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Gittertrennwände im Lager: Zutrittskontrolle, Diebstahlschutz und Zonierung im Vergleich

Inventurdifferenzen verursachen im deutschen Handel jährlich Verluste von fast fünf Milliarden Euro, ein beträchtlicher Anteil entsteht bereits im Lager durch Schwund, interne Entnahmen und fehlende Zugangsbeschränkungen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Trennung von Lagerzonen, etwa bei Gefahrstoffen, hochwertigen Waren oder automatisierten Bereichen. Modulare Gittertrennwandsysteme bieten eine flexible Lösung, die sich ohne bauliche Eingriffe installieren und bei Bedarf an veränderte Anforderungen anpassen lässt.

Modulare Gittertrennwand mit abschließbarer Tür in einem industriellen Lagerbereich mit Palettenregalen

Warum Trockenbau im Lager zunehmend durch Mesh-Systeme ersetzt wird

Klassische Trennwände aus Gipskarton oder Mauerwerk erfüllen ihren Zweck in Büroumgebungen. Im Lager stoßen sie jedoch schnell an Grenzen. Sie sind fest verbaut, bei Umstrukturierungen nur mit erheblichem Aufwand und Schmutz zu versetzen und bieten keine Einsichtmöglichkeit in den abgetrennten Bereich. Für den vorbeugenden Brandschutz fehlt ihnen die Möglichkeit der Durchlüftung, was bei der Lagerung bestimmter Güter problematisch werden kann. Sprinkleranlagen werden durch massive Wände in ihrer Wirkung eingeschränkt.

Modulare Gittertrennwandsysteme lösen diese Einschränkungen. Sie bestehen aus verschweißten Stahlgitterelementen, die in einen Rahmen aus Rund- oder Vierkantrohr eingesetzt und über Bodenstützen, Eck- und Mittelpfosten miteinander verbunden werden. Die Montage ist selbsttragend und erfordert in den meisten Fällen nur eine Verschraubung im Boden, ohne Eingriffe in die Hallenkonstruktion. Elemente lassen sich bei Bedarf einzeln austauschen oder versetzen, was das System für Lagerbetriebe mit wechselnden Anforderungen besonders wirtschaftlich macht.

Entscheidend ist die Kombination aus physischer Barriere und Einsichtmöglichkeit. Die offene Gitterstruktur erlaubt Sichtkontrolle, Belüftung und die ungehinderte Funktion von Sprinkleranlagen und Rauchmeldern. Gleichzeitig verhindert sie den unbefugten Zugang zu geschützten Bereichen. Mit abschließbaren Türen, Schiebetoren und Ausgabeschaltern lässt sich die Zutrittskontrolle präzise auf die betrieblichen Abläufe abstimmen.

Typische Einsatzbereiche in der Lagerpraxis

Diebstahlschutz für hochwertige Waren

Im Bereich der hochwertigen Güter, etwa Elektronik, Ersatzteile, Werkzeuge oder pharmazeutische Produkte, ist der kontrollierte Zugang eine Grundvoraussetzung. Gittertrennwände schaffen hier abgeschlossene Lagerzonen, zu denen nur autorisierte Mitarbeiter Zugang haben. Die EHI-Studie „Inventurdifferenzen 2025" beziffert die durch Diebstahl verursachten Verluste im deutschen Handel auf rund 4,2 Milliarden Euro jährlich. Davon entfallen nach Schätzung der befragten Unternehmen knapp 900 Millionen Euro auf Mitarbeiterdiebstahl und rund 360 Millionen Euro auf Lieferanten und Servicepersonal. In Industrielagern, die nicht unter die Handelsstatistik fallen, kommen vergleichbare Mechanismen zum Tragen.

Ein geschlossener Gitterkäfig mit abschließbarer Tür und Überdachung bietet den höchsten Schutzgrad innerhalb des Lagers. Für Warenbereiche mit häufiger Entnahme eignen sich Ausgabeschalter, die in die Trennwand integriert werden und eine kontrollierte Ausgabe ermöglichen, ohne den gesicherten Bereich vollständig zu öffnen.

Zonierung nach Gefahrstoffverordnung und ArbSchG

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) verlangen die räumliche Trennung bestimmter Lagerbereiche. Gittertrennwände erfüllen diese Anforderung, sofern die Lagerung keine geschlossene Einhausung vorschreibt. Für Gasflaschen, bestimmte Aerosole oder Kleingebinde mit Gefahrstoffen bieten Gitterkäfige eine normkonforme Lösung mit ausreichender Belüftung. Die Maschenweite des Gitters bestimmt dabei, ob Kleinteile durch die Öffnungen entnommen werden können. Bei der Lagerung von Aerosoldosen etwa empfiehlt sich eine Maschenweite von höchstens 25 x 25 mm.

Trennung automatisierter Lagerbereiche

In Lagern mit automatisierten Systemen, etwa Shuttleregalen, autonomen mobilen Robotern (AMR) oder Palettierrobotern, ist die physische Trennung zwischen Mensch und Maschine gesetzlich vorgeschrieben. Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, ab Januar 2027 abgelöst durch die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, definiert die Anforderungen an trennende Schutzeinrichtungen. Hier kommen Maschinenschutzgitter zum Einsatz, die höheren Anforderungen genügen als reine Lagertrennwände. Axelent bietet für diese Anwendung das X-Guard-System an, das bei Bedarf mit dem Lagertrennwandsystem X-Store 2.0 kombiniert werden kann.

Herstellervergleich: Drei Systeme für unterschiedliche Anforderungen

Im deutschen Markt dominieren drei Hersteller das Segment der modularen Gittertrennwände für Industrielager. Alle drei stammen aus Schweden und bieten Systeme an, die sich in Konstruktion, Modularität und Zubehörumfang unterscheiden.

Axelent X-Store 2.0 ist ein System, das speziell für die Lagertrennung entwickelt wurde und sich vom Maschinenschutz-Programm X-Guard durch schlankere Profile und ein eigenständiges Befestigungskonzept unterscheidet. Die Wandelemente sind in drei Höhen und sechs Breiten erhältlich, die Bodenstützen sind universell einsetzbar, auch für Eckverbindungen. Ein Vorteil des X-Store 2.0 ist die Möglichkeit, einzelne Wandelemente zu entfernen, ohne benachbarte Elemente zu beeinflussen. Für Türlösungen greift Axelent auf das Sortiment der X-Guard Classic-Reihe zurück und bietet damit Schwenk- und Schiebetüren mit unterschiedlichen Verriegelungsoptionen an. Die Standardfarbe ist papyrusweiß (RAL 9018), Sonderfarben sind auf Anfrage möglich. X-Store 2.0 lässt sich auch mit Dachelementen versehen, was für geschlossene Käfige bei besonders wertvollen Waren relevant ist.

Troax, der schwedische Marktführer im Bereich Gitterpanelsysteme, bietet mit der Caelum-Serie ein modulares Trennwandsystem für Industrie- und Lagerumgebungen an. Die Panele sind in den Varianten UR 350 (leichtere Ausführung) und UX 450 (verstärkte Ausführung mit verschweißtem 50 x 50 mm Gitter auf 19 x 19 mm Rohrrahmen) verfügbar. Troax zeichnet sich durch ein besonders breites Zubehörprogramm aus, darunter Abloy-Zylinderschlösser mit elektronischer Anbindung, Sicherungskappen gegen unbefugtes Lösen der Befestigungen und spezielle Blechpanele (UR SP) für Bereiche mit Sichtschutzanforderung. Für Tiefkühl- und Außenbereiche bietet Troax feuerverzinkte Varianten an.

Garantell, ebenfalls in Schweden ansässig, positioniert sich als kosteneffiziente Alternative mit einem Fokus auf schnelle Lieferzeiten und Standardkonfigurationen. Das System eignet sich vor allem für mittlere Sicherheitsanforderungen, bei denen die Standardpanelgrößen ausreichen und weniger individuelles Zubehör benötigt wird.

Gittertrennwandsysteme im Vergleich

Eigenschaft Axelent X-Store 2.0 Troax Caelum Garantell
Panelhöhen 1400, 2200, 2950 mm 800 bis 4400 mm (modular) 2200 mm (Standard)
Panelbreiten 250 bis 1500 mm (6 Stufen) 200 bis 1500 mm (8 Stufen) Standardbreiten
Pfostenprofile 70 x 25 mm (eine Variante für alle Anwendungen) 60 x 40 mm (Standard), 80 x 80 mm (verstärkt) 60 x 40 mm
Maschenweite 50 x 30 mm und 50 x 60 mm 50 x 50 mm (Standard), 25 x 25 mm (Feinmasche) 50 x 50 mm
Türoptionen Schwenk- und Schiebetüren (aus X-Guard Classic) Schwenk-, Schiebe- und Linearschiebetüren Schwenk- und Schiebetüren
Elektronische Zutrittskontrolle Über Drittanbieter integrierbar Kit Abloy EL460 ab Werk (EN 179 konform) Über Drittanbieter integrierbar
Dachelemente Ja Ja (Z-Dachträger) Auf Anfrage
Sichtschutzpanele Nein (nur Gitter) Ja (UR SP Stahlblechpanel) Nein
Standardfarbe RAL 9018 (papyrusweiß) RAL 7037 (staubgrau) RAL 7035 (lichtgrau)
Kombination mit Maschinenschutz Ja (X-Guard System) Ja (Troax Machine Guarding) Nein
Feuerverzinkung für Außen/TK Auf Anfrage Ja (Klasse C3) Ja

Zutrittskontrolle: Vom Vorhängeschloss bis zur elektronischen Anbindung

Die Wirksamkeit einer Gittertrennwand als Sicherheitsbarriere steht und fällt mit der Qualität der Zugangskontrolle. In der einfachsten Variante wird die Tür mit einem Vorhängeschloss gesichert. Das reicht aus, um den spontanen Zugriff durch Unbefugte zu verhindern, bietet aber keine Protokollierung und keine selektive Berechtigung.

Für Betriebe mit differenzierten Zugangsrechten empfehlen sich Zylinderschlösser mit Schließanlage, bei denen jeder Mitarbeiter einen individuellen Schlüssel erhält. Die nächste Stufe bilden elektronische Schlösser mit Transponder- oder Kartenzugang, die sich in bestehende Zutrittskontrollsysteme integrieren lassen. Troax bietet hierfür das Kit Abloy EL460 als werksseitig vorinstallierte Option an, bei dem das elektrische Schloss mit einer Split-Funktion für den Notausgang nach EN 179 kombiniert ist. Ein Elektriker wird für die Inbetriebnahme vor Ort benötigt, die Installation der Tür selbst kann durch eigenes Personal erfolgen.

Axelent stützt sich bei der Zutrittskontrolle auf das X-Guard Classic-Türprogramm und verweist für elektronische Anbindungen auf Drittanbieter. In der Praxis ist das kein Nachteil, da viele Betriebe ohnehin ein bestehendes Zutrittskontrollsystem nutzen, in das die Trennwandtüren eingebunden werden. Der Integrationsaufwand ist bei allen drei Herstellern vergleichbar.

Planungshinweise für die Praxis

Bei der Planung einer Gittertrennwand im Lager sollten zunächst die Schutzziele definiert werden. Die Frage lautet: Soll die Trennwand primär den Zugang kontrollieren, den Warenbestand schützen, automatisierte Bereiche absichern oder Lagerzonen optisch und organisatorisch voneinander trennen? Je nach Schutzziel ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Höhe, Maschenweite, Verriegelung und Zertifizierung.

Für reine Zonierungszwecke, etwa die Trennung von Wareneingang und Kommissionierung, genügen Standardpanele in 2.200 mm Höhe ohne besondere Verriegelung. Für den Diebstahlschutz hochwertiger Waren sollte die Trennwand mindestens 2.200 mm hoch sein, eine Maschenweite von maximal 50 x 50 mm aufweisen und mit einer abschließbaren Tür versehen werden. Bei besonders kleinteiligen, wertvollen Gütern wie Elektronikkomponenten empfiehlt sich eine Maschenweite von 25 x 25 mm, um das Hindurchgreifen zu verhindern. Troax bietet mit dem Panel UR 325 eine entsprechende Variante an.

Die Bodenbeschaffenheit beeinflusst die Montage. Auf Betonböden mit ausreichender Festigkeit werden die Bodenstützen direkt verdübelt. Auf beschichteten oder versiegelten Böden, wie sie in der Lebensmittel- und Pharmalogistik üblich sind, sollte die Kompatibilität der Dübelverankerung vorab geprüft werden. Bei empfindlichen Böden oder Mietflächen kann eine Befestigung mit Deckenspannschrauben eine Alternative sein, die BITO und andere Anbieter für ihre einfacheren Systeme im Programm haben.

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Durchgangsbreite der Türen. Für Fußgänger genügt eine lichte Breite von 900 bis 1.000 mm. Werden Paletten mit Hubwagen durch die Trennwand transportiert, ist eine Durchfahrtsbreite von mindestens 1.500 mm erforderlich. Für Gabelstapler sollte die Öffnung mindestens 2.500 mm betragen. Alle drei Hersteller bieten Schiebetore an, die weniger Schwenkraum benötigen als Drehtüren und in engen Lagerbereichen häufig die bessere Wahl sind.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die Kosten für ein modulares Gittertrennwandsystem hängen von der Länge der Trennwand, der gewählten Höhe, der Anzahl der Türen und dem Verriegelungssystem ab. Als Richtwerte für den deutschen Markt (Nettopreise, Stand 2026) lassen sich folgende Spannen angeben: Einfache Gitterpanele kosten je nach Hersteller und Größe zwischen 40 und 120 Euro pro Element. Bodenstützen liegen bei 30 bis 70 Euro pro Stück. Abschließbare Einzelschwenktüren beginnen bei etwa 400 Euro, Doppelschiebetore bei rund 1.200 Euro. Für eine geschlossene Lagerbox von 6 x 3 Metern Grundfläche mit 2.200 mm Höhe und einer Schwenktür ist mit Materialkosten zwischen 2.500 und 5.000 Euro netto zu rechnen, je nach Hersteller und Ausstattung.

Die Montage kann in vielen Fällen durch eigenes Personal erfolgen. Die Systeme aller drei Hersteller sind so konzipiert, dass sie mit handelsüblichem Werkzeug und einer Montageanleitung aufgebaut werden können. Die Montagezeit für die oben genannte Beispielbox liegt bei vier bis acht Stunden für zwei Personen. Alternativ bieten Axelent und Troax über ihre Vertriebspartner Montageservices an, deren Kosten sich je nach Region und Umfang auf 500 bis 1.500 Euro belaufen.

Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich weniger aus den Anschaffungskosten als aus den vermiedenen Verlusten. Wenn ein gesicherter Lagerbereich die Inventurdifferenzen um nur 0,1 Prozentpunkte senkt, macht sich die Investition bei einem Warenwert von 500.000 Euro bereits im ersten Jahr bezahlt. Hinzu kommt der organisatorische Nutzen: Klare Zonierung reduziert Suchzeiten, vereinfacht die Inventur und verbessert die Nachverfolgbarkeit von Warenbewegungen.

Praxisbeispiel: Swisslog-Lager mit integriertem Sicherheitskonzept

Ein praxisnahes Beispiel für die Kombination von Gittertrennwänden und Maschinenschutz liefern automatisierte Lagerprojekte des Schweizer Intralogistikunternehmens Swisslog. In solchen Anlagen werden Maschinenschutzgitter zur Einhausung von Robotik- und Fördertechnikbereichen eingesetzt(z.B. Axelent X-Guard), während angrenzende manuelle Lagerzonen über modulare Gittertrennwände strukturiert werden.

Durch die Kombination beider Systeme entsteht eine klare Trennung zwischen automatisierten und manuell bedienten Bereichen. Gleichzeitig bleibt das Layout flexibel, da sich die einzelnen Zonen bei Bedarf anpassen oder erweitern lassen, ohne dass aufwendige bauliche Maßnahmen erforderlich sind.

Für Betreiber zeigt dieses Beispiel, wie sich Sicherheitsanforderungen, Zugangskontrolle und effiziente Materialflüsse in einem integrierten Lagerkonzept zusammenführen lassen — insbesondere in Umgebungen mit wachsendem Automatisierungsgrad.

Checkliste: Gittertrennwand im Lager planen

Planungs-Checkliste für Lagerleiter und Facility Manager

☐ Schutzziel definieren: Diebstahlschutz, Zonierung, Maschinensicherheit oder Gefahrstofftrennung?
☐ Erforderliche Wandhöhe festlegen (2.200 mm Standard, höher bei Klettergefahr oder für Maschinenschutz)
☐ Maschenweite nach Schutzziel wählen (50 x 50 mm Standard, 25 x 25 mm bei kleinteiligen Gütern)
☐ Türtyp und Durchgangsbreite festlegen: Fußgänger (900 mm), Hubwagen (1.500 mm), Stapler (2.500 mm)
☐ Verriegelungssystem wählen: Vorhängeschloss, Zylinderschloss, elektronische Zutrittskontrolle
☐ Dachelemente nötig? (Pflicht bei geschlossenen Sicherheitskäfigen für hochwertige Waren)
☐ Sichtschutz erforderlich? (Troax UR SP Blechpanele oder alternative Blickschutzfolien)
☐ Bodenbeschaffenheit prüfen: Beton, beschichtet, Epoxi? Dübeleignung klären
☐ Tiefkühl- oder Außeneinsatz? Feuerverzinkte Ausführung anfordern
☐ Kompatibilität mit bestehendem Maschinenschutz prüfen (gleicher Hersteller bevorzugt)
☐ Brandschutz: Sprinklerfunktion und Rauchabzug durch offene Gitterstruktur sichergestellt?
☐ Montage planen: Eigenpersonal oder Montageservice des Herstellers?