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Sicherheitsschränke nach EN 14470-1: Gefahrstofflagerung in Werkstatt und Produktion richtig umsetzen

Lösungsmittel, Lacke, Reiniger — entzündbare Flüssigkeiten gehören in vielen Betrieben zum Alltag. Die TRGS 510 schreibt vor, dass Mengen über den Tagesbedarf hinaus in Sicherheitsschränken nach DIN EN 14470-1 gelagert werden müssen. Doch Typ 30 oder Typ 90? Wie viele Schränke pro Brandabschnitt? Und was kostet ein normkonformer Schrank? Dieser Ratgeber klärt alle Fragen für Einkäufer und Betriebsleiter.

Gelber Sicherheitsschrank Typ 90 mit geöffneter Flügeltür und Auffangwannen in einer Industriewerkstatt

Warum Sicherheitsschränke in jedem Betrieb mit Gefahrstoffen Pflicht sind

In nahezu jeder Werkstatt, jedem Produktionsbetrieb und jedem Labor werden entzündbare Flüssigkeiten eingesetzt — von Isopropanol über Aceton bis zu Nitroverdünner. Was viele Betriebsleiter unterschätzen: Bereits wenige Liter dieser Stoffe können im Brandfall eine verheerende Wirkung entfalten. Ein umgekippter Kanister mit 10 Litern Lösungsmittel erzeugt im geschlossenen Raum explosionsfähige Dampf-Luft-Gemische, die sich bei Kontakt mit einer Zündquelle schlagartig entzünden.

Die deutsche Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die sie konkretisierende TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern" regeln unmissverständlich: Gefahrstoffmengen, die den Tagesbedarf übersteigen, dürfen in Arbeitsräumen nur in besonderen Einrichtungen — also in Sicherheitsschränken oder separaten Lagerräumen — aufbewahrt werden. Die TRGS 510 definiert dabei Sicherheitsschränke als eigenständige Lagerabschnitte und stellt konkrete Anforderungen an Feuerwiderstandsfähigkeit, Belüftung und Aufstellbedingungen.

Die Konsequenzen bei Nichtbeachtung sind erheblich: Neben Bußgeldern bei Begehungen durch die Gewerbeaufsicht oder die Berufsgenossenschaft riskiert der Betrieb im Schadensfall den Verlust des Versicherungsschutzes. Im schlimmsten Fall droht dem Betriebsleiter eine persönliche strafrechtliche Haftung wegen Organisationsverschuldens.

Was die DIN EN 14470-1 regelt: Konstruktion, Prüfung und Typklassen

Die europäische Norm DIN EN 14470-1 mit dem Titel „Feuerwiderstandsfähige Lagerschränke — Teil 1: Sicherheitsschränke für brennbare Flüssigkeiten" gilt seit 2004 und definiert die baulichen Anforderungen und Prüfbedingungen für brandgeschützte Sicherheitsschränke. Die Norm umfasst konstruktive Vorgaben, Brandprüfverfahren und Klassifizierungsstufen, die jeder Hersteller erfüllen und durch eine unabhängige Materialprüfanstalt (MPA) im Rahmen einer Baumusterprüfung nachweisen muss.

Die vier Typklassen der EN 14470-1

Die Norm klassifiziert Sicherheitsschränke nach ihrer Feuerwiderstandsfähigkeit (FWF) in vier Typklassen. Die Zahl gibt die Dauer in Minuten an, die der Schrank einem normierten Feuerangriff (Einheits-Temperaturzeitkurve nach EN 1363-1) standhalten muss, bevor die Innentemperatur an einem der definierten Messpunkte um mehr als 180 Kelvin ansteigt:

Typklasse Feuerwiderstandsfähigkeit Einsatzbereich nach TRGS 510 Einschränkungen
Typ 15 15 Minuten Nicht für Deutschland empfohlen Für deutsche Betriebe praktisch nicht relevant
Typ 30 30 Minuten Eingeschränkt zulässig (Bedingungen beachten) Nur ein Schrank pro 100 m² Brandabschnitt, oder mit Brandmeldeanlage + Werkfeuerwehr (≤5 min)
Typ 60 60 Minuten Zulässig (selten im deutschen Markt) Keine mengenmäßige Einschränkung
Typ 90 90 Minuten Uneingeschränkt zulässig — Stand der Technik in Deutschland Keine Mengenbegrenzung, keine Anzahlbeschränkung pro Brandabschnitt

Die TRGS 510, Anhang 1, stellt klar: Sicherheitsschränke mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit von mindestens 90 Minuten gelten als eigenständiger Lagerabschnitt. Die Anzahl solcher Schränke pro Brandabschnitt ist nicht begrenzt. Typ-30-Schränke dagegen dürfen nur unter eingeschränkten Bedingungen eingesetzt werden — maximal ein Schrank pro 100 m² Brandabschnitt, es sei denn, der Betrieb verfügt über eine automatische Brandmeldeanlage und eine Werkfeuerwehr mit einer Hilfsfrist von maximal fünf Minuten nach Alarmierung.

Konstruktive Anforderungen: Was die Norm von jedem Schrank verlangt

Neben der Feuerwiderstandsfähigkeit definiert die EN 14470-1 eine Reihe konstruktiver Sicherheitsmerkmale, die jeder normkonforme Schrank erfüllen muss. Die Türfeststellanlagen müssen festgestellte Türen bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C automatisch auslösen. Die Türen müssen sich innerhalb von 20 Sekunden vollständig selbstständig schließen. Im Brandfall versiegelt eine selbstaufschäumende Brandschutzdichtung den Schrankkorpus. Jeder Schrank muss über Zu- und Abluftöffnungen verfügen, die bei 70 °C automatisch schließen. Zusätzlich muss eine flüssigkeitsdichte Bodenauffangwanne integriert sein, die mindestens 10 % des maximalen Lagervolumens — mindestens jedoch das Volumen des größten Einzelgebindes — auffängt.

TRGS 510 in der Praxis: Aufstellregeln und Mengengrenzen

Die TRGS 510 ist das zentrale Regelwerk für die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern in Deutschland. Sie wurde vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erarbeitet und zuletzt in der Fassung vom Februar 2021 veröffentlicht. Für Betriebsleiter und Einkäufer sind insbesondere die folgenden Regelungen aus Anhang 1 der TRGS 510 relevant:

Tagesbedarfsregelung: In Arbeitsräumen dürfen entzündbare Flüssigkeiten nur in der für den Fortgang der Arbeit erforderlichen Menge — dem sogenannten Tagesbedarf — bereitgehalten werden. Alle darüber hinausgehenden Mengen müssen in Sicherheitsschränken oder separaten Lagerräumen aufbewahrt werden. Was konkret als „Tagesbedarf" gilt, ist betriebsindividuell in der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

Zusammenlagerungsverbote: Gefahrstoffe, die in gefährlicher Weise miteinander reagieren können, dürfen nicht im selben Sicherheitsschrank gelagert werden. Die TRGS 510 verweist hierzu auf die Zusammenlagerungstabelle in Abschnitt 7, die für die gängigen Gefahrstoffkategorien festlegt, welche Stoffe zusammen, welche getrennt und welche separiert gelagert werden müssen. In der Werkstattpraxis bedeutet das: Lösungsmittel und Säuren gehören nicht in denselben Schrank.

Belüftung: Sicherheitsschränke müssen nach TRGS 510 ausreichend belüftet werden, um die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre im Schrankinneren zu verhindern. Dies kann durch eine technische Entlüftung mit Abluftführung nach außen (Pflicht bei größeren Mengen und Stoffen mit niedrigem Flammpunkt) oder alternativ durch einen Umluftfilteraufsatz (geeignet für kleinere Mengen und weniger flüchtige Stoffe) realisiert werden. Die Entlüftungsanschlüsse (üblicherweise NW 75) sind bei allen EN-14470-1-konformen Schränken serienmäßig vorhanden.

Betriebsanweisung und Unterweisung: Für jeden Sicherheitsschrank ist eine Betriebsanweisung nach TRGS 555 zu erstellen, die unter anderem regelt, dass im Schrank keine Umfüllarbeiten stattfinden dürfen, dass einzustellende Gebinde an der Außenseite kontaminationsfrei sein müssen und welche Maßnahmen nach einem Brandfall zu ergreifen sind. Die Beschäftigten sind anhand dieser Betriebsanweisung zu unterweisen.

Schranktypen und Sonderbauformen: Welcher Schrank für welchen Einsatz?

Der Markt bietet weit mehr als den klassischen gelben Hochschrank. Je nach Gefahrstoffart, verfügbarem Platz und Arbeitsumgebung stehen verschiedene Bauformen zur Auswahl, die alle nach EN 14470-1 typgeprüft sein müssen:

Hochschränke (Standard): Die universelle Bauform mit 1.200 mm Breite und ca. 2.000 mm Höhe. Sie bieten Platz für mehrere Einlegeböden oder Auszugswannen und eignen sich für die zentrale Gefahrstofflagerung in Werkstatt und Produktion. Typisches Leergewicht: 350–450 kg. Alle großen Hersteller (asecos, DENIOS, PROTECTO, Düperthal) bieten Hochschränke in den Breiten 600, 900 und 1.200 mm an.

Unterbauschränke: Kompakte Schränke mit ca. 600 mm Höhe, die unter Labortischen, Abzügen oder Werkbänken Platz finden. Sie eignen sich für den dezentralen Zugriff am Arbeitsplatz und sind besonders in Labors und Elektronikfertigung verbreitet. Wichtig: Auch Unterbauschränke müssen EN 14470-1 erfüllen.

Fassschränke: Spezielle Schränke für die Lagerung von 60-Liter- oder 200-Liter-Fässern, ausgestattet mit Gitterrost-Einlegeböden und großdimensionierten Auffangwannen. Sie finden sich in Lackierereien, Chemieunternehmen und in der Oberflächentechnik.

Druckgasflaschenschränke (EN 14470-2): Für die Lagerung von Gasflaschen gilt die Schwesternorm DIN EN 14470-2 mit den Feuerwiderstandsklassen G30 und G90. In Arbeitsräumen dürfen Druckgasbehälter nach TRGS 510 nur in Schränken der Klasse G30 oder höher gelagert werden.

Lithium-Ionen-Akku-Schränke (ION-LINE): Ein relativ neues Segment, das durch die zunehmende Verbreitung von Akku-Werkzeugen und E-Mobilität an Bedeutung gewinnt. Die asecos ION-LINE bietet Schränke, die sowohl von außen nach innen (Typ 90 nach EN 14470-1) als auch von innen nach außen feuerwiderstandsfähig sind — ein Szenario, das bei einem Thermal Runaway eines Lithium-Ionen-Akkus relevant wird. Die Prüfung erfolgt zusätzlich nach dem Industriestandard VDMA 24994. Preislich liegen diese Spezialschränke deutlich über Standard-Sicherheitsschränken.

Hersteller und Preise: Was kostet ein Sicherheitsschrank 2026?

Der deutsche Markt für Sicherheitsschränke wird von vier Herstellern dominiert, die alle in Deutschland produzieren und deren Produkte nach EN 14470-1 typgeprüft und GS-zertifiziert sind:

asecos (Gründau bei Frankfurt): Weltmarktführer für Sicherheitsschränke nach EN 14470-1. asecos hat den hochisolierten Typ-90-Schrank maßgeblich mitentwickelt und bietet das breiteste Produktsortiment — vom Unterbauschrank bis zum Druckgasflaschenschrank. Viele asecos-Modelle sind zusätzlich nach dem US-amerikanischen FM-Standard 6050 und UL/ULC 1275 zertifiziert, was für international agierende Konzerne relevant ist. Premium-Segment.

DENIOS (Bad Oeynhausen): Breites Gesamtportfolio für Gefahrstofflagerung und Umweltschutz — vom Sicherheitsschrank über Auffangwannen bis zu begehbaren Gefahrstofflagern. DENIOS bietet sowohl Eigenprodukte als auch asecos-Schränke im eigenen Vertriebsprogramm an. Starker technischer Beratungsservice, eigenes Planungsbüro für Gefahrstofflager.

Düperthal (Karlstein am Main): Traditionsreicher deutscher Hersteller mit Fokus auf innovative Schranktechnologien. Düperthal bietet unter anderem Sicherheitsschränke mit integriertem Umluftfiltersystem und ergonomischen Auszugsystemen. Mittleres bis oberes Preissegment.

PROTECTO (Blomberg): Spezialist für Gefahrstofflagerung mit guten Einstiegsprodukten und starkem Preis-Leistungs-Verhältnis. PROTECTO deckt das Segment vom einfachen Typ-30-Schrank bis zum vollausgestatteten Typ-90-Hochschrank ab.

Schranktyp Feuerwiderstand Breite Preisrahmen (netto)
Hochschrank, 1-türig Typ 30 600 mm 1.200–2.000 €
Hochschrank, 2-türig Typ 30 1.200 mm 1.800–3.000 €
Hochschrank, 1-türig Typ 90 600 mm 2.500–4.000 €
Hochschrank, 2-türig Typ 90 1.200 mm 3.500–6.000 €
Unterbauschrank Typ 90 600 mm 2.000–3.500 €
Druckgasflaschenschrank G90 1.200 mm 4.000–8.000 €
Li-Ion-Akku-Schrank (ION-LINE) Typ 90 (beidseitig) 1.200 mm 8.000–15.000 €

Hinzu kommen Kosten für Zubehör und Installation: Entlüftungsaufsätze oder Umluftfilter (300–1.500 €), Abluftventilatoren für technische Entlüftung (200–800 €), zusätzliche Auffangwannen oder Auszüge (50–300 € pro Stück) und gegebenenfalls die Verlegung von Abluftleitungen. Die Lieferung eines 400-kg-Hochschranks erfordert zudem eine Schwerlastlieferung mit Hubwagen oder Stapler bis zur Verwendungsstelle — viele Hersteller bieten dies als Servicepaket an.

Häufige Fehler bei der Gefahrstofflagerung im Schrank

Die Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsichtsämter beanstanden bei Betriebsbegehungen regelmäßig dieselben Verstöße. Die fünf häufigsten Fehler in der Praxis:

Zusammenlagerung unverträglicher Stoffe: Säuren und Laugen im selben Schrank wie organische Lösungsmittel. Die Zusammenlagerungstabelle der TRGS 510 ist keine Empfehlung, sondern bindend. Im Zweifelsfall: Separate Schränke beschaffen.

Fehlende oder defekte Belüftung: Sicherheitsschränke ohne angeschlossene Entlüftung oder mit verstopften Filtern akkumulieren Lösungsmitteldämpfe im Inneren. Das Öffnen der Schranktür kann dann bereits zu einer gefährlichen Dampfkonzentration im Raum führen. Die Belüftung muss regelmäßig geprüft und gewartet werden.

Lagerung von Abfällen und kontaminierten Lappen: Lösungsmittelgetränkte Lappen und Reinigungstücher sind keine „Gefahrstoffe in ortsbeweglichen Behältern" im Sinne der TRGS 510 — sie gehören in spezielle, selbstlöschende Abfallbehälter, nicht in den Sicherheitsschrank. Diese Verwechslung ist ein häufiger Beanstandungsgrund.

Überschreitung der zulässigen Lagermenge bei Typ-30-Schränken: Viele Betriebe wissen nicht, dass Typ-30-Schränke mengenmäßig und in der Anzahl pro Brandabschnitt beschränkt sind. Wer mehrere Typ-30-Schränke in einem Raum aufstellt, verstößt gegen die TRGS 510, es sei denn, die spezifischen Ausnahmevoraussetzungen sind erfüllt.

Keine Betriebsanweisung vorhanden: Für jeden Sicherheitsschrank muss eine Betriebsanweisung aushängen, die das korrekte Verhalten bei der Nutzung und im Brandfall regelt. Fehlt diese Betriebsanweisung, ist bereits ein formaler Verstoß gegen die TRGS 510 gegeben — unabhängig davon, ob der Schrank ansonsten korrekt betrieben wird.

Internationaler Vergleich: EU-Norm vs. FM-Standard und NFPA

Die EN 14470-1 gilt als europäischer Standard und wird in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt. In Deutschland hat sich durch die strenge TRGS 510 der Typ 90 als De-facto-Standard durchgesetzt — das ist international die höchste Anforderungsstufe. In den USA und Kanada gelten dagegen andere Prüfnormen: Der FM-Standard 6050 (Factory Mutual) und der NFPA 30 (National Fire Protection Association) mit den UL/ULC-Zertifizierungen definieren dort die Anforderungen an Gefahrstoffschränke. Hersteller wie asecos bieten dreifach zertifizierte Schränke an (EN 14470-1 + FM 6050 + UL/ULC 1275), die sowohl in Europa als auch in Nordamerika eingesetzt werden können — ein relevanter Aspekt für international agierende Konzerne mit einheitlichen Sicherheitsstandards.

Im asiatischen Raum, insbesondere in China und Südkorea, steigt die Nachfrage nach europäisch zertifizierten Sicherheitsschränken seit Jahren deutlich an. Die strengen europäischen Prüfnormen gelten dort zunehmend als Qualitätsmerkmal, auch wenn die lokalen Vorschriften formal weniger anspruchsvoll sind. Deutsche Hersteller profitieren von diesem Trend und exportieren einen wachsenden Anteil ihrer Produktion nach Asien.

Zukunftsthema 2026: Sichere Lagerung von Lithium-Ionen-Akkus

Die rasant steigende Verbreitung von Akku-Werkzeugen, E-Bikes, E-Staplern und Elektrofahrzeugen hat ein neues Sicherheitsthema in die Werkstätten gebracht: die sichere Lagerung und das Laden von Lithium-Ionen-Batterien. Ein Thermal Runaway — die unkontrollierte Überhitzung und Selbstentzündung eines Lithium-Ionen-Akkus — kann Temperaturen von über 1.000 °C erzeugen und toxische Fluorwasserstoffdämpfe freisetzen. Konventionelle Sicherheitsschränke nach EN 14470-1 sind gegen Brandeinwirkung von außen geprüft, nicht aber gegen einen Brand, der im Schrankinneren entsteht.

Die VdS-Richtlinie 3103 (VdS Schadenverhütung, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) und der Branchenstandard VDMA 24994 adressieren diese Problematik. Spezielle Lithium-Ionen-Sicherheitsschränke wie die asecos ION-LINE oder die DENIOS Li-ION-Schränke bieten sowohl von außen als auch von innen Brandschutz, sind mit integrierten Rauchmeldern, Temperatursensoren und optionalen Brandunterdrückungssystemen ausgestattet und verfügen über potenzialfreie Kontakte zur Aufschaltung an eine Gebäudeleittechnik. Die Investitionskosten sind mit 8.000 bis 15.000 € erheblich — aber angesichts der Schadenspotenziale von Akkubränden (Totalschaden des Gebäudes, toxische Kontamination, wochenlange Betriebsunterbrechung) eine sachlich begründete Investition.

Für Betriebsleiter in Werkstätten mit größerem Akku-Werkzeugbestand (Akkuschrauber, Winkelschleifer, Schlagbohrmaschinen von Makita, Bosch Professional, Milwaukee und DeWalt) empfiehlt sich eine zentrale Ladestation in einem Lithium-Ionen-Sicherheitsschrank. So werden das Laden und die Lagerung räumlich gebündelt, das Risiko wird minimiert, und die Versicherungsanforderungen werden proaktiv erfüllt. Die Sachversicherer (GDV, VdS) verschärfen ihre Auflagen für Lithium-Ionen-Lagerung kontinuierlich — wer 2026 investiert, vermeidet potenzielle Nachrüstungspflichten in den kommenden Jahren.

Fazit und Einkaufscheckliste für Sicherheitsschränke

Ein normkonformer Sicherheitsschrank ist keine optionale Anschaffung, sondern eine gesetzliche Pflicht für jeden Betrieb, der entzündbare Flüssigkeiten in Arbeitsräumen lagert. Wer in Typ 90 investiert, hat die wenigsten Einschränkungen und die größte Rechtssicherheit. Die folgende Checkliste unterstützt bei der Beschaffung:

Einkaufscheckliste — Sicherheitsschrank:
  • Gefährdungsbeurteilung erstellen: Welche Gefahrstoffe in welchen Mengen? Zusammenlagerung prüfen (TRGS 510, Abschnitt 7)
  • Typklasse wählen: Typ 90 als Standard — Typ 30 nur unter den engen Voraussetzungen der TRGS 510, Anhang 1
  • Schrankgröße passend zum Lagerbedarf: Breite (600/900/1.200 mm), Innenausstattung (Einlegeböden, Auszugswannen)
  • EN 14470-1 Baumusterprüfung und GS-Zeichen beim Hersteller sicherstellen
  • Belüftung planen: Technische Entlüftung nach außen (bevorzugt) oder Umluftfilteraufsatz
  • Auffangwannen: Mindestens 10 % des Gesamtlagervolumens oder Volumen des größten Gebindes
  • Potentialausgleich: Erdungsanschluss am Schrank vorhanden? (TRBS 2153, elektrostatische Aufladung)
  • Betriebsanweisung nach TRGS 555 erstellen und am Schrank aushängen
  • Beschäftigte unterweisen: Korrekte Nutzung, Zusammenlagerungsverbote, Verhalten im Brandfall
  • Wartungsplan erstellen: Türmechanik, Selbstschließfunktion, Brandschutzdichtungen, Belüftung jährlich prüfen
  • Bei Lithium-Ionen-Akku-Lagerung: Spezialschrank mit beidseitigem Brandschutz und Sensorik wählen
  • Budget einplanen: Ab 2.500 € netto (Typ 90, 1-türig) bis 6.000 € (Typ 90, 2-türig, vollausgestattet)