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Diesel-Engpass in der Intralogistik: Warum der Umstieg auf Elektrostapler mit Lithium-Ionen-Batterie jetzt strategisch sinnvoll ist

Shell warnt vor Dieselengpässen in Europa innerhalb weniger Wochen, sollte die Straße von Hormuz geschlossen bleiben. Iran hat Mitte März zwischen 30 und 40 Prozent der Ölraffinerie-Kapazitäten am Golf durch Raketenangriffe beschädigt, was rund 11 Millionen Barrel pro Tag aus der globalen Versorgung genommen hat. Brent-Rohöl notiert bei 119 Dollar. Für Lagerbetreiber, die noch mit Dieselstaplern arbeiten, wird das Risiko einer Lieferunterbrechung konkret. Gleichzeitig zeigt der Kostenvergleich, dass sich der Umstieg auf Elektrostapler mit Lithium-Ionen-Batterie bei den aktuellen Kraftstoffpreisen schneller amortisiert als je zuvor.

Lithium-Ionen-Elektrostapler lädt an einer Ladestation in einem Hochregallager, daneben steht ein älterer Dieselstapler

Diesel als Betriebsrisiko: Warum Versorgungssicherheit jetzt Thema wird

Die EU bezieht nur rund 8 Prozent ihrer Rohölimporte direkt aus Saudi-Arabien. Bei raffinierten Kraftstoffen wie Diesel und Kerosin ist die Abhängigkeit vom Persischen Golf jedoch deutlich höher, weil ein erheblicher Teil dieser Produkte aus Saudi-Arabien und Kuwait stammt. Die Raffineriebeschädigungen durch iranische Angriffe am 18. März haben die globale Versorgungslage für Mitteldestillate (Diesel, Heizöl) verschärft. Analysten und Händler rechnen nach Angaben von Bloomberg mit konkreten Engpässen in Europa und Lateinamerika, sollte die Straße von Hormuz für einen zweiten Monat geschlossen bleiben.

Für Logistikzentren und produzierende Betriebe, die Dieselstapler im Außenbereich, auf Verladehöfen oder in der schweren Intralogistik einsetzen, entsteht ein doppeltes Risiko: Erstens steigen die Kraftstoffkosten pro Betriebsstunde erheblich. Zweitens droht im Ernstfall eine physische Nicht-Verfügbarkeit von Diesel, die den Materialfluss zum Stillstand bringt. Wer von den Dieselpreisen der letzten Wochen überrascht wurde, sollte jetzt die strategische Umstellung auf Elektroantrieb prüfen, bevor eine Rationierung die Handlungsfähigkeit weiter einschränkt.

TCO-Vergleich: Diesel vs. Elektro mit Lithium-Ionen über fünf Jahre

Der Total Cost of Ownership (TCO) eines Gabelstaplers setzt sich aus Anschaffungskosten, Energie- bzw. Kraftstoffkosten, Wartung, Reparatur und Restwert zusammen. Bei einem typischen Gegengewichtsstapler der 2,5-Tonnen-Klasse im Zweischichtbetrieb (3.000 Betriebsstunden pro Jahr) ergibt sich folgender Vergleich:

Ein Dieselstapler (z. B. Linde H25D) verbraucht im Schnitt 4 bis 5 Liter Diesel pro Betriebsstunde. Bei einem Dieselpreis von aktuell rund 1,90 Euro pro Liter (Großhandel, netto) ergeben sich jährliche Kraftstoffkosten von rund 22.800 bis 28.500 Euro. Hinzu kommen höhere Wartungskosten (Ölwechsel, Filterwechsel, Abgasanlage, Keilriemen), die bei Dieselstaplern typischerweise 2.000 bis 3.500 Euro pro Jahr betragen.

Ein Elektrostapler mit Lithium-Ionen-Batterie (z. B. Jungheinrich EFG 425k oder STILL RX 60-25) verbraucht rund 8 bis 12 kWh Strom pro Betriebsstunde. Bei einem Industriestrompreis von 22 Cent pro kWh liegen die jährlichen Energiekosten bei 5.280 bis 7.920 Euro. Die Wartungskosten sind bei Lithium-Ionen-Staplern deutlich geringer (keine Batteriewartung, kein Wassernachfüllen, weniger verschleißende Teile), typischerweise 800 bis 1.500 Euro pro Jahr.

Über eine Nutzungsdauer von fünf Jahren ergibt sich ein Kostenvorteil des Elektrostaplers von 60.000 bis 100.000 Euro, selbst wenn die höheren Anschaffungskosten (Elektrostapler mit Li-Ion: ca. 45.000 bis 60.000 Euro, Dieselstapler: ca. 30.000 bis 40.000 Euro) eingerechnet werden. Die Differenz bei den Anschaffungskosten wird durch die Energiekosteneinsparung bereits im zweiten oder dritten Betriebsjahr ausgeglichen.

Lithium-Ionen vs. Blei-Säure: Warum Li-Ion heute der Standard ist

Noch vor wenigen Jahren waren Blei-Säure-Batterien der Standard in Elektrostaplern. Die Lithium-Ionen-Technologie hat sich seitdem durchgesetzt und erreichte 2023 bereits einen Anteil von 34 Prozent an den weltweit verkauften Elektrostaplern, Tendenz stark steigend. Branchenanalysten von Interact Analysis prognostizieren, dass Lithium-Ionen-Stapler in bestimmten Modellklassen bereits 2026 die 50-Prozent-Marke überschreiten.

Die entscheidenden Vorteile von Lithium-Ionen gegenüber Blei-Säure im Lagerbetrieb sind: Zwischenladen ohne Kapazitätsverlust (Opportunity Charging in Pausen, kein vollständiges Entladen erforderlich), Ladezeit unter einer Stunde für eine volle Ladung bei modernen Systemen, keine Batteriepflege (kein Wassernachfüllen, kein Ausgleichsladen, kein Batterieraum mit Lüftung nach TRGS 727 erforderlich), höhere Energieeffizienz (Wirkungsgrad über 90 Prozent vs. 70 bis 80 Prozent bei Blei-Säure) und eine deutlich längere Lebensdauer (über 3.000 Ladezyklen vs. 1.200 bis 1.500 bei Blei-Säure).

Jungheinrich war der erste große Hersteller, der konsequent auf eine integrierte Lithium-Ionen-Strategie gesetzt hat, und hat 2022 den 100.000sten Lithium-Ionen-Stapler ausgeliefert. Das Unternehmen entwickelt und produziert die Batterien selbst und bietet ein durchgängiges Portfolio vom Niederhubwagen bis zum Schubmaststapler. STILL (KION Group) bietet die RX-Elektrobaureihen mit Li-Ion an und hat zusätzlich ein Recyclingprogramm für ausgediente Batterien aufgebaut. Linde Material Handling (ebenfalls KION Group) positioniert die E20- bis E25-Serie mit Li-Ion-Schnellladung unter einer Stunde und intelligentem Batteriemanagement (Restkapazitätsanzeige, Opportunistic Charging). Toyota Material Handling bietet mit dem Traigo-System eine Elektro-Gegengewichtsstaplerlinie mit Li-Ion an.

Herstellervergleich: Elektrostapler 2,0 bis 3,5 Tonnen mit Lithium-Ionen

Kriterium Jungheinrich EFG Serie Linde E20–E35 STILL RX 60 Toyota Traigo
Tragfähigkeit 1,6–5,0 t 2,0–3,5 t 2,5–5,0 t 1,0–3,5 t
Li-Ion Batterie Eigenentwicklung, integriert Kion-intern, modular Kion-intern, zirkuläres Recycling Drittanbieter und eigene Module
Opportunity Charging Ja (Laden in Pausen, kein Kapazitätsverlust) Ja (Opportunistic Charging) Ja Ja
Vollladung Ca. 60–80 min Unter 60 min (E20–E25) Ca. 60–90 min Ca. 60–90 min
Schichtleistung 2-Schicht-Betrieb ohne Batteriewechsel 2-Schicht-Betrieb ohne Batteriewechsel 2-Schicht-Betrieb ohne Batteriewechsel 1- bis 2-Schicht (modellabhängig)
Flottenmanagement / Telematik Jungheinrich ISM Online (Zugangssteuerung, Verbrauch, Fahrverhalten) Linde connect (GPS, Nutzungsanalyse, Stoßerkennung) STILL neXXt fleet (Echtzeit-Monitoring) Toyota I_Site (Zugangssteuerung, Flottenoptimierung)
Außeneinsatz Ja (ausgewählte Modelle mit erhöhter Bodenfreiheit) Ja (E20–E35 für Indoor/Outdoor) Ja (RX 60 Outdoor-Varianten) Begrenzt (hauptsächlich Indoor)
Preisbereich (2,5 t, Li-Ion, Neufahrzeug) Ca. 45.000–55.000 Euro Ca. 48.000–60.000 Euro Ca. 46.000–58.000 Euro Ca. 42.000–52.000 Euro
Miete / Full-Service Ja (Mietflotte, Full-Service-Leasing) Ja (Miet- und Leasingmodelle) Ja (Full-Service-Vertrag) Ja (Mietflotte)

Alle vier Hersteller bieten Miet- und Leasingmodelle an, die den Umstieg ohne hohe Anfangsinvestition ermöglichen. Für Betriebe, die kurzfristig auf Dieselengpässe reagieren müssen, ist die Anmietung eines Elektrostaplers aus der Mietflotte die schnellste Option. Jungheinrich, Linde und STILL unterhalten jeweils eigene Mietflotten mit sofort verfügbaren Fahrzeugen.

Ladeinfrastruktur planen: Vom Batterieraum zur Ladestation

Der Umstieg von Diesel auf Elektro erfordert eine geeignete Ladeinfrastruktur. Der Vorteil von Lithium-Ionen gegenüber Blei-Säure: Es wird kein separater Batterieraum mit Lüftung, Säureschutz und Augendusche nach TRGS 727 benötigt. Eine Li-Ion-Ladestation kann direkt am Arbeitsplatz aufgestellt werden, beispielsweise an der Ladezone, am Versandbereich oder in der Nähe der Pausenräume (Opportunity Charging in Pausen).

Die elektrische Anschlussleistung muss geprüft werden: Ein Schnelllader für einen 80-V-Li-Ion-Stapler zieht rund 20 bis 30 kW. Bei fünf Staplern mit zeitversetztem Laden reicht in der Regel ein vorhandener 100-kW-Anschluss aus. Bei größeren Flotten oder Gleichzeitig-Laden ist eine Erweiterung der elektrischen Infrastruktur erforderlich, die frühzeitig mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden sollte.

Jungheinrich bietet die Jungheinrich POWERLine Ladegeräte an, die modular aufgebaut und auf die hauseigenen Li-Ion-Batterien abgestimmt sind. Auch Drittanbieter wie Fronius (Perfect Charging) liefern industrielle Ladegeräte für Flurförderzeuge. Die Investition in Ladeinfrastruktur (Ladegerät, Installation, Zuleitung) liegt pro Stapler bei 3.000 bis 8.000 Euro und ist damit im Vergleich zu den jährlichen Dieselkosteneinsparungen schnell amortisiert.

Übergangsstrategien: Treibgas als kurzfristige Alternative

Für Betriebe, die den Elektro-Umstieg nicht kurzfristig umsetzen können, bietet Treibgas (LPG) eine Übergangslösung. Treibgas ist unabhängig von der Straße von Hormuz verfügbar, da Flüssiggas in Europa überwiegend aus Nordsee-Förderung, US-Exporten und Raffinerie-Nebenprodukten stammt. Treibgasstapler wie der Jungheinrich TFG 316 oder der Linde H25T sind sowohl für Innen- als auch für Außeneinsätze geeignet und können innerhalb von Minuten betankt werden.

Allerdings sind die Betriebskosten von Treibgas höher als die eines Elektrostaplers und die Emissionen (CO₂, CO, NOx) schränken den Inneneinsatz ein. Treibgas ist daher als Brückentechnologie sinnvoll, nicht als langfristige Lösung. Die strategische Empfehlung lautet: kurzfristig Treibgas als Diesel-Ersatz, mittelfristig Elektro mit Lithium-Ionen für den gesamten Fuhrpark.

Umstiegscheckliste: Vom Dieselstapler zum Elektrostapler mit Lithium-Ionen

Checkliste für Lagerleiter und Fuhrparkverantwortliche
  • Aktuellen Staplerfuhrpark inventarisiert: Anzahl, Antriebsart, Baujahr, Tragfähigkeit, Einsatzbereich (Innen/Außen)?
  • Betriebsstunden pro Stapler und Jahr erfasst? Schichtmodell dokumentiert (1-Schicht, 2-Schicht, 3-Schicht)?
  • TCO-Vergleich durchgerechnet: Diesel-Kraftstoffkosten vs. Strom + Li-Ion Wartung über fünf Jahre?
  • Bodenverhältnisse im Außenbereich geprüft: Elektrostapler mit erhöhter Bodenfreiheit und Outdoor-Bereifung erforderlich?
  • Elektrische Anschlussleistung am Standort geprüft: Reicht der vorhandene Anschluss für die geplante Anzahl Ladestationen?
  • Ladekonzept festgelegt: Opportunity Charging (Laden in Pausen) oder Vollladen am Schichtende?
  • Batterieraum nach TRGS 727 entfällt bei Li-Ion: Vorhandene Fläche kann für Ladestationen oder Lagerung umgenutzt werden.
  • Miet- oder Leasingmodell geprüft? Kurzfristig verfügbare Mietstapler nutzen (Jungheinrich, Linde, STILL Mietflotten).
  • Treibgas als kurzfristige Übergangslösung evaluiert (Diesel-Engpass überbrücken)?
  • CO₂-Bilanz und Emissionsvorteile dokumentiert? Li-Ion-Stapler emittieren über den Lebenszyklus weniger als die Hälfte eines Dieselstaplers (Jungheinrich-Studie).
  • Flottenmanagement-System evaluiert (ISM Online, Linde connect, neXXt fleet, I_Site)?
  • Fahrerschulung für Elektrostapler geplant? Bremsverhalt, Ladeprozedur, Notabschaltung.