Was Computer in der Produktion gefährdet
Die Gefährdungen für IT-Hardware in der Produktionsumgebung lassen sich in vier Kategorien einteilen. Die erste und häufigste ist Staub und Schmutz. In Holzverarbeitungsbetrieben, Metallwerkstätten, Schleifereien und Zementwerken ist die Luft permanent mit feinen Partikeln belastet. Diese Partikel setzen sich auf Lüfterflügeln und Kühlkörpern ab, blockieren die Luftzirkulation und führen zu Überhitzung. In der Metallindustrie kommt Kühlschmierstoff-Nebel (KSS-Nebel) hinzu, der zusammen mit Staub eine klebrige Schicht auf Platinen und Kontakten bildet.
Die zweite Gefährdung sind Flüssigkeiten. Spritzwasser bei der Reinigung, verschüttete Betriebsstoffe, Kondenswasser bei Temperaturwechseln oder Kühlmittelspritzer an Werkzeugmaschinen können in ungeschützte Gehäuse eindringen und Kurzschlüsse verursachen. Die dritte Kategorie sind mechanische Einwirkungen: Vibrationen durch Pressen, Stanzen oder Schwerlast-Stapler, Stöße durch vorbeifahrende Flurförderzeuge oder herabfallende Werkstücke. Ein handelsübliches PC-Gehäuse aus dünnem Stahlblech bietet gegen solche Einwirkungen keinen nennenswerten Schutz.
Die vierte Gefährdung ist nicht technischer Natur: unbefugter Zugriff. In Produktionshallen, in denen viele Personen arbeiten (eigene Beschäftigte, Leiharbeiter, Fremdfirmen-Techniker, Reinigungskräfte), besteht das Risiko, dass an ungesicherten PCs Einstellungen verändert, Software installiert, USB-Sticks eingesteckt oder Daten abgerufen werden, die nicht für alle Augen bestimmt sind. Auch Diebstahl von Hardware ist in größeren Betrieben ein Thema.
Drei Schutzkonzepte im Vergleich
Konzept 1: Gehärtete Industrie-PCs
Spezialisierte Industrie-PCs (IPC) sind von Grund auf für den Einsatz in rauen Umgebungen konzipiert. Sie verfügen über lüfterlose Kühlung (passiv über Aluminiumgehäuse), abgedichtete Gehäuse mit IP54 oder IP65 Schutzklasse, Solid-State-Drives (SSD) statt mechanischer Festplatten (erschütterungsfest), erweiterte Temperaturbereiche (typisch −20 bis +60 °C) und industrielle Steckverbinder. Ihre Vorteile: kompakte Bauform, sofort einsatzbereit, definierte Schutzklasse ab Werk. Ihr Nachteil: deutlich höhere Anschaffungskosten als Standard-PCs (Faktor 3 bis 10), eingeschränkte Konfigurierbarkeit und proprietäre Bauformen, die den Austausch von Komponenten (Grafikkarte, RAM, Speicher) erschweren.
Konzept 2: Schutzgehäuse und Computerschränke
Das wirtschaftlich interessantere Konzept für viele Betriebe: Ein Standard-PC wird in ein Schutzgehäuse oder einen Computerschrank eingebaut, der den Schutz übernimmt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die IT-Abteilung kann handelsübliche Hardware einsetzen, für die Ersatzteile günstig und schnell verfügbar sind. Bei einem Defekt wird der PC getauscht, nicht der gesamte Schrank. Der Schrank selbst hält in der Regel 15 bis 20 Jahre und überlebt mehrere PC-Generationen.
Typische Computerschränke für die Industrie bestehen aus pulverbeschichtetem Stahlblech (Wandstärke 1,0 bis 1,5 mm), bieten ein abschließbares Monitorfach mit Sichtfenster aus Polycarbonat oder Sicherheitsglas, einen separaten Stauraum für PC-Tower, ein Tastaturfach mit ausziehbarer Ablage, Kabeldurchlässe in Rückwand und Boden sowie ein integriertes Belüftungssystem mit Filterelement. RAU bietet solche Schränke in verschiedenen Modellen an: Computerschränke mit stationärem Monitorgehäuse für Bildschirme bis 26 Zoll, mit Flügeltürfach, Tastaturauszug und offenem Ablagefach. Die Schränke sind mit Belüftungsrastern ausgestattet, die für eine kontrollierte Luftzirkulation sorgen, ohne dass ungefilterte Hallenluft an die Hardware gelangt.
Konzept 3: Offene Computer-Stationen und -Ständer
In Umgebungen mit geringer Staub- und Feuchtigkeitsbelastung (etwa in der Endmontage, im Versand oder im Meisterbüro neben der Halle) reicht oft eine offene Lösung. Computer-Ständer sind schlanke, fahrbare oder stationäre Möbel mit ergonomischer Arbeitshöhe für die Bildschirmarbeit im Stehen. Sie bieten Ablageflächen für PC-Tower und Peripheriegeräte, eine Arbeitsfläche für Tastatur und Maus und optional eine abschließbare Tür für den PC-Bereich. Der Schutz gegen Staub und Spritzwasser ist bei offenen Stationen naturgemäß geringer als bei geschlossenen Schränken, aber für viele Einsatzorte ausreichend.
| Kriterium | Gehärteter Industrie-PC | Computerschrank mit Standard-PC | Offene Computer-Station |
|---|---|---|---|
| Staubschutz | IP54 bis IP65 ab Werk | Hoch (Filter + Dichtungen) | Gering bis mittel |
| Spritzwasserschutz | IP54 bis IP65 | Mittel (geschlossenes Gehäuse) | Gering |
| Mechanischer Schutz | Hoch (Metallgehäuse) | Hoch (Stahlkorpus) | Gering |
| Zugriffssicherung | Begrenzt (kein Schloss) | Hoch (abschließbar) | Optional (Türschloss) |
| Hardware-Austausch | Aufwändig (Spezialgehäuse) | Einfach (Standard-PC) | Einfach (Standard-PC) |
| Anschaffungskosten | Hoch (2.000 – 8.000 €) | Mittel (Schrank 500 – 1.500 € + PC) | Niedrig (300 – 800 € + PC) |
| Typischer Einsatzort | Maschinensteuerung, Reinraum | Werkstatt, Produktion, Lager | Versand, Meisterbüro, QS |
IP-Schutzklassen verstehen: Was IP54 und IP65 konkret bedeuten
Die Schutzklasse nach DIN EN 60529 (International Protection Code) besteht aus zwei Ziffern. Die erste Ziffer gibt den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung an (0 bis 6), die zweite den Schutz gegen Wasser (0 bis 9). Für industrielle Computer-Arbeitsplätze sind drei Schutzklassen relevant:
IP54 bedeutet: Schutz gegen Staubablagerungen (Staub kann eindringen, aber nicht in einer Menge, die den Betrieb beeinträchtigt) und Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. Diese Klasse ist für die meisten Werkstätten und Produktionshallen ausreichend, in denen kein direkter Wasserstrahl auf die Hardware gerichtet wird. Laut PSB Engineering ist IP54 die geeignete Wahl für allgemeine Werkstattumgebungen.
IP55 erweitert den Wasserschutz auf Strahlwasser (Niederdruck) aus allen Richtungen. Diese Klasse eignet sich für Bereiche, in denen mit Hochdruckreinigern gereinigt wird oder Kühlmittelspritzer auftreten, etwa in der spanenden Metallbearbeitung.
IP65 bietet vollständigen Staubschutz (staubdicht) und Schutz gegen Strahlwasser. Diese Klasse wird in Umgebungen mit besonders hoher Staubbelastung (Holzbearbeitung, Sandstrahlen, Zementindustrie) oder in Bereichen mit aggressiven Flüssigkeiten (Galvanik, Chemie, Lebensmittelproduktion mit Nassreinigung) benötigt.
Belüftung: Der kritische Kompromiss zwischen Schutz und Kühlung
Computer erzeugen Wärme, und in einem geschlossenen Schrank staut sich diese Wärme, wenn die Belüftung nicht ausreicht. Ein typischer Büro-PC gibt im Betrieb 150 bis 300 Watt Wärmeleistung ab, bei leistungsfähigeren Systemen können es 400 Watt und mehr sein. In einem geschlossenen Stahlschrank ohne Belüftung steigt die Innentemperatur innerhalb von Minuten auf Werte, die zu Drosselung (Thermal Throttling), Instabilität und langfristig zu Hardwareschäden führen.
Die Lösung besteht in einer kontrollierten Belüftung: Frischluft wird durch einen Filter angesaugt, passiert den Innenraum des Schranks und wird mit der Abwärme des PCs über eine Auslassöffnung abgeführt. Der Filter hält Staub und Partikel zurück, die Luft bleibt sauber. Entscheidend ist, dass der Filter regelmäßig geprüft und getauscht wird. Ein zugesetzter Filter reduziert den Luftdurchsatz, die Innentemperatur steigt, und der Schutzzweck des gesamten Konzepts wird unterlaufen. In der Praxis empfiehlt sich ein Filterwechsel alle drei bis sechs Monate, in besonders staubigen Umgebungen häufiger.
Einige Computerschränke, darunter auch die RAU-Modelle, nutzen statt eines aktiven Lüftersystems ein passives Belüftungsraster. Dieses Raster ermöglicht eine natürliche Konvektionsströmung: Warme Luft steigt im Schrank nach oben und entweicht durch obere Öffnungen, kühlere Luft strömt durch untere Öffnungen nach. Dieses Prinzip funktioniert bei moderater Wärmelast (Thin Clients, sparsame Desktop-PCs) gut und hat den Vorteil, dass kein Lüfter ausfallen kann und kein regelmäßiger Filterwechsel nötig ist. Bei leistungsstarker Hardware reicht die passive Konvektion in der Regel nicht aus, und ein aktiver Lüfter mit Filter ist erforderlich.
Stationär oder mobil: EDV-Arbeitsplätze in der Halle positionieren
Die Frage, ob ein Computer-Arbeitsplatz stationär oder mobil eingerichtet werden soll, hängt von der Nutzungshäufigkeit und der Anzahl der Einsatzorte ab. Stationäre Computerschränke eignen sich für Arbeitsplätze, an denen dauerhaft ein PC benötigt wird: BDE-Terminals an der Maschine, Wareneingangs- und Ausgangsstationen, Qualitätsprüfplätze mit festem Standort, Meisterbüros in der Halle.
Mobile Computer-Stationen auf Rollen sind dann sinnvoll, wenn der EDV-Arbeitsplatz an wechselnden Orten benötigt wird: für Inventuren, bei der Inbetriebnahme neuer Maschinen, für temporäre Datenerfassung in verschiedenen Hallenbereichen oder als mobiler Informationspunkt bei Betriebsrundgängen. RAU bietet fahrbare Computer-Ständer, die einen ergonomischen Steh-Arbeitsplatz für Bildschirmarbeit mit der Mobilität eines Wagens verbinden. Die Rollen sind mit Feststellbremsen gesichert, sodass der Arbeitsplatz am Einsatzort stabil steht.
In größeren Betrieben ist eine Kombination beider Ansätze sinnvoll: Stationäre Computerschränke an den wichtigsten festen Standorten, ergänzt durch ein oder zwei mobile Stationen, die flexibel eingesetzt werden können. So lässt sich die Investition in IT-Infrastruktur gering halten, ohne auf die Verfügbarkeit von Daten und Systemen in der Halle verzichten zu müssen.
Ergonomie am industriellen EDV-Arbeitsplatz
Industrielle Computer-Arbeitsplätze werden in der Regel im Stehen genutzt. Die ergonomischen Grundsätze, die für jede Steharbeit gelten, gelten auch hier: Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe oder leicht darunter positioniert sein, die Tastatur auf einer Höhe, die ein entspanntes Arbeiten mit leicht gewinkelten Unterarmen ermöglicht. Bei Computerschränken mit Monitorgehäuse ist die Bildschirmposition durch die Schrankbauform vorgegeben und sollte vor der Bestellung geprüft werden.
Die Tastaturablage sollte als Auszug (Teilauszug oder Vollauszug) konstruiert sein, der sich nach Gebrauch einschieben lässt. Dadurch wird die Arbeitsfläche freigegeben, wenn der PC gerade nicht aktiv bedient wird. Für Umgebungen mit starker Verschmutzung empfiehlt sich eine geschlossene Folientastatur oder eine Silikontastatur, die sich abwischen lässt und keine Ritzen hat, in denen sich Staub und Späne festsetzen.
Beleuchtung ist ein häufig vergessener Punkt: In vielen Produktionshallen ist die Allgemeinbeleuchtung für Bildschirmarbeit nicht ausreichend, insbesondere wenn der Computerschrank in einer Ecke oder an einer Hallenwand steht, die von den Deckenleuchten schlecht ausgeleuchtet wird. Eine am Schrank montierte LED-Leuchte oder eine Schwenkarm-Arbeitsplatzleuchte verbessert die Lesbarkeit von Dokumenten und reduziert die Augenbelastung.
Wirtschaftlichkeit: Was ein ungeplanter PC-Ausfall kostet
Die Investition in einen Computerschrank oder ein Schutzgehäuse amortisiert sich in der Regel nach dem ersten verhinderten Ausfall. Ein Standard-Desktop-PC kostet 500 bis 1.200 Euro. Der Schaden durch einen ungeplanten Ausfall umfasst aber weit mehr als die Wiederbeschaffungskosten: Produktionsstillstand, wenn der PC eine Maschinensteuerung oder ein BDE-System betreibt (Kosten pro Stunde abhängig vom Betrieb, aber schnell im vierstelligen Bereich), Datenverlust, wenn keine automatische Sicherung eingerichtet ist, IT-Personalaufwand für Neuinstallation und Konfiguration (typisch 2 bis 4 Stunden) sowie Ausfallzeit für die Beschäftigten, die den PC nutzen.
Demgegenüber stehen die Kosten für einen Computerschrank: Je nach Ausstattung liegen diese bei 500 bis 1.500 Euro für ein Qualitätsprodukt mit abschließbarem Monitorfach, Belüftung und Tastaturauszug. Die Nutzungsdauer eines Stahlschranks beträgt 15 bis 20 Jahre. Auf die gesamte Lebensdauer gerechnet sind das 25 bis 100 Euro pro Jahr, also deutlich weniger als eine einzige PC-Reparatur oder gar ein Produktionsausfall.
Checkliste: Computer-Arbeitsplatz in der Produktion einrichten
Umgebungsanalyse:Schutzkonzept wählen:
- Staubbelastung im Einsatzbereich ermittelt (gering / mittel / hoch)?
- Feuchtigkeit und Spritzwasserrisiko bewertet (Reinigung, Kühlmittel, Kondenswasser)?
- Mechanische Gefährdungen identifiziert (Vibrationen, Flurförderzeuge, Stöße)?
- Zugangskontrolle erforderlich (abschließbares Gehäuse, USB-Port-Sperre)?
Ausstattung prüfen:
- Geringe Belastung → offene Computer-Station oder -Ständer
- Mittlere Belastung → Computerschrank IP54 mit Filterlüfter oder Belüftungsraster
- Hohe Belastung → geschlossener Schrank IP65 oder gehärteter Industrie-PC
Ergonomie und Betrieb:
- Monitorgröße des vorhandenen Bildschirms mit den Innenmaßen des Schranks abgeglichen?
- Belüftungssystem auf die Wärmeleistung des eingesetzten PCs abgestimmt?
- Kabeldurchlässe ausreichend vorhanden (Rückwand, Boden, Deckel)?
- Stationärer oder mobiler Einsatz geplant (Rollen nachrüstbar)?
- Bildschirmhöhe auf Augenhöhe des stehenden Bedieners geprüft?
- Tastaturablage als Auszug vorhanden?
- Beleuchtung am Arbeitsplatz ausreichend?
- Wartungsintervall für Filterreinigung oder -tausch festgelegt?