Elektro-Hubwagen häufig ab 800–1.200 € mit Restgarantie verfügbar
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