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Podesttreppen, Überstiege und Laufsteganlagen: Ergonomischer Zugang in Lager und Kommissionierung

In Lagern und Logistikzentren überqueren Mitarbeiter täglich Fördertechnik, steigen auf Zwischenebenen und erreichen Arbeitsplätze auf Mezzaninen. Jeder dieser Wege birgt Absturz- und Stolperrisiken, wenn die Zugangslösung nicht zur Nutzungshäufigkeit und Umgebung passt. Die ASR A1.8 und die DIN EN ISO 14122 definieren klare Anforderungen an Treppen, Überstiege und Laufstege in Arbeitsstätten. Dieser Beitrag zeigt die Produkttypen, erläutert die normativen Unterschiede und vergleicht modulare Systeme für die Praxis.

Fahrbare Aluminium-Podesttreppe in einem Logistiklager, Mitarbeiter auf der Plattform beim Kommissionieren aus dem Regal

Regelwerk: ASR A1.8, DIN EN ISO 14122 und TRBS 2121

Treppen, Laufstege und Überstiege in Arbeitsstätten unterliegen der ASR A1.8 (Verkehrswege). Die Technische Regel gilt für alle fest mit dem Bauwerk verbundenen Verkehrswege, einschließlich Treppen, Laufstege, Bühnen und Galerien. Sie definiert Mindestbreiten, Steigungswinkel, Auftrittmaße und Absturzsicherungen. Die letzte Aktualisierung im Juni 2024 betraf unter anderem Anpassungen bei den Maßen für Treppenauftritte in bestimmten Gebäudetypen.

Für Zugänge an Maschinen und Industrieausrüstungen gilt zusätzlich die DIN EN ISO 14122 (Teile 1 bis 4). Teil 2 behandelt Arbeitsbühnen und Laufstege, Teil 3 Treppen, Treppenleitern und Geländer. Diese Norm kommt zum Einsatz, wenn Podesttreppen, Überstiege oder Laufstege an Produktionsanlagen, Förderanlagen oder Verpackungsmaschinen montiert werden.

Die TRBS 2121 ergänzt das Regelwerk um spezifische Anforderungen zur Absturzsicherung. Grundsätzlich gilt: An allen Verkehrswegen und Arbeitsplätzen, an denen eine Absturzgefahr besteht, muss ein Seitenschutz aus Geländer (mindestens 1.100 mm Höhe), Knieleiste und Fußleiste vorhanden sein. Durchgangssperren an Geländeröffnungen müssen sich automatisch schließen.

Steigwinkel 45° oder 60°: Welche Treppe für welchen Einsatzfall?

Die Wahl des Steigwinkels hat erheblichen Einfluss auf Ergonomie, Platzbedarf und Nutzungshäufigkeit. Die ASR A1.8 unterscheidet zwischen normalen Treppen (24° bis 36°), Hilfstreppen (36° bis 45°) und steilen Aufstiegen darüber.

Kriterium 45° Podesttreppe 60° Podesttreppe
Steigwinkel 45° (Hilfstreppe nach ASR A1.8) 60° (steiler Aufstieg)
Stufentiefe (Auftritt) 200 mm (MUNK-Standard) 200 mm (MUNK-Standard)
Ausladung (Grundfläche) Groß (z. B. 3.271 mm bei 12 Stufen) Kompakt (z. B. 1.451 mm bei 5 Stufen)
Begehkomfort Hoch, ermüdungsfrei bei häufiger Nutzung Akzeptabel, aber anstrengender bei Mehrfachbegehung
Geeignet für Regelmäßig begangene Zugänge, Mezzanine, Lagerbühnen Gelegentlich genutzte Zugänge, beengter Platz
Handlauf Beidseitig empfohlen Beidseitig erforderlich (DIN EN 131-7 bei ≥ 60°)
Materialien Stufenbelag Aluminium geriffelt, Stahl-Gitterrost, Lochblech, Riffelblech Aluminium geriffelt, Stahl-Gitterrost, Lochblech, Riffelblech
Preisbereich (fahrbar, 6–8 Stufen) ab ca. 800–1.500 Euro ab ca. 600–1.200 Euro

MUNK bietet fahrbare Plattformleitern und Podesttreppen in beiden Steigwinkeln an, jeweils in drei Stufenbreiten (600, 800 und 1.000 mm). Die Stufen sind mit 200 mm Tiefe deutlich komfortabler als die 80-mm-Stufen von Stehleitern. Das Fahrwerk besteht aus zwei Bockrollen am Stützteil und zwei Lenkrollen am Steigteil, jeweils mit Totalstop-Feststeller. Die Gesamtbelastung beträgt bei den meisten Modellen 300 kg, die Stufenbelastung maximal 150 kg.

Für regelmäßig genutzte Zugänge in Lagern und Produktionshallen empfiehlt sich die 45°-Variante, weil sie ein ermüdungsfreies Begehen auch über längere Schichten ermöglicht. Die kompaktere 60°-Variante eignet sich dort, wo der Platz begrenzt ist und die Treppe nur gelegentlich benutzt wird, beispielsweise für Wartungszugänge an Maschinen. Alle Podesttreppen von MUNK können mit individuell angepassten Podesthöhen gefertigt werden, ohne Aufpreis. Vor der Fertigung erhält der Besteller eine Maßzeichnung zur Kontrolle.

Überstiege: Förderanlagen, Rohrleitungen und Maschinenzugänge sicher überqueren

In Lager- und Produktionsumgebungen verlaufen Förderbänder, Rohrleitungen und Kabeltrassen häufig auf Bodenniveau oder knapp darüber. Mitarbeiter müssen diese Hindernisse regelmäßig überqueren, ohne sie zu besteigen oder zu überspringen. Überstiege bieten hier einen sicheren, normenkonformen Übergang.

Ein typischer Überstieg besteht aus zwei Treppenteilen mit Zwischenpodest, das über dem Hindernis liegt. Beidseitige Geländer mit Knieleiste und Fußleiste sichern den gesamten Weg. MUNK fertigt Überstiege nach DIN EN ISO 14122-3 in Aluminium, wahlweise mit geriffelten Aluminium-Stufen, Stahl-Gitterrost oder Lochblech. Die Überstiege und Treppen können über den Online-Konfigurator individuell konfiguriert werden.

ZARGES und Hymer bieten ebenfalls Überstiege in verschiedenen Ausführungen an. KRAUSE positioniert sich im Überstieg-Segment mit Lösungen aus der STABILO-Linie, die durch verschraubte Bauteile eine einfache Nachrüstung und Wartung ermöglichen.

Laufsteganlagen im Baukastensystem: Flexibel planen, schnell montieren

Für längere Strecken auf erhöhtem Niveau kommen Laufsteganlagen zum Einsatz. Typische Anwendungen sind die Dachbegehung von Produktionshallen, die Inspektion entlang von Gebäudewänden, der Zugang zu Technikebenen oder die Überbrückung von Förderstrecken.

MUNK bietet Laufsteganlagen in einem modularen Baukastensystem an. Die Module sind in drei Standardlängen erhältlich: 1.260, 1.860 und 3.060 mm. Sie lassen sich frei miteinander kombinieren, um die gewünschte Gesamtlänge zu erreichen. Die Plattformhöhe ist zwischen 1,25 und 3,00 m individuell bestimmbar. Die Module bestehen aus wartungsfreiem Aluminium mit Stützrahmen und werden durch vormontierte Baugruppen miteinander verbunden. Die Befestigung am Untergrund erfolgt über Fußwinkel.

Alle Laufstegmodule sind mit beidseitigem Geländer (Mindesthöhe 1.100 mm), Knieleiste und Fußleiste ausgestattet. Der Zugang erfolgt über eine 45°-Treppe mit Handläufen und selbstschließender Sicherungstüre. Die Laufflächen erfüllen die Rutschhemmung R10 nach DIN 51130.

Überstiege und Laufsteganlagen gehören zum Schnell-Lieferprogramm von MUNK und verlassen das Werk innerhalb von zehn Tagen. Für komplexere Anlagen steht der Online-Konfigurator zur Verfügung, der Schritt für Schritt mit 3D-Modell zur individuellen Lösung führt. Die grafischen Darstellungen lassen sich in gängige Planungsformate exportieren.

Stufenbelag und Rutschhemmung: Aluminium, Gitterrost oder Korundbeschichtung

Die Wahl des Stufenbelags richtet sich nach der Umgebung und den Rutschrisiken.

Aluminium geriffelt ist der Standard für Innenbereiche mit trockenen Bedingungen. Die Riffelung bietet eine grundlegende Rutschhemmung und lässt sich leicht reinigen. Für die meisten Lager- und Produktionsumgebungen ist dieser Belag ausreichend.

Stahl-Gitterrost eignet sich für Bereiche mit Feuchtigkeit, Öl oder Schmutz, weil Flüssigkeiten durch das offene Profil ablaufen. In der Lebensmittelindustrie und in Außenbereichen ist Gitterrost häufig vorgeschrieben. Der Nachteil ist ein höheres Gewicht gegenüber Aluminium.

Korundbeschichtung (R13) bietet die höchste Rutschhemmklasse und kommt in besonders rutschgefährdeten Umgebungen zum Einsatz, etwa in Nassräumen, Schlachthöfen oder chemischen Betrieben. MUNK bietet Podesttreppen mit Korundbeschichtung R13 als Standardoption an.

Weitere Varianten wie Lochblech und Riffelblech runden das Angebot ab. Bei der Konfiguration über den MUNK-Konfigurator kann der Belag für Stufen und Podest separat gewählt werden.

Ergonomie im Lager: Warum die richtige Zugangslösung die Produktivität steigert

In einem typischen Kommissionierlager überwindet ein Mitarbeiter pro Schicht hunderte Male Höhenunterschiede. Jeder Auf- und Abstieg belastet Knie, Hüfte und Rücken. Die Wahl der richtigen Zugangslösung beeinflusst nicht nur die Arbeitssicherheit, sondern direkt die Ermüdung und damit die Produktivität und Fehlerquote.

Der Unterschied zwischen einer 80-mm-Stufe auf einer Stehleiter und einer 200-mm-Stufe auf einer Podesttreppe ist im Tagesverlauf erheblich. Die breitere Stufe ermöglicht ein natürliches Abrollen des Fußes und reduziert die Belastung des Sprunggelenks. Beidseitige Handläufe entlasten die Beinmuskulatur beim Aufstieg und geben Stabilität beim Tragen von Material.

Fahrbare Podesttreppen reduzieren zudem die Laufwege, weil sie direkt an den Einsatzort verfahren werden können. In Lageranordnungen mit wechselnden Kommissionierplätzen ist das ein spürbarer Zeitvorteil gegenüber fest installierten Treppen.

Die ASR A1.8 empfiehlt für eine gute Begehbarkeit eine Schrittlänge zwischen 59 und 65 cm, basierend auf der Schrittmaßregel SL = 2 × s + a (Steigung und Auftritt). Besonders sicher begehbar sind Treppen mit einem Auftritt von 29 cm und einer Steigung von 17 cm. Diese Maße sind vor allem bei fest installierten Zugängen zu Mezzaninen und Lagerbühnen relevant.

Planungscheckliste: Podesttreppen, Überstiege und Laufstege beschaffen

Checkliste für Zugangslösungen im Lager
  • Höhenunterschied und Podesthöhe ermittelt? Maßzeichnung mit Ist-Situation erstellt?
  • Nutzungshäufigkeit bestimmt: Regelmäßig (45° empfohlen) oder gelegentlich (60° ausreichend)?
  • Stufenbreite passend gewählt: 600 mm (Einzelperson), 800 mm (mit Transportgut), 1.000 mm (Begegnungsverkehr)?
  • Steigwinkel und Ausladung mit den räumlichen Gegebenheiten abgeglichen?
  • Stufenbelag passend zur Umgebung: Alu geriffelt (trocken), Gitterrost (feucht/ölig), Korund R13 (Nassbereich)?
  • Seitenschutz vollständig: Geländer mindestens 1.100 mm, Knieleiste, Fußleiste?
  • Durchgangssperren an Geländeröffnungen (selbstschließend, Öffnungsrichtung nicht zur Absturzkante)?
  • Fahrwerk benötigt: Federrollen mit Totalstop, Lenkrollen, Bockrollen?
  • Belastungsgrenzen geprüft: 300 kg Gesamtbelastung, 150 kg Stufenbelastung (MUNK-Standard)?
  • Bei Überstieg: Lichte Durchgangshöhe über dem Hindernis mindestens 2.300 mm (ASR A1.8)?
  • Bei Laufsteg: Mindestbreite 500 mm, Rutschhemmung R10 (DIN 51130)?
  • Konfigurator oder Maßanfertigung genutzt? Individuell angepasste Podesthöhe ohne Aufpreis (MUNK)?
  • Lieferzeit geprüft? MUNK Schnell-Lieferprogramm: Treppen und Überstiege innerhalb von zehn Tagen.
  • Montage durch Fachpersonal oder MUNK Service organisiert?