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Lagerhallen heizen ohne Gas: Welche Alternativen sich in der Energiekrise 2026 rechnen

Der europäische Gaspreis hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt und liegt am TTF-Benchmark bei über 60 Euro je Megawattstunde. Die EU-Gasspeicher standen Ende Februar bei nur 46 Milliarden Kubikmetern, das ist der niedrigste Stand seit Jahren. Für Lagerbetreiber und Produktionsleiter, deren Hallen mit gasbeheizten Warmlufterzeugern oder Zentralheizungen temperiert werden, stellt sich die Frage, welche Alternativen kurzfristig verfügbar und wirtschaftlich darstellbar sind. Infrarot-Dunkelstrahler, elektrische Infrarotheizungen, industrielle Wärmepumpen und die Nutzung von Kompressorabwärme bieten unterschiedliche Ansätze. Dieser Beitrag vergleicht die Systeme nach Effizienz, Investition, GEG-Konformität und Eignung für typische Lagerhallen.

Infrarot-Dunkelstrahler unter der Hallendecke einer Logistikhalle, im Hintergrund Hochregale und ein Elektrostapler

Das Problem mit der Warmluft: Warum konventionelle Hallenheizungen so viel Gas verbrauchen

Die Mehrzahl der Lager- und Produktionshallen in Deutschland wird über gasbefeuerter Warmlufterzeuger beheizt. Diese blasen erwärmte Luft in den Hallenraum, wo sie nach oben steigt und sich unter der Decke sammelt. In einer typischen Lagerhalle mit 8 bis 12 Metern Deckenhöhe kann die Temperatur unter der Decke um 15 bis 20 Grad höher liegen als auf Bodenniveau, wo die Mitarbeiter arbeiten. Dieser Effekt, die sogenannte Temperaturschichtung, bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Heizenergie dort verbraucht wird, wo niemand arbeitet: unter dem Dach.

Bei Gaspreisen von über 60 Euro je MWh kosten diese Verluste bares Geld. Eine Warmluftanlage in einer 2.000-m²-Lagerhalle mit 10 m Deckenhöhe verbraucht bei konventioneller Betriebsweise zwischen 400 und 600 MWh Gas pro Heizsaison. Das entspricht bei aktuellen Preisen 24.000 bis 36.000 Euro jährlich, nur für die Heizung. Zwei Drittel dieser Energie beheizen Luft, die kein Mensch braucht.

Das Infrarotprinzip löst dieses Problem grundlegend anders: Statt die Hallenluft zu erwärmen, strahlen Infrarotheizungen die Wärme direkt auf Boden, Werkstücke, Regale und Personen ab. Es entsteht ein Wärmekomfort auf Bodenniveau, ohne dass die gesamte Luftmasse der Halle aufgeheizt werden muss. Die Einsparung gegenüber Warmluftsystemen liegt bei 30 bis 50 Prozent.

Gasbetriebene Infrarot-Dunkelstrahler: Der effizienteste Weg, Gas zu nutzen

Gasbetriebene Dunkelstrahler sind das etablierteste System für die Infrarot-Hallenheizung. In einem Stahlrohr verbrennt ein Gas-Luft-Gemisch, das Rohr wird auf rund 350 bis 500 °C erhitzt und gibt Infrarotstrahlung über Aluminium-Reflektoren nach unten ab. Der Strahlungswirkungsgrad moderner Dunkelstrahler liegt bei über 70 Prozent, in Verbindung mit Brennwerttechnik zur Wärmerückgewinnung aus dem Abgas bei über 90 Prozent.

Schwank (Köln) ist einer der Pioniere dieser Technologie und bietet Dunkelstrahler, Hellstrahler, Warmlufterzeuger und seit einigen Jahren auch elektrische Infrarotstrahler und Wärmepumpen für Hallen an. Das Unternehmen gewährt 15 Jahre Garantie auf alle Geräte. Kübler (Ludwigshafen) ist der zweite große deutsche Spezialist und bietet mit neun verschiedenen Dunkelstrahler-Typen das nach eigenen Angaben breiteste Portfolio in Europa an. GoGaS (Dortmund) komplettiert das Anbietertrio für industrielle Infrarot-Hallenheizungen in Deutschland.

Dunkelstrahler nutzen zwar weiterhin Gas, aber sie nutzen es erheblich effizienter als Warmlufterzeuger. Bei einem Betrieb, der seine Warmluftheizung durch Dunkelstrahler ersetzt, sinkt der Gasverbrauch um 30 bis 50 Prozent. Bei den aktuellen Gaspreisen amortisiert sich diese Umstellung innerhalb von drei bis fünf Jahren. Das GEG (Gebäudeenergiegesetz) bewertet dezentral beheizte Hallen mit Raumhöhen über 4 Metern als Sonderfall und entbindet sie von der Pflicht zum Einsatz regenerativer Energien, wenn eine jährliche Einsparung von 40 Prozent oder mehr nachgewiesen wird. Moderne Infrarot-Dunkelstrahler erfüllen diese Schwelle in der Regel deutlich.

Elektrische Infrarotstrahler: Gasunabhängig und GEG-konform

Wer die Gasabhängigkeit vollständig eliminieren möchte, kann auf elektrische Infrarotstrahler umsteigen. Diese wandeln elektrische Energie direkt in Infrarotstrahlung um und benötigen weder Gasanschluss noch Abgasführung noch Schornstein. Die Installation ist dadurch erheblich einfacher als bei Gasstrahlern und kann in bestehenden Hallen ohne Genehmigungsverfahren für Gasinstallation erfolgen.

Schwank bietet unter der Marke eSchwank elektrische Infrarotstrahler in vier Leistungskategorien an, die sich nach Hallenhöhe und Heizleistung unterscheiden. Das GEG bewertet elektrische Strahlungsheizungen als 100 Prozent regenerativ, was sie im Neubau und in der Sanierung ohne weitere Nachweise einsetzbar macht.

Der Nachteil: Die Betriebskosten pro kWh Wärme liegen bei Strom höher als bei Gas. Bei einem Gaspreis von 60 Euro je MWh (6 Cent/kWh) und einem Strompreis von 22 Cent je kWh ist der Kilowattstundenpreis für Strom rund 3,7-mal so hoch. Da Infrarotstrahler jedoch einen höheren Wirkungsgrad haben als Warmlufterzeuger (kein Schichtungsverlust, keine Leitungsverluste), relativiert sich der Unterschied. In einer typischen Lagerhalle ist der Gesamtenergieverbrauch eines elektrischen Infrarotsystems um 40 bis 60 Prozent geringer als der einer Warmluftheizung, sodass die Betriebskosten trotz des höheren kWh-Preises nur 20 bis 40 Prozent über denen eines Gas-Dunkelstrahlers liegen.

Besonders interessant wird die elektrische Variante, wenn der Betrieb über eine PV-Anlage auf dem Hallendach verfügt. Eigenerzeugter Solarstrom senkt die effektiven kWh-Kosten auf 8 bis 12 Cent, was die Betriebskosten eines elektrischen Infrarotsystems unter die eines Gas-Dunkelstrahlers drücken kann.

Hybride Systeme und Multi-Energie-Konzepte: Die Zukunft der Hallenheizung

Die neueste Entwicklung auf dem Markt sind hybride Heizsysteme, die mehrere Energiequellen kombinieren. Kübler hat mit der FUTURA ein Multi-Energie-Infrarotsystem entwickelt, das wahlweise mit PV-Strom, Netzstrom, Biogas oder konventionellem Erdgas betrieben werden kann. Ein KI-gestütztes Steuerungssystem wählt automatisch den jeweils wirtschaftlichsten Energieträger. Optional lässt sich das System mit integrierter LED-Hallenbeleuchtung ausstatten, wodurch Infrastruktur- und Wartungskosten nahezu halbiert werden. Die FUTURA wurde 2024 mit dem Zukunftspreis des BVMW ausgezeichnet.

Schwank verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit Hallenheiz- und Klimasystemen, die elektrische Infrarotstrahler mit Wärmepumpen und intelligenten Regelungseinheiten zu einem Gesamtkonzept verbinden. Die Wasserstoff-fähigen Infrarotstrahler (H₂-ready) von Schwank ermöglichen zudem einen schrittweisen Übergang zu grünem Wasserstoff, sobald dieser in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar ist.

Für Betriebe, die angesichts der aktuellen Krise kurzfristig handeln müssen, bieten hybride Systeme den Vorteil der Versorgungssicherheit: Fällt eine Energiequelle aus oder wird zu teuer, schaltet das System automatisch auf die Alternative um.

Kompressor-Abwärme nutzen: Die kostenlose Heizung aus dem Maschinenraum

Viele Betriebe übersehen die einfachste Wärmequelle, die bereits vorhanden ist: die Abwärme des Druckluftkompressors. Ein Schraubenkompressor wandelt 100 Prozent der zugeführten elektrischen Energie in Wärme um. Bis zu 96 Prozent dieser Wärme lassen sich über Wärmerückgewinnung nutzbar machen, entweder als Warmluft (über Luftkanäle direkt in die Halle) oder als Warmwasser (über Wärmetauscher für Fußbodenheizung oder Prozesswärme).

Ein Kompressor mit 75 kW Anschlussleistung erzeugt bei 6.000 Betriebsstunden pro Jahr rund 450 MWh Abwärme. Davon lassen sich über Wärmerückgewinnung rund 430 MWh nutzbar machen. Das entspricht bei einem Gaspreis von 60 Euro je MWh einem Heizwert von rund 25.800 Euro pro Jahr, die ohne zusätzlichen Energieeinsatz verfügbar sind. Die Nachrüstung eines Wärmerückgewinnungssystems (PTG-System bei Kaeser, Energy Recovery bei Atlas Copco) kostet je nach Kompressorgröße zwischen 3.000 und 15.000 Euro und amortisiert sich bei den aktuellen Gaspreisen innerhalb eines Jahres.

Die Kompressor-Abwärme reicht in der Regel nicht aus, um eine gesamte Lagerhalle zu beheizen, aber sie kann einen erheblichen Teil der Grundlast abdecken und die Laufzeiten der Hauptheizung signifikant reduzieren.

Systemvergleich: Hallenheizung für Lagerhallen (2.000 m², 10 m Deckenhöhe)

System Energieträger Investition (ca.) Energiekosten/Jahr (ca.) Einsparung vs. Warmluft GEG-konform?
Warmlufterzeuger (Bestand) Erdgas Bestand 24.000–36.000 Euro Referenz (0 %) Eingeschränkt (GEG 65 %-Regel)
Gas-Infrarot-Dunkelstrahler Erdgas 25.000–50.000 Euro 12.000–20.000 Euro 30–50 % Ja (Sonderregel >4 m, 40 % Einsparung)
Elektrische Infrarotstrahler Strom 15.000–35.000 Euro 16.000–26.000 Euro (Netzstrom), 6.000–12.000 Euro (PV) 20–40 % (Netzstrom), 50–70 % (PV) Ja (100 % regenerativ nach GEG)
Hybrid (FUTURA, Schwank Hybrid) Strom + Gas (flexibel) 40.000–80.000 Euro 10.000–18.000 Euro (optimiert) 40–60 % Ja
Industrielle Wärmepumpe (Luft-Luft) Strom 50.000–120.000 Euro 8.000–15.000 Euro (COP 2,5–3,5) 50–70 % Ja (regenerativ)
Kompressor-Abwärme (Nachrüstung) Abwärme (kostenlos) 3.000–15.000 Euro 0 Euro (bereits bezahlter Strom) Anteilig 20–40 % der Grundlast Ja

Sofortmaßnahmen ohne Investition: Was heute schon hilft

Vor jeder Investition in ein neues Heizsystem lohnt es sich, die bestehende Anlage zu optimieren. Drei Maßnahmen wirken sofort und kosten nichts oder wenig:

Nachtabsenkung konsequent nutzen: Eine Absenkung der Hallentemperatur um 4 bis 5 °C außerhalb der Arbeitszeiten spart 10 bis 15 Prozent Heizenergie. Die Wiederaufheizung vor Schichtbeginn muss zeitlich abgestimmt werden, damit die ASR A3.5-Mindesttemperaturen (17 °C bei schwerer, 19 °C bei mittelschwerer, 20 °C bei leichter Arbeit) zu Arbeitsbeginn erreicht sind.

Tore und Durchgänge abdichten: Jedes offenstehende Hallentor verursacht massive Wärmeverluste. Schnelllauftore, Streifenvorhänge (PVC-Lamellenvorhang) und Bürstendichtungen an Verladetoren reduzieren den Wärmeverlust an Toröffnungen um 60 bis 80 Prozent. Die Investition in einen Streifenvorhang (ab ca. 300 Euro für ein Standard-Tor) amortisiert sich bei den aktuellen Gaspreisen innerhalb weniger Wochen.

Decken-Ventilatoren zur Destratifikation: Großflächige Deckenventilatoren (HVLS-Ventilatoren) drücken die warme Luft unter der Hallendecke nach unten und verteilen sie gleichmäßig im Raum. Das reduziert die Temperaturschichtung und senkt den Heizenergiebedarf um 10 bis 20 Prozent. Anbieter wie Rite-Hite, Big Ass Fans oder Nordwind bieten HVLS-Systeme für Industriehallen an.

Checkliste: Hallenheizung optimieren oder ersetzen

Checkliste für Lager- und Hallenverantwortliche
  • Aktuellen Heizenergieverbrauch erfasst (MWh/Jahr)? Gasrechnungen der letzten drei Heizperioden geprüft?
  • Hallenhöhe, Grundfläche und Nutzungsprofil dokumentiert? Nutzungszeiten und Schichtmodell erfasst?
  • Temperaturschichtung gemessen? Temperaturdifferenz Boden vs. Decke bestimmt?
  • Sofortmaßnahmen umgesetzt: Nachtabsenkung, Torabdichtung (Streifenvorhang, Schnelllauftor), Deckenventilatoren?
  • Kompressor-Abwärme geprüft? Wärmerückgewinnung nachrüstbar (Kaeser PTG, Atlas Copco Energy Recovery)?
  • GEG-Anforderungen geprüft: Halle >4 m Deckenhöhe, dezentral beheizt → Sonderregel (40 % Einsparung statt 65 % regenerativ)?
  • Gas-Dunkelstrahler als Ersatz für Warmluft geprüft: 30–50 % Gasersparnis, Brennwerttechnik?
  • Elektrische Infrarotstrahler evaluiert (PV-Strom vorhanden? → Betriebskosten unter Gas möglich)?
  • Hybride Systeme (Kübler FUTURA, Schwank Hybrid) für maximale Flexibilität und Versorgungssicherheit geprüft?
  • Industrielle Wärmepumpe (Luft-Luft) für Hallen <8 m Deckenhöhe evaluiert (COP 2,5–3,5)?
  • BAFA-Förderung geprüft: Modul 4 Basisförderung (≥15 % Einsparung) oder Modul 1 (Wärmeübertrager)?
  • Angebote von mindestens zwei Fachplanern eingeholt (Schwank, Kübler, GoGaS, nordluft)?