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VCI-Korrosionsschutzverpackung: Wirkprinzip, TL 8135 und Auswahlkriterien für den Maschinenexport

Eine fünfwöchige Seereise von Hamburg nach Shanghai durchläuft mehrere Klimazonen, Temperaturwechsel von über 40 Grad und tagelange Tau- und Kondensationsphasen. Eine vollelektronische Werkzeugmaschine ohne ausreichenden Korrosionsschutz erreicht den Bestimmungshafen häufig mit Rostfraß an Spindeln, Linearführungen und Steuerungskomponenten. Die Reparatur kostet ein Vielfaches der Frachtkosten, in einigen Fällen wird die Maschine zum Totalschaden. VCI-Korrosionsschutzverpackungen bieten seit Jahrzehnten eine bewährte Lösung. Sie schützen ohne Einölen, ohne Reinigungsaufwand beim Auspacken und ohne aufwendige Klimakammern. Wer ihre Wirkungsweise versteht und das richtige System wählt, vermeidet teure Schäden im Außenhandel.

VCI-Folie mit Korrosionsschutzpapier und VCI-Spender bei der Maschinenverpackung im Industriebetrieb

Wie Korrosion in der Verpackung entsteht

Korrosion ist eine chemische oder elektrochemische Reaktion an Metalloberflächen. Sie braucht zwei Hauptzutaten: Sauerstoff und Wasser. Bei Eisen und Stahl bildet sich in Anwesenheit von Wasser und Sauerstoff Eisenoxidhydroxid, gemeinhin als Rost bekannt. Dass die Reaktion meist langsam verläuft, täuscht über ihre Hartnäckigkeit hinweg. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit über 60 Prozent setzt sie messbar ein, ab 80 Prozent beschleunigt sie sich erheblich. Salze, Säuredämpfe und elektrische Kontakte zwischen verschiedenen Metallen wirken zusätzlich beschleunigend.

In Containern auf Seereisen entstehen besondere Bedingungen. Der Innenraum erwärmt sich tagsüber auf 50 bis 60 Grad Celsius und kühlt nachts auf 10 bis 20 Grad ab. Die Luftfeuchtigkeit steigt durch Kondensation in den Morgenstunden regelmäßig auf 90 Prozent und mehr. Salzhaltiger Sprühnebel dringt durch winzige Undichtigkeiten ein. Diese Bedingungen machen unbehandelte Stahloberflächen innerhalb von Tagen angreifbar.

Das Wirkprinzip von Volatile Corrosion Inhibitors

VCI steht für Volatile Corrosion Inhibitor, übersetzt flüchtiger Korrosionsschutz. Der Begriff beschreibt chemische Wirkstoffe, die bei Raumtemperatur in geringen Mengen verdampfen und sich auf umgebenden Metalloberflächen molekular ablagern. Diese unsichtbare Schutzschicht ist nur wenige Moleküllagen dick, blockiert aber die elektrochemischen Reaktionen, die Korrosion auslösen. Sobald die Verpackung geöffnet wird, verflüchtigt sich die Schutzschicht innerhalb weniger Stunden rückstandsfrei. Das verpackte Teil ist sofort einsatzbereit, ohne Reinigung und ohne Entfettung.

Die VCI-Wirkstoffe sind in einem Trägermaterial gebunden, typischerweise in Folien, Papier, Schaum oder festen Spendern. Aus diesem Trägermaterial verdampft kontinuierlich eine kleine Menge Wirkstoff in das eingeschlossene Luftvolumen der Verpackung. Im geschlossenen System stellt sich ein Gleichgewicht ein. Die Konzentration im Gasraum reicht aus, um alle Metalloberflächen zu schützen, auch verdeckte Bereiche wie Bohrungen, Innengewinde und Falze. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber Korrosionsschutzöl, das nur dort schützt, wo es flächig aufgetragen wurde.

Wichtig zu wissen: VCI ersetzt keinen mechanischen Schutz. Die Verpackung muss ausreichend dicht sein, um den Wirkstoff im Inneren zu halten. Eine vollständig hermetische Abdichtung ist nicht erforderlich, eine sehr offene Verpackung dagegen lässt den Wirkstoff entweichen, bevor er wirken kann. Übliche VCI-Folien und -Beutel mit 80 bis 200 Mikrometer Stärke bieten innerhalb der EU einen Schutz von typischerweise 12 bis 24 Monaten, bei Einsatz in Übersee mit zusätzlicher Sperrschichtfolie auch deutlich länger.

Normen und Spezifikationen: TL 8135

Die maßgeblichen technischen Lieferbedingungen (TL) sind in Deutschland von der Bundeswehr entwickelt worden und haben sich als allgemeiner Industriestandard durchgesetzt. Drei Normen sind besonders relevant.

Norm Inhalt Anwendung
TL 8135-0043 Korrosionsschutzeigenschaften von VCI-Folien und Beuteln, drei Stufen VCI-Wirksamkeit auf Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing
TL 8135-0019 Sperrschichteigenschaften (Wasserdampfdurchlässigkeit, Sauerstoffdurchlässigkeit) Hochbarriere-Folien für Klimakapselung
DIN 55530 Anforderungen an Sperrschichteigenschaften von Folien Sperrschichtfolien aller Art, ergänzend zu TL 8135-0019
DIN 55473 Trockenmittelverpackungen Silikagel-Beutel und Auslegungstabellen
DIN 55474 Berechnung der erforderlichen Trockenmittelmenge Klimakapselverpackungen mit definierter Schutzdauer
VDI 2055 Lufttechnische Anforderungen Industrielle Korrosionsschutzräume

TL 8135-0043 unterscheidet drei Stufen. Stufe 1 ist die einfachste Anforderung und für kürzere Lager- und Transportzeiten in mäßigem Klima gedacht. Stufe 2 deckt erhöhte Anforderungen ab. Stufe 3 ist die Premium-Klasse und wird für mehrjährige Lagerung, Tropenexport und besonders sensible Güter eingesetzt. Bei Lieferungen an die Bundeswehr und an Behörden ist die Stufenzuordnung Vertragsbestandteil. Im zivilen Bereich orientieren sich seriöse Verpacker an denselben Stufen. Eine ausführliche Übersicht zu Sperrschichtfolien nach TL 8135-0019 bietet beispielsweise der Antalis-Webshop.

VCI-Wirkstofftypen für unterschiedliche Metalle

Eine wichtige Einschränkung des VCI-Verfahrens ist die Metallspezifik. Es gibt keinen einzelnen VCI-Wirkstoff, der alle Metalle gleich gut schützt. Ein Inhibitor, der Stahl optimal schützt, kann Kupfer angreifen oder seine Schutzwirkung dort verfehlen. Hersteller bieten deshalb Produkte mit unterschiedlichen Wirkstoffmischungen an.

VCI-Typ Schützt zuverlässig Vorsicht bei
Standard-VCI für Eisenwerkstoffe Stahl, Stahlguss, unlegierter Stahl Kupfer, Messing, Bronze (kann anlaufen)
Multimetall-VCI Stahl, Aluminium, Kupfer, Messing, Zink, Cadmium Magnesium (Sonderprodukt nötig)
NE-Metall-VCI Kupfer, Messing, Bronze, Aluminium nicht für reine Eisenwerkstoffe gedacht
Buntmetall-VCI Kupfer, Messing nicht für Stahl ausgelegt
Magnesium-VCI Magnesiumlegierungen, Aluminium-Magnesium spezielle Anwendung, höhere Kosten

Bei Maschinen mit gemischten Werkstoffen (Stahl, Buntmetall, Aluminium) ist Multimetall-VCI Standard. Wer reine Stahlbauteile oder reine Buntmetall-Bauteile verschickt, kann durch spezialisierte Produkte die Wirksamkeit erhöhen und manchmal auch Kosten sparen. Das Datenblatt des Herstellers nennt die geeigneten Metalle explizit.

Anwendungsformen: Folie, Beutel, Papier, Spender

VCI-Wirkstoffe sind in unterschiedliche Trägermaterialien eingebunden. Die Wahl der richtigen Form hängt von Größe, Geometrie, Lagerdauer und Transportweg ab.

Form Typische Anwendung Schutzdauer Stärken
VCI-Folie als Flachfolie Einschlag von Bauteilen und Komponenten 6 bis 24 Monate flexibel, kostengünstig, gut bei großen Flächen
VCI-Beutel (Schlauchbeutel) Kleinteile, Werkzeuge, Ersatzteile 12 bis 36 Monate schnell verschweißt, definiertes Volumen
VCI-Stretchfolie Palettensicherung mit Korrosionsschutz 3 bis 12 Monate für Lagerverpackung und kurzen Transport
VCI-Sperrschichtfolie Klimakapsel mit Trockenmittel für Übersee 2 bis 5 Jahre höchster Schutz, hohe Wasserdampfdichtheit
VCI-Papier Zwischenlagen, Wickelverpackung, Stahlbleche 6 bis 24 Monate sauber, biologisch abbaubar, mechanisch puffernd
VCI-Wellpappe und Karton Innenverpackung in Versandkartons 6 bis 24 Monate kombiniert Korrosionsschutz und Stoßdämpfung
VCI-Spender (Emitter) Schaltschränke, Bohrungen, Hohlräume 12 bis 24 Monate punktuelle Aktivierung, einfache Anwendung
VCI-Schaum Polsterung empfindlicher Komponenten 6 bis 18 Monate Stoßdämpfung plus Korrosionsschutz

Eine bewährte Faustregel besagt, dass etwa 0,09 Quadratmeter VCI-Trägermaterial je 0,09 bis 0,28 Quadratmeter Metalloberfläche eingesetzt werden sollten. Bei kleinen Verpackungen reicht ein Beutel oder eine Folienlage, bei größeren Maschinen werden mehrere Lagen oder eine Kombination aus Folie und Spender verwendet. Die Datenblätter der Hersteller geben für die jeweilige Produktklasse genaue Auslegungsempfehlungen.

Trockenmittel-Verpackung als Ergänzung

Für besonders empfindliche Güter und sehr lange Schutzzeiten kombinieren Verpacker VCI mit Trockenmittel-Verpackungen. Dabei wird das Packgut in eine wasserdampfdichte Sperrschichtfolie (Aluminium-Verbundfolie) eingeschweißt. Im Inneren absorbiert Silikagel die verbliebene Restfeuchte, sodass die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft unter 40 Prozent liegt. Bei diesem Wert ist Korrosion praktisch ausgeschlossen.

Die erforderliche Trockenmittelmenge berechnet sich nach DIN 55474. Die Formel berücksichtigt das Verpackungsvolumen, die Temperatur, die Schutzdauer und die Wasserdampfdurchlässigkeit der Sperrschicht. Faustregel: Pro Kubikmeter Verpackungsvolumen werden 1 bis 6 Kilogramm Trockenmittel gerechnet, je nach Schutzdauer und Klimabelastung. Eine Tropenkapsel für eine Werkzeugmaschine kann durchaus 20 bis 40 Kilogramm Silikagel enthalten.

VCI und Trockenmittel ergänzen sich: Die Sperrschichtfolie hält die Feuchtigkeit ab, das Trockenmittel bindet die Restfeuchte und VCI schützt die Metalloberflächen. Diese dreifache Sicherung ist die Standardlösung für Maschinenexporte mit mehrwöchiger Seereise oder mehrjähriger Lagerung. Sie wird auch als Klimakapselverpackung oder Klimakapsel bezeichnet.

Hersteller im deutschsprachigen Markt

Der VCI-Markt wird von wenigen spezialisierten Herstellern dominiert, die weltweit ähnliche Produkttypen anbieten. Im deutschsprachigen Raum sind folgende Anbieter etabliert.

Hersteller Sitz Schwerpunkt
EXCOR Korrosionsschutz Magdeburg (DE) VALENO-Folien, VCI-Papiere, Multimetall-Lösungen, eigene F&E
Branopac Würzburg (DE) Folien, Beutel, Papier, BRANOfilm-Familie
Cortec Corporation / EcoCortec St. Paul (USA) / Beli Manastir (HR) VpCI-Markenprodukte, biobasierte Folien (EcoBio)
Daubert Cromwell Lemont (USA) Daubrite-Reihe, Multimetall-Schutz, US-Standardlieferant
Zerust / Northern Technologies International (NTIC) Beachwood (USA) Zerust-Folien, Spender, breite Industrieanwendung
Armor Protective Packaging Howell (USA) VCI-Folien, Stahlband-Schutz
Mondi Group Wien (AT) VCI-Papier in größerem Verpackungs-Sortiment

EXCOR und Branopac sind die größten deutschen Anbieter mit eigener Produktion und etablierten Partnern bei Industrieverpackern wie Hildebrandt, Stroebel, Antalis und Rajapack. Cortec und Zerust sind die globalen US-Marktführer mit eigenen Vertriebspartnern in Deutschland. Die Wahl hängt weniger vom Hersteller selbst als von der Beratungsqualität, der Vor-Ort-Verfügbarkeit und der TL-Stufenzuordnung ab.

Praxis: Verpackungsschritte für eine Maschine

Eine vollständige Klimakapselverpackung einer Werkzeugmaschine läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst werden alle Metalloberflächen gereinigt und entfettet. Anschließend werden empfindliche Komponenten (Spindel, Linearführungen, Steuerung) zusätzlich mit VCI-Beuteln oder VCI-Spendern punktuell geschützt. Die Maschine wird auf einer Holzpalette mit ISPM-15-Markierung positioniert und mit einer doppelten Lage VCI-Folie umschlossen. Über die VCI-Folie wird eine wasserdampfdichte Sperrschichtfolie (Aluminium-Verbundfolie) gezogen und dicht verschweißt.

Vor dem Verschweißen werden die nach DIN 55474 berechneten Trockenmittelbeutel im Inneren platziert, idealerweise an mehreren Stellen für gleichmäßige Verteilung. Ein Klimaindikator (Hygrometer-Aufkleber) am Sichtfenster zeigt, ob die Schutzwirkung intakt ist. Eine Vollverschweißung mit Heizleiste oder Heißluft sichert die Dichtigkeit. Abschließend wird die Maschine in einer Holzkiste oder in einer Gitterboxsicherung verstaut. Die gesamte Verpackungsschicht wird oft durch eine wetterfeste Außenhülle ergänzt, etwa eine UV-stabile Folie oder eine Holzkiste mit Deckel.

Lebensdauer und Wiederverwendung

Die Wirkdauer einer VCI-Verpackung hängt von vier Faktoren ab: Folienqualität, Verpackungsdichtheit, Lager- und Transportbedingungen sowie der Anwesenheit zusätzlicher Trockenmittel. Bei einfacher VCI-Folie ohne Sperrschicht reicht der Schutz typischerweise für 6 bis 18 Monate. Eine Klimakapselverpackung mit Sperrschichtfolie und Trockenmittel kann 3 bis 5 Jahre Schutz bieten, in Einzelfällen mit besonders dichten Folien auch länger.

Geöffnete VCI-Folie verliert ihre Wirkung schrittweise. Eine kurzzeitige Öffnung (Sichtprüfung) ist meistens unkritisch, dauerhafte Öffnung verkürzt die Schutzdauer deutlich. VCI-Folien lassen sich grundsätzlich wiederverwenden, sofern sie unbeschädigt sind und der Wirkstoff nicht aufgebraucht ist. In der Praxis ist die Wiederverwendung jedoch unzuverlässig, weil der Restwirkstoffgehalt schwer zu messen ist. Bei sicherheitskritischen Lieferungen wird deshalb meist neue Folie verwendet.

Umwelt, Arbeitsschutz und neue Entwicklungen

Klassische VCI-Wirkstoffe enthalten häufig Amine und Carbonsäuren, die unter REACH bewertungspflichtig sind. Die meisten heute eingesetzten Produkte sind als gesundheitlich unbedenklich eingestuft, einige ältere Wirkstoffe wurden in den vergangenen Jahren ersetzt. Sicherheitsdatenblätter (SDS nach Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) sind beim Hersteller verfügbar und geben Aufschluss über Inhaltsstoffe und Schutzmaßnahmen beim Verpacken.

Eine neuere Entwicklung sind biobasierte und kompostierbare VCI-Folien. Cortec hat 2025 mit „EcoBio VpCI-146 Paper" das nach eigenen Angaben weltweit erste industriell kompostierbare VCI-Papier eingeführt. EXCOR und Branopac arbeiten an vergleichbaren Produkten. Diese Entwicklung folgt dem Druck der EU-Verpackungsverordnung 2025/40 (PPWR), die ab 2030 strengere Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Verpackungen stellt.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Mehrkosten einer VCI-Verpackung gegenüber einer einfachen Standardverpackung sind je nach Anwendung überschaubar. Eine VCI-Folienlage für eine Maschine mit zwei Quadratmetern Oberfläche kostet etwa 5 bis 15 Euro. Eine vollständige Klimakapselverpackung mit Sperrschichtfolie, Trockenmittel und Klimaindikator schlägt für eine Werkzeugmaschine mit 100 bis 300 Euro Materialkosten zu Buche, plus Arbeitszeit für die Verpackung von 1 bis 4 Stunden.

Verglichen mit den Kosten eines Korrosionsschadens ist diese Investition gering. Eine durch Rost beschädigte Spindel oder Linearführung kostet schnell mehrere tausend Euro Reparatur, eine korrodierte Steuerung kann den Totalschaden bedeuten. Hinzu kommen Reklamationsbearbeitung, Imageschaden und mögliche Vertragsstrafen bei verspäteter Inbetriebnahme. Für Maschinenexporte über mehrere Wochen ist die Klimakapselverpackung deshalb in der Regel die wirtschaftlich sinnvolle Wahl.

Klimaklassen und Transportrouten

Nicht jede Transportroute stellt die gleichen Anforderungen. Die Verpackungsbranche orientiert sich an Klimaklassen, die in der DIN EN 60721-3-2 für den Transport festgelegt sind und in der Praxis in drei Stufen vereinfacht werden. Klasse C1 deckt mäßige klimatische Bedingungen mit Temperaturen zwischen −10 und +40 Grad und relativen Feuchten bis 75 Prozent ab. Diese Klasse passt für Innereuropäischen Transport per Bahn oder LKW und kurze Lagerung in geheizten Räumen.

Klasse C2 deckt erweiterte Bedingungen mit höheren Feuchten und stärkeren Temperaturwechseln ab und ist die Standardanforderung für Übersee-Container ohne Klimasteuerung. Klasse C3 schließlich umfasst extreme Bedingungen mit Tropenklima, salzhaltiger Atmosphäre und mehrjähriger Außenlagerung. Sie wird für Lieferungen in den Mittleren Osten, in Südostasien, nach Westafrika und an Häfen mit intensiver Salzbelastung eingesetzt.

Die Wahl der VCI-Schicht und der Sperrschichtfolie sollte sich an der zu erwartenden Klimaklasse orientieren. Eine reine VCI-Folie ohne Sperrschicht ist für C1 ausreichend, für C2 gehört eine Sperrschichtfolie nach TL 8135-0019 dazu, für C3 die vollständige Klimakapselverpackung mit doppelter Sperrschichtfolie und reichlichem Trockenmittel. Wer eine Maschine über Bremen nach Singapur verschifft (etwa fünf Wochen Seereise), liegt typischerweise zwischen C2 und C3, je nach Jahreszeit und Containerposition.

Prüfverfahren und Wirksamkeitsnachweis

Die Wirksamkeit von VCI-Produkten wird in standardisierten Tests nachgewiesen. Der bekannteste ist der Salzsprühtest nach DIN EN ISO 9227, bei dem unbehandelte und VCI-geschützte Stahlproben über definierte Zeiträume einem korrosiven Salznebel ausgesetzt werden. Eine wirksame VCI-Verpackung verzögert das Auftreten von Rost um ein Vielfaches gegenüber der ungeschützten Probe.

Der VIA-Test (VCI Inhibitor Ability) nach IEC 60068-2 prüft die Schutzwirkung in einem definierten Klimaschrank mit wechselnder Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Hersteller wie EXCOR, Branopac und Cortec haben eigene Prüflabore mit Klimaschränken und Salznebelkammern. Bei seriösen Lieferanten gehört ein Prüfzertifikat mit Chargennummer zum Lieferumfang. Wer VCI-Folien für sicherheitskritische Anwendungen einsetzt, sollte solche Zertifikate aktiv anfordern und in der Eingangsprüfung ablegen. Auch externe Akkreditierte Prüflabore wie der TÜV oder das Fraunhofer-Institut bieten unabhängige Prüfungen an, die bei Streitfällen oder Reklamationen hilfreich sind.

Häufige Fehler in der Praxis

Erstens: Falscher VCI-Typ. Wer Standard-Eisen-VCI für eine Maschine mit Buntmetallkomponenten einsetzt, schützt nicht alle Werkstoffe und kann Verfärbungen am Kupfer riskieren. Multimetall-VCI ist meist die sicherste Wahl, sofern keine spezifischen Anforderungen vorliegen.

Zweitens: Unzureichende Verpackungsdichte. Eine offen aufgelegte VCI-Folie ohne dichten Verschluss verliert den Wirkstoff in wenigen Stunden. Die Folie muss eingeschlagen, eingeschweißt oder mit Klebeband zumindest weitgehend dicht verschlossen werden.

Drittens: Vermischung mit Korrosionsschutzöl. VCI und Öl können sich gegenseitig stören. Wer eine eingelölte Maschine zusätzlich mit VCI-Folie verpackt, riskiert chemische Reaktionen, die die Schutzwirkung mindern. Wenn Öl unverzichtbar ist, sollten VCI-Produkte verwendet werden, die ausdrücklich für Kombinationen freigegeben sind.

Viertens: Fehlende Trockenmittel bei langer Schutzdauer. Eine VCI-Folie allein reicht für mehrjährige Lagerung im feuchten Klima oft nicht aus. Trockenmittel und Sperrschichtfolie sind dann zusätzliche Pflicht, kein optionales Add-on.

Fünftens: Verzicht auf Klimaindikator. Ohne sichtbare Anzeige der Restschutzwirkung kann der Empfänger nicht erkennen, ob die Schutzschicht noch intakt ist. Hygrometer-Aufkleber am Sichtfenster der Sperrschichtfolie kosten unter einem Euro pro Stück, geben aber wertvolle Informationen.

Sechstens: Anwendung jenseits der Schutzdauer. Eine VCI-Verpackung von 2022 schützt 2026 nicht mehr zuverlässig. Wer alte Lagerbestände im Lager findet, sollte bei Bedarf neu verpacken statt darauf zu vertrauen, dass die Wirksamkeit noch ausreicht.

Siebtens: Kombination mit ungeeigneten Materialien. Manche Kunststoffe und Schaumstoffe können VCI-Wirkstoffe absorbieren oder die Verpackung kontaminieren. Polsterung sollte VCI-kompatibel sein, was beim Hersteller anhand des Datenblatts zu prüfen ist.

Checkliste VCI-Korrosionsschutzverpackung: Werkstoffe der Maschine analysieren (Stahl, Buntmetall, Aluminium, Magnesium) · VCI-Wirkstofftyp passend wählen, im Zweifel Multimetall-VCI · TL-8135-0043-Stufe entsprechend Lager- und Transportdauer festlegen (1 für kurz, 3 für lang/Tropen) · Anwendungsform wählen: Folie, Beutel, Papier, Spender, Schaum oder Kombination · Sperrschichtfolie nach TL 8135-0019 / DIN 55530 für Übersee-Versand vorsehen · Trockenmittelmenge nach DIN 55474 berechnen, üblich 1 bis 6 kg/m³ · Klimaindikator (Hygrometer-Aufkleber) am Sichtfenster anbringen · Metalloberflächen vor Verpackung reinigen und entfetten · Empfindliche Komponenten zusätzlich mit Spendern oder Beuteln punktuell schützen · VCI-Folie gemäß Faustregel 0,09 m² Folie je 0,09 bis 0,28 m² Metalloberfläche dimensionieren · Sperrschichtfolie wasserdampfdicht verschweißen, Vollverschweißung statt Klemmverschluss · Holzpalette mit ISPM-15-Markierung verwenden, falls Drittland-Export · Außenverpackung als Wetterschutz (Holzkiste, UV-stabile Folie) ergänzen · Sicherheitsdatenblatt (SDS) des VCI-Produkts beim Hersteller anfordern · Mehrwegfolien nicht ohne Sicherheitsbedenken einsetzen, neue Folien für sicherheitskritische Lieferungen · Kombination VCI plus Korrosionsschutzöl nur bei ausdrücklicher Freigabe des VCI-Herstellers · Lagerbestände regelmäßig prüfen, Verpackungen nach Ablauf der Schutzdauer erneuern