Warum die Rahmenbreite die wichtigste Entscheidung ist
Fahrgerüste werden nach DIN EN 1004-1 in zwei grundlegende Bauformen unterteilt: schmale Gerüste mit einer Rahmenbreite bis 0,90 m und breite Gerüste mit 1,35 m Rahmenbreite. Diese Unterscheidung ist weit mehr als ein technisches Detail. Sie bestimmt, wo das Gerüst einsetzbar ist, wie viele Personen gleichzeitig darauf arbeiten dürfen und welche maximale Arbeitshöhe im Außenbereich zulässig ist. Neben der Breite beeinflusst auch die Plattformlänge die Stabilität und den Platzbedarf, spielt in der Praxis jedoch eine untergeordnete Rolle gegenüber der Rahmenbreite.
Ein schmales Fahrgerüst passt durch jede genormte Türöffnung (Standardbreite 0,885 m) und eignet sich für enge Flure, Treppenhäuser und Maschinengassen. Breite Gerüste bieten dafür eine Arbeitsfläche, auf der zwei Personen nebeneinander arbeiten können, und erreichen im Außenbereich höhere Standhöhen. Die BetrSichV fordert in Verbindung mit der TRBS 2121-1, dass der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung das geeignete Gerüstsystem auswählt. Wer hier falsch entscheidet, riskiert entweder ein Gerüst, das nicht durch die Hallentür passt, oder eine Arbeitsfläche, die für das geplante Werkzeug und Material zu klein ist.
Altrex RS Tower 4-Serie und 5-Serie: Zwei Systeme, ein Hersteller
Der niederländische Hersteller Altrex unterteilt sein Fahrgerüstprogramm in zwei Produktlinien. Die RS Tower 4-Serie (Modelle 41 und 42) richtet sich an Handwerksbetriebe und Facility-Abteilungen, die ein zuverlässiges Standardgerüst benötigen. Die Rahmenverbindungen sind geschweißt, die Sprossen rundum verschweißt und rutschsicher. Das Modell RS Tower 41 ist die schmale Variante (0,75 oder 0,90 m Rahmenbreite), das RS Tower 42 die breite Version mit 1,35 m.
Die RS Tower 5-Serie (Modelle 51 und 52) arbeitet mit gepressten Klaue-Strebenrohr-Verbindungen statt geschweißten. Diese Konstruktion gilt als besonders strapazierfähig und ermöglicht den modularen Ausbau: Laufstege, Verbreiterungskonsolen und Kopplung mehrerer Gerüste zu einer zusammenhängenden Arbeitsbühne lassen sich ausschließlich in der 5-Serie realisieren. Für Industriebetriebe, die regelmäßig wechselnde Gerüstkonfigurationen benötigen, ist die Modularität der RS Tower 5-Serie ein wesentlicher Vorteil gegenüber geschlossenen Systemen.
Beide Serien sind optional mit dem Safe-Quick® GuardRail erhältlich. Dieses Vormontagegeländer wird bereits montiert, bevor der Werker die nächste Plattformebene betritt. Das System erfüllt damit die verschärften Aufbauanforderungen der TRBS 2121-1 und wird von der BG BAU im Rahmen der Arbeitsschutzprämie gefördert. Aber auch andere Hersteller wie Layher oder ZARGES bieten modulare Systeme mit vergleichbaren Erweiterungsmöglichkeiten.
Vergleich der führenden Fahrgerüsthersteller auf dem deutschen Markt
Neben Altrex sind in Deutschland vier weitere Hersteller von Fahrgerüsten etabliert, die jeweils eigene Systemansätze verfolgen. Der folgende Vergleich konzentriert sich auf die schmalen Standardmodelle, da diese in der betrieblichen Praxis den größten Anteil ausmachen.
| Kriterium | Altrex RS Tower 51 | Layher Uni Standard P2 | ZARGES MultiTower S-PLUS | MUNK Günzburger Standard |
|---|---|---|---|---|
| Rahmenbreite schmal | 0,75 / 0,90 m | 0,75 m | 0,75 m | 0,75 m |
| Max. Arbeitshöhe (innen) | 10,20 m | 13,38 m | 8,40 m | 7,20 m |
| Max. Arbeitshöhe (außen) | 10,20 m | 8,60 m (ohne Ausleger) | 8,40 m | 7,20 m |
| Plattformlängen | 1,85 / 2,45 / 3,05 m | 2,85 m | 1,80 / 2,50 m | 1,80 / 2,50 m |
| Belastbarkeit pro Plattform | 250 kg | 200 kg | 200 kg | 200 kg |
| Gerüstklasse nach EN 1004 | Klasse 3 | Klasse 3 | Klasse 3 | Klasse 3 |
| Vormontagegeländer | Safe-Quick® GuardRail (optional) | P2 Safety Plus (optional) | S-PLUS (serienmäßig) | Nicht verfügbar |
| Plattformmaterial | Holz oder Fiber-Deck® | Sperrholz mit Alu-Rahmen | Sperrholz oder Alu | Sperrholz |
| Modulare Erweiterbarkeit | Ja (5-Serie-Komponenten) | Ja (Layher-System) | Begrenzt | Begrenzt |
| Fertigung | Niederlande (Zwolle) | Deutschland (Eibensbach) | Deutschland (Weilheim) | Deutschland (Günzburg) |
Die Tabelle zeigt, dass Altrex und Layher die breitesten Systemwelten bieten. Layher erreicht im Innenbereich die höchsten Arbeitshöhen (bis 13,38 m), während Altrex mit drei Plattformlängen und der leichtgewichtigen Fiber-Deck® Option die größte Flexibilität bei der Konfiguration bietet. ZARGES punktet mit dem serienmäßigen S-PLUS Vormontagegeländer, das den Aufpreis für eine Zusatzoption spart. MUNK Günzburger positioniert sich als solides Einstiegsgerüst mit deutscher Fertigung und einer 15-jährigen Garantie auf alle Produkte.
Schmales Fahrgerüst: Die richtige Wahl für enge Betriebsumgebungen
Schmale Fahrgerüste mit 0,75 m Rahmenbreite sind die Arbeitstiere der betrieblichen Instandhaltung. Ein typisches Einsatzszenario: Die Elektrofachkraft muss in der Produktionshalle Beleuchtungskörper in 6 m Höhe tauschen, die Maschinengasse ist 1,20 m breit, der Zugang erfolgt durch eine 0,90 m breite Hallentür. Kein breites Gerüst passt hier hindurch.
Der Vorteil schmaler Gerüste geht deutlich über die Durchfahrbreite hinaus. Das geringere Gewicht erleichtert den Transport auf dem Betriebsgelände. Ein Altrex RS Tower 41 in der Konfiguration 6,20 m Arbeitshöhe wiegt komplett aufgebaut rund 120 kg, ein vergleichbares RS Tower 42 (breit) bringt deutlich mehr auf die Waage. In Betrieben, in denen das Gerüst mehrfach pro Schicht versetzt werden muss, summiert sich dieser Unterschied.
Die Einschränkung: Auf einem schmalen Gerüst darf in der Regel nur eine Person arbeiten. Die Plattformfläche reicht für eine Person mit Werkzeug, aber nicht für Zweimann-Arbeiten wie das Montieren schwerer Lüftungskanäle oder großformatiger Verkleidungen. Für solche Aufgaben ist ein breites Gerüst vorgeschrieben.
Breites Fahrgerüst: Mehr Fläche, mehr Einsatzmöglichkeiten
Breite Fahrgerüste (1,35 m Rahmenbreite) bieten eine Plattformfläche, die für zwei Personen und umfangreiches Werkzeug ausreicht. Das Altrex RS Tower 52 erreicht Arbeitshöhen bis 14,20 m im Innenbereich und bis 10,20 m im Freien. Mit zwei nebeneinanderliegenden Plattformen entsteht eine zusammenhängende Arbeitsfläche von bis zu 2 × 3,05 m, also über 8 m².
Übliche Einsatzgebiete breiter Gerüste in der Industrie sind Fassadenarbeiten am Verwaltungsgebäude, Malerarbeiten in Produktionshallen, Installation von Kabeltrassen über Kopf und Wartungsarbeiten an Hallenkranbahnen. Die breitere Standfläche erhöht zudem die Kippstabilität, was bei Arbeiten mit seitlicher Belastung (etwa beim Bohren in die Wand) einen messbaren Sicherheitsvorteil bringt.
Das Layher Uni Breit P2 bietet in diesem Segment eine Arbeitsfläche von 1,50 × 2,85 m und erreicht ebenfalls Arbeitshöhen bis 13,38 m. Die teleskopierbaren Fahrbalken müssen ab 8,60 m Höhe ausgefahren werden, was die Standfläche am Boden vergrößert. Dieses System eignet sich besonders für Dauereinsatz in großen Hallen, ist aber durch die Baugröße weniger flexibel im Transport.
Sonderfall: 1-Personen-Schnellbau-Gerüste
Seit 2014 bietet Altrex mit dem MiTower eine Gerüstkategorie, die zwischen Stehleiter und konventionellem Fahrgerüst angesiedelt ist. Der MiTower lässt sich von einer einzelnen Person in rund 10 Minuten aufbauen und erreicht Arbeitshöhen bis 6,20 m. Das MiTower Plus erweitert die Arbeitshöhe auf 8,20 m und erlaubt die gleichzeitige Nutzung durch zwei Personen.
Für Facility Manager, die regelmäßig kurze Wartungseinsätze an wechselnden Standorten durchführen, ist der MiTower eine wirtschaftliche Alternative zum konventionellen Rollgerüst. Die kompakten Transportmaße (120 × 75 × 158 cm als Trolley) passen in viele Firmenwagen. Die BG BAU fördert MiTower-Varianten mit Safe-Quick® Vormontagegeländer mit bis zu 25 % des Kaufpreises, maximal 500 Euro.
Vergleichbare Konzepte bieten MUNK Günzburger mit dem ML Faltgerüst (wirtschaftliche 1-Personen-Montage durch Klapprahmen, Arbeitshöhe bis 5,00 m) und Krause mit dem ClimTec-System. Der MUNK-Klapprahmen ist dabei besonders platzsparend beim Lagern, bietet aber geringere Arbeitshöhen als der Altrex MiTower.
Fiber-Deck® oder Holzplattform: eine Frage der Einsatzhäufigkeit
Altrex bietet als einziger Hersteller im Vergleich neben klassischen Holzplattformen auch Fiber-Deck® Plattformen aus glasfaserverstärktem Kunststoff an. Diese wiegen rund 30 % weniger als Holzplattformen und sind witterungsbeständiger. Bei einem Gerüst mit mehreren Plattformebenen summiert sich die Gewichtsersparnis auf 10 bis 15 kg, was den Auf- und Abbau spürbar erleichtert.
Die Mehrkosten für Fiber-Deck® gegenüber Holz liegen je nach Plattformlänge bei 100 bis 200 Euro pro Plattform. Für Betriebe, die ihr Gerüst täglich einsetzen und häufig auf- und abbauen, amortisiert sich der Aufpreis durch den geringeren körperlichen Aufwand schnell. Für Gerüste, die dauerhaft aufgebaut stehen (etwa als Wartungsplattform an einer Maschine), ist die klassische Holzplattform die wirtschaftlichere Wahl.
Normen und Vorschriften: Was der Einkäufer wissen muss
Fahrgerüste unterliegen in Deutschland einem dreistufigen Regelwerk. Die DIN EN 1004-1 (aktualisierte Fassung von 2021) definiert die konstruktiven Anforderungen an das Gerüst selbst, insbesondere die Gerüstklassen 1 bis 3. Klasse 3 (Belastbarkeit 200 oder 250 kg pro Plattform) ist der Standard für gewerbliche Nutzung. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verpflichtet den Arbeitgeber, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung das geeignete Arbeitsmittel auszuwählen und regelmäßig prüfen zu lassen. Die TRBS 2121-1 konkretisiert diese Anforderungen für fahrbare Gerüste und fordert unter anderem den Einsatz von Vormontagegeländern beim Aufbau.
Für den Einkäufer bedeutet das konkret: Jedes beschaffte Fahrgerüst muss der DIN EN 1004-1 entsprechen (erkennbar am CE-Zeichen und der Typprüfung), die Aufbau- und Verwendungsanleitung muss in deutscher Sprache vorliegen, und der Betrieb muss eine befähigte Person nach TRBS 1203 benennen, die das Gerüst vor der ersten Inbetriebnahme und anschließend in regelmäßigen Intervallen prüft. Altrex unterstützt die Prüfpflicht mit einem Mobile Safety QR-Code auf den Plattformen, über den die Aufbau- und Verwendungsanleitung direkt auf dem Smartphone abrufbar ist.
Entscheidungsmatrix: Welches Gerüst für welchen Einsatzzweck?
| Einsatzzweck | Empfohlene Bauform | Geeignete Modelle |
|---|---|---|
| Lampentausch, Kabelarbeiten in Maschinengassen (< 1,50 m Breite) | Schmal (0,75 m) | Altrex RS Tower 41/51, ZARGES MultiTower S-PLUS |
| Kurze Wartungseinsätze, wechselnde Standorte, Ein-Mann-Betrieb | 1-Personen-Gerüst | Altrex MiTower/MiTower Plus, MUNK ML Faltgerüst |
| Fassadenarbeit, Malerarbeiten, Zweimann-Montage | Breit (1,35 m) | Altrex RS Tower 52, Layher Uni Breit P2 |
| Hallenwartung > 10 m Höhe (innen) | Breit, modular erweiterbar | Layher Uni Standard P2 (bis 13,38 m), Altrex RS Tower 52 (bis 14,20 m) |
| Treppenhausarbeiten | Spezialgerüst mit Niveauausgleich | Altrex MiTower Stairs, Layher Uni Treppen |
| Modulare Arbeitsbühne aus mehreren Gerüsten | Koppelbare Systeme | Altrex RS Tower 5-Serie, Layher Uni-System |
Wirtschaftlichkeit: Kauf, Miete oder Leasing?
Die Anschaffungskosten für ein schmales Fahrgerüst der Einstiegsklasse (Arbeitshöhe 6,20 m, Holzplattform) beginnen bei MUNK und ZARGES im Bereich von 1.500 bis 2.000 Euro netto. Altrex RS Tower 41 Konfigurationen liegen je nach Ausstattung zwischen 1.800 und 3.000 Euro netto. Die RS Tower 5-Serie mit Safe-Quick® GuardRail und Fiber-Deck® Plattformen beginnt bei rund 3.500 Euro netto. Layher Uni Standard P2 Gerüste starten bei etwa 1.300 Euro netto für die Basisversion ohne Sicherheitserweiterung.
Die Mietkosten für ein vergleichbares Fahrgerüst liegen erfahrungsgemäß bei 80 bis 150 Euro pro Woche. Bei regelmäßigem Einsatz (mehr als 15 bis 20 Einsatzwochen pro Jahr) ist der Kauf in der Regel wirtschaftlicher als die Dauermiete. Altrex weist auf seiner Website darauf hin, dass die Anschaffung eines Gerüsts häufig günstiger ist als die Summe der Mietkosten über die Nutzungsdauer. Die BG BAU Förderung (bis zu 25 % Zuschuss) verbessert die Wirtschaftlichkeit beim Neukauf zusätzlich.
Praxistipp: Die richtige Konfiguration bestimmen
Vor der Bestellung sollte der Einkäufer drei Fragen beantworten: Welche maximale Arbeitshöhe wird benötigt? Wie breit ist der engste Zugang zum Einsatzort? Arbeitet eine Person oder arbeiten zwei Personen gleichzeitig auf dem Gerüst? Aus diesen drei Antworten ergibt sich die Grundkonfiguration fast automatisch.
Altrex bietet auf seiner Website einen Gerüstkonfigurator an, der anhand dieser Parameter das passende Modell vorschlägt. Auch Layher und ZARGES bieten vergleichbare Konfigurationshilfen. Im Zweifel empfiehlt sich die Beratung durch den Fachhändler vor Ort, denn die Auswahl des falschen Gerüsts verursacht nicht nur Kosten für eine Fehlbeschaffung, sondern potenziell auch Bußgelder bei einer Betriebsprüfung durch die Berufsgenossenschaft.
Checkliste: Fahrgerüst-Beschaffung für den Betrieb
✓ Maximale Arbeitshöhe ermitteln (Innen- und Außenbereich getrennt betrachten)
✓ Engste Durchfahrbreite am Einsatzort messen (Türen, Tore, Maschinengassen)
✓ Anzahl der gleichzeitig arbeitenden Personen festlegen
✓ Benötigte Plattformlänge bestimmen (Werkzeug und Material einplanen)
✓ DIN EN 1004-1 Konformität und Gerüstklasse 3 prüfen
✓ Vormontagegeländer nach TRBS 2121-1 berücksichtigen (Safe-Quick®, P2 Safety Plus oder S-PLUS)
✓ BG BAU Förderfähigkeit prüfen (bis 25 % Zuschuss auf förderfähige Modelle)
✓ Befähigte Person nach TRBS 1203 für die wiederkehrende Prüfung benennen
✓ Aufbau- und Verwendungsanleitung in deutscher Sprache sicherstellen
✓ Transport- und Lagerlogistik klären (Gewicht, Transportmaße, Lagerfläche)