Handlungsfeld 1: Staatliche Hilfe holen, die bereits existiert
Die meisten Förderprogramme existieren bereits, sie müssen nur beantragt werden. Das Problem: Viele Betriebsleiter kennen sie nicht, oder sie glauben, die Bürokratie sei zu aufwendig. Die Wahrheit ist: Einige Programme sind in wenigen Stunden beantragt und werden innerhalb von Wochen ausgezahlt.
1. Kurzarbeitergeld prüfen und vorbereiten. Kurzarbeit greift nicht bei reinen Preissteigerungen, wohl aber wenn Aufträge storniert werden, Material fehlt oder eine behördliche Rationierung (Notfallstufe Gas) den Betrieb direkt einschränkt. Bis Ende 2026 gilt die verlängerte Bezugsdauer von bis zu 24 Monaten. Voraussetzung: Mindestens ein Drittel der Beschäftigten muss von mehr als 10 Prozent Entgeltausfall betroffen sein. Der Antrag läuft über die örtliche Agentur für Arbeit und kann online eingereicht werden. Die Erstattung (60 bis 67 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts) erfolgt in der Regel innerhalb von 15 Arbeitstagen. Tipp: Bereiten Sie die Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit jetzt vor, auch wenn Sie sie noch nicht brauchen. Im Ernstfall gewinnen Sie Wochen.
2. BAFA-Energieberatung beantragen (bis 80 % Zuschuss). Das BAFA fördert Energieberatungen für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme (EBN-Programm). Der Energieberater identifiziert Einsparpotenziale und erstellt einen Maßnahmenkatalog. Das ist der Schlüssel zu allen weiteren Förderprogrammen. Antrag vor Beratungsbeginn stellen.
3. KfW-Förderkredit 295 für Energieeffizienz nutzen. Die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz (KfW 295) bietet zinsvergünstigte Kredite mit Tilgungszuschuss für den Austausch ineffizienter Anlagen: Kompressoren, Motoren, Beleuchtung, Heizungen, Kälteanlagen. Sechs Module, von Querschnittstechnologien (Modul 1) bis zur Elektrifizierung kleiner Unternehmen (Modul 6). Wichtig: Antrag über die Hausbank stellen, bevor das Vorhaben beginnt. Es gibt eine Option auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn, wenn Sie nicht warten können.
4. IHK-Beratung als kostenlosen Erstanlaufpunkt nutzen. Die Industrie- und Handelskammern bieten kostenlose Erstberatung zu Förderprogrammen, Energieeffizienz und Krisenmanagement an. Die IHK kann Ihnen auch dabei helfen, den richtigen Energieberater zu finden und Förderanträge vorzubereiten. Anruf genügt.
5. Landesförderbanken prüfen. Nahezu jedes Bundesland hat eigene Förderprogramme über die Landesförderbanken (NRW.BANK, L-Bank, LfA Förderbank Bayern, IBB etc.). Diese regionalen Programme sind oft weniger überlaufen als die Bundesprogramme und bieten zusätzliche Zuschüsse für Energieeffizienz, Digitalisierung und Krisenbewältigung. Ein Blick auf die Website der zuständigen Landesförderbank lohnt sich fast immer.
6. Stromsteuer- und Energiesteuerentlastung prüfen. Unternehmen des produzierenden Gewerbes können Entlastungen bei der Strom- und Energiesteuer beantragen (§ 9b StromStG, § 54 EnergieStG). Wer ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 betreibt, kann zusätzlich den Spitzenausgleich (§ 10 StromStG, § 55 EnergieStG) beantragen. Die Rückerstattung erfolgt jährlich über das Hauptzollamt.
Handlungsfeld 2: Energiekosten sofort senken — für null bis 500 Euro
Diese Maßnahmen kosten wenig oder nichts und wirken innerhalb von Tagen.
7. Heizung um 2 Grad senken. Jedes Grad weniger spart 6 Prozent Heizenergie. In Büros von 22 auf 20 °C, in Werkstätten von 19 auf 17 °C (ASR A3.5-Minimum für mittelschwere Arbeit). Kosten: 0 Euro. Wirkung: sofort, 10 bis 12 Prozent Einsparung.
8. Nachtabsenkung und Wochenendabschaltung konsequent aktivieren. Viele Heizungssteuerungen haben vorprogrammierte Nachtabsenkungen, die nie aktiviert wurden. Prüfen Sie jede Heizungsanlage im Betrieb. Kosten: 0 Euro.
9. Druckluftleckagen suchen und abdichten. In einem durchschnittlichen Druckluftnetz gehen 20 bis 40 Prozent der erzeugten Luft durch Leckagen verloren. Eine Leckagesuche mit einem Ultraschall-Leckagesuchgerät (leihbar ab 50 Euro/Tag bei Kaeser oder Atlas Copco Servicepartnern) und die Abdichtung der gefundenen Lecks mit Gewindedichtband und Schnellkupplungen kosten unter 200 Euro und sparen 15 bis 30 Prozent der Druckluftkosten.
10. Druckluft-Betriebsdruck um 1 Bar senken. Jedes Bar weniger spart rund 7 Prozent Kompressorstrom. Prüfen Sie, ob Ihre Verbraucher wirklich 7 Bar brauchen oder ob 6 Bar reichen. Kosten: 0 Euro.
11. Beleuchtung: Licht aus, wo keiner arbeitet. Lichtschalter beschriften, Bereiche zuordnen, Mitarbeiter sensibilisieren. Präsenzmelder für Lager, Flure und Sanitärräume kosten ab 15 Euro pro Stück und sparen 30 bis 50 Prozent der Beleuchtungskosten in den betroffenen Bereichen.
12. Kompressor-Leerlaufzeiten eliminieren. Schalten Sie Kompressoren ab, die in Pausen, am Wochenende oder nach Schichtende im Leerlauf laufen. Eine Zeitschaltuhr (ab 20 Euro) spart hunderte Euro pro Jahr.
13. Hallentoranlagen prüfen. Jedes offenstehende Hallentor ist ein Wärmeleck. PVC-Streifenvorhänge (ab 300 Euro pro Tor) reduzieren den Wärmeverlust um 60 bis 80 Prozent. Amortisation bei aktuellen Gaspreisen: wenige Wochen.
14. Warmwasser reduzieren. In Sozialräumen Warmwassertemperatur von 60 auf 50 °C senken (Legionellen-Grenze beachten), Durchflussbegrenzer an Wasserhähne montieren (ab 3 Euro/Stück). In vielen Betrieben kann Warmwasser in Toiletten komplett abgestellt werden.
15. Standby-Verbraucher abschalten. Drucker, Kaffeemaschinen, Monitore, Ladegeräte: Schaltbare Steckdosenleisten (ab 10 Euro) eliminieren Standby-Verbräuche, die sich über einen Betrieb mit 50 Arbeitsplätzen auf 2.000 bis 5.000 kWh pro Jahr summieren.
Handlungsfeld 3: Produktion und Technik anpassen — schnelle Investitionen mit sofortigem ROI
16. Kompressor-Abwärme zur Hallenheizung nutzen. Ein 75-kW-Kompressor erzeugt bei 6.000 Betriebsstunden/Jahr rund 430 MWh nutzbare Abwärme (Wert bei 60 Euro/MWh Gas: 25.800 Euro). Nachrüstung: 3.000 bis 15.000 Euro. Amortisation: unter einem Jahr.
17. LED-Umrüstung der Hallenbeleuchtung. Der Austausch von HQL- oder Leuchtstofflampen gegen LED spart 50 bis 70 Prozent der Beleuchtungskosten. TRILUX und Zumtobel bieten Lichtcontracting an: kein Investment, Finanzierung über die Einsparung. BAFA BEG EM fördert LED mit 15 Prozent Zuschuss.
18. Akku-Elektrowerkzeuge statt Druckluft einsetzen. Druckluft-Schlagschrauber, -Schleifer und -Bohrmaschinen verbrauchen das 7- bis 10-Fache der Energie eines vergleichbaren Akku-Geräts. Bosch Professional 18V, Metabo 18V LiHD und Milwaukee M18 FUEL bieten industrietaugliche Alternativen. Jeder ersetzte Druckluft-Arbeitsplatz spart 800 bis 1.500 Euro jährlich.
19. Elektrische Infrarotstrahler für Zonenheizung nachrüsten. Statt die gesamte Halle auf 17 °C zu heizen, können elektrische Infrarotstrahler (ab 500 Euro/Stück) gezielt Arbeitsplätze auf Komforttemperatur bringen. Besonders effektiv in großen Hallen mit wenigen besetzten Arbeitsplätzen. Schwank eSchwank und Kübler ELEXTRA bieten Industriemodelle an.
20. Frequenzumrichter an Pumpen und Lüftern nachrüsten. Pumpen und Lüfter, die im Teillastbetrieb laufen, verschwenden mit Drosselklappen oder Bypassventilen bis zu 50 Prozent der Antriebsenergie. Ein Frequenzumrichter (ab 500 Euro für einen 5-kW-Motor) passt die Drehzahl dem Bedarf an und spart 20 bis 40 Prozent. KfW 295 Modul 1 fördert den Austausch.
21. Produktionszeiten auf energiegünstige Tageszeiten verschieben. Strompreise variieren im Tagesverlauf. Wer einen RLM-Vertrag mit Spotpreisanbindung hat, kann energieintensive Prozesse (Kompressoren, Öfen, Chargenbetrieb) in die Mittagsstunden verschieben, wenn PV-Einspeisung den Börsenpreis drückt, oder in die Nachtstunden, wenn die Netzlast gering ist.
22. Lastspitzen kappen (Peak Shaving). Die Netzentgelte basieren auf der höchsten 15-Minuten-Lastspitze im Jahr. Eine einzige Spitze beim gleichzeitigen Start mehrerer Maschinen kann die Netzkosten für das ganze Jahr erhöhen. Gestaffelter Maschinenanlauf (per SPS oder manuelle Anweisung) oder ein kleiner Batteriespeicher senken die Spitzenlast und damit die Netzentgelte um 10 bis 30 Prozent.
23. Dieselstapler gegen Elektrostapler tauschen. Bei Dieselpreisen nahe 2 Euro/Liter kosten die Kraftstoffkosten eines Dieselstaplers mit 8 Tonnen Jahresverbrauch rund 16.000 Euro. Ein Jungheinrich Li-Ion-Elektrostapler verbraucht Strom für rund 3.000 bis 4.000 Euro. Linde, Toyota, Still und CLARK bieten vergleichbare Modelle an. Leasing ab 600 Euro/Monat.
Handlungsfeld 4: Einkauf und Beschaffung krisenfest machen
24. Aluminium-Bestellungen vorziehen. Aluminiumpreise steigen weiter (LME >3.500 $/t, physische Prämien +30-40 %). Leitern, Gerüste, Transportkisten, Profilsysteme jetzt bestellen, bevor Hersteller die Preise anpassen. MUNK Steigtechnik und ZARGES liefern Serienprodukte aktuell noch ab Lager.
25. Dieselvorrat auffüllen. Shell warnt vor physischen Engpässen. Füllen Sie Betriebstanks jetzt auf, bevor die Preise weiter steigen oder Kontingente rationiert werden. TRGS 509 beachten. Kraftstoffqualität prüfen (Dieselpest bei längerem Lagern).
26. Energielieferverträge prüfen und nachverhandeln. Prüfen Sie Ihre Gas- und Stromlieferverträge: Wann laufen sie aus? Gibt es Preisanpassungsklauseln? Ein Energieberater oder die IHK kann bei der Verhandlung helfen. Wer einen Festpreisvertrag hat, der 2026 oder 2027 ausläuft, sollte jetzt über eine Verlängerung verhandeln, bevor die Marktpreise noch weiter steigen.
27. Abschaltvertrag (unterbrechbarer Gasliefervertrag) prüfen. Abschaltkunden erhalten dauerhaft niedrigere Gastarife gegen die Bereitschaft, bei Engpässen abgeschaltet zu werden. Wenn Ihr Betrieb Gasmangel kurzfristig überstehen kann (z. B. durch Heizöl-Backup oder elektrische Heizung), kann ein Abschaltvertrag die laufenden Kosten senken.
28. Zweite Lieferantenquelle für kritische Materialien aufbauen. Single-Source-Abhängigkeiten werden in Krisenzeiten zum existenziellen Risiko. Identifizieren Sie die drei bis fünf wichtigsten Materialien und bauen Sie für jedes mindestens einen Alternativlieferanten auf.
29. Stahl-Alternativen für Aluminium-Produkte prüfen. Podesttreppen mit Stahl-Gitterrost statt Alu-Riffelblech, Werkbänke mit Stahlgestell statt Alu-Profil, Kunststoff-Boxen statt Alu-Kisten (wo kein Gefahrgut-Transport vorliegt). Gewichtsnachteil akzeptieren, dafür Preisrisiko senken.
30. Gebrauchtmarkt für Betriebsausstattung nutzen. Gebrauchte Regale, Werkbänke, Stapler, Leitern und Rollgerüste sind über Industrieauktionen (Surplex, NetBid, TroostwijkAuctions) deutlich günstiger als Neuware. Prüfpflichtige Produkte (Leitern, Gerüste) müssen vor Einsatz geprüft werden.
Handlungsfeld 5: Personal und Arbeitszeit flexibilisieren
31. Arbeitszeitkonten aufbauen oder nutzen. Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen es, in Phasen geringer Auslastung weniger Stunden zu arbeiten und bei Wiederaufschwung aufzuholen, ohne Kurzarbeit beantragen zu müssen. Die Betriebsvereinbarung ist der Schlüssel.
32. Schichtmodelle anpassen. Wenn Energiekosten nachts günstiger sind, kann eine Verlagerung energieintensiver Produktion in die Nachtschicht die Kosten senken. Alternativ: Zusammenlegung von Schichten, um Hallen- und Maschinenvorlaufzeiten zu reduzieren.
33. Homeoffice für Büromitarbeiter ausweiten. Jeder Büroarbeitsplatz, der nicht beheizt, beleuchtet und mit Druckern versorgt werden muss, spart Energie. In einem typischen Büro spart jeder Homeoffice-Tag pro Person 3 bis 5 kWh Strom und anteilig Heizenergie. Bei 50 Büroarbeitsplätzen und 2 Homeoffice-Tagen pro Woche summiert sich das auf 15.000 bis 25.000 kWh pro Jahr.
34. Energiespar-Schulung für alle Mitarbeiter. Eine einstündige Unterweisung zum Thema Energie sparen im Betrieb (Licht aus, Druckluft sparen, Türen schließen, Kompressor abschalten) kostet nichts und senkt den Verbrauch erfahrungsgemäß um 3 bis 5 Prozent. Machen Sie Energieverbrauch sichtbar: Tägliche Verbrauchszahlen am schwarzen Brett oder im Intranet schaffen Bewusstsein.
35. Energieverantwortliche benennen. Bestimmen Sie in jeder Abteilung einen Energieverantwortlichen, der Verschwendung meldet, Verbrauchszahlen überwacht und Verbesserungsvorschläge einbringt. Das kostet nichts und schafft eine Kultur der Achtsamkeit.
36. Betriebsurlaub auf energieintensive Monate legen. Ein zweiwöchiger Betriebsurlaub im Januar spart die kompletten Heizkosten dieser Wochen und vermeidet die energetisch teuerste Phase des Jahres. Muss frühzeitig mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern abgestimmt werden.
37. Betriebsrat frühzeitig einbeziehen. Alle Maßnahmen, die Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen oder Kurzarbeit betreffen, erfordern die Beteiligung des Betriebsrats. Frühzeitige Einbeziehung verhindert Blockaden und beschleunigt die Umsetzung. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei Kurzarbeit (§ 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG).
Handlungsfeld 6: Liquidität sichern — auch wenn die Kasse leer ist
38. Zahlungsziele bei Lieferanten verlängern. Sprechen Sie Ihre wichtigsten Lieferanten proaktiv an und bitten Sie um verlängerte Zahlungsziele (von 14 auf 30 Tage, von 30 auf 60 Tage). In Krisenzeiten sind viele Lieferanten dazu bereit, weil sie ihre Kunden halten wollen.
39. Forderungsmanagement verschärfen. Verkürzen Sie Ihre eigenen Zahlungsziele für Kunden. Senden Sie Rechnungen sofort nach Leistungserbringung. Nutzen Sie Skonto aktiv (2 Prozent Skonto bei 10 Tagen Zahlung = 36 Prozent effektiver Jahreszins auf das eingesetzte Kapital). Offene Posten konsequent mahnen.
40. KfW-Kreditlinie als Liquiditätsreserve einrichten. Der ERP-Förderkredit KMU (für Unternehmen bis 250 Mitarbeiter) bietet zinsgünstige Kredite für Investitionen und Betriebsmittel mit Laufzeiten von 5 bis 20 Jahren und 1 bis 3 tilgungsfreien Anlaufjahren. Die KfW übernimmt bis zu 50 Prozent des Ausfallrisikos, was die Bewilligung durch die Hausbank erleichtert. Antrag über die Hausbank.
41. Lagerbestände auf überschüssige Werte prüfen. Überbestände binden Kapital. Identifizieren Sie Lagerposten, die sich seit über 12 Monaten nicht bewegt haben, und veräußern Sie sie über Industrieauktionen, Branchenbörsen oder Direktverkauf. Das freigesetzte Kapital steht sofort zur Verfügung.
42. Energiesteuererstattung rückwirkend prüfen. Viele produzierende Betriebe haben Anspruch auf Strom- und Energiesteuerentlastung, die sie nie beantragt haben. Die Rückerstattung kann für das laufende und das vergangene Jahr beim Hauptzollamt beantragt werden. Die Erstattungsbeträge können mehrere tausend Euro betragen.
43. Versicherungswert der Betriebsunterbrechung prüfen. Wenn der Betrieb durch einen Stromausfall oder eine Gasrationierung stillsteht, zahlt die Betriebsunterbrechungsversicherung, sofern der Versicherungsfall gedeckt ist. Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz jetzt und passen Sie die Police bei Bedarf an. Eine Notstromversorgung (USV + Dieselaggregat) kann die Versicherungsprämie senken.
Handlungsfeld 7: Kunden und Aufträge halten — Krise kommunizieren, statt schweigen
44. Energiekosten-Zuschlag transparent kommunizieren. Viele Wettbewerber erheben bereits Energiekosten-Zuschläge (EKZ). Wer offen kommuniziert, warum und wie hoch der Zuschlag ist, verliert weniger Kunden als wer ohne Erklärung die Preise erhöht. Formulierung: „Temporärer Energiekosten-Zuschlag gemäß Marktlage TTF/Brent, wird quartalsweise überprüft." Das signalisiert Fairness und Rücknahmebereitschaft.
45. Lieferzeiten proaktiv kommunizieren. Wenn sich Lieferzeiten durch Materialknappheit verlängern, informieren Sie Ihre Kunden sofort und aktiv. Kunden, die frühzeitig informiert werden, akzeptieren Verzögerungen eher als solche, die am Liefertag erfahren, dass die Ware nicht kommt.
46. Verträge mit Preisgleitklauseln versehen. Für Neuverträge und Rahmenvereinbarungen sollten Sie Preisgleitklauseln einbauen, die an offizielle Indizes (Statistisches Bundesamt Erzeugerpreisindex, LME Aluminium, TTF Gas) gekoppelt sind. Das schützt beide Seiten vor unkalkulierbaren Kostenschwankungen.
47. Krisenkommunikation nach innen und außen. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig und ehrlich über die wirtschaftliche Lage des Betriebs. Unsicherheit erzeugt Gerüchte, Gerüchte erzeugen Kündigungen. Die besten Mitarbeiter gehen zuerst, weil sie die besten Alternativen haben. Wer offen kommuniziert, bindet sein Team. Gegenüber Kunden und Lieferanten gilt dasselbe: Transparenz schafft Vertrauen, Schweigen schafft Misstrauen.
Kosten-Wirkungs-Matrix: Was wirkt sofort, was kostet nichts?
| Maßnahme (Beispiele) | Kosten | Einsparung/Wirkung | Umsetzungsdauer |
|---|---|---|---|
| Heizung 2 °C senken, Nachtabsenkung aktivieren | 0 Euro | 10–12 % Heizkosten | Sofort (heute) |
| Druckluft-Betriebsdruck 1 Bar senken | 0 Euro | 7 % Kompressorstrom | Sofort |
| Druckluft-Leckagen abdichten | 50–200 Euro | 15–30 % Druckluftkosten | 1–2 Tage |
| PVC-Streifenvorhänge an Hallentoren | Ab 300 Euro/Tor | 60–80 % Wärmeverlust am Tor | 1 Tag |
| Kompressor-Abwärme nutzen | 3.000–15.000 Euro | Bis 25.800 Euro/Jahr Heizwert | 2–6 Wochen |
| LED-Umrüstung (Contracting) | 0 Euro (Contracting) | 50–70 % Beleuchtungskosten | 4–8 Wochen |
| Frequenzumrichter an Pumpen/Lüftern | Ab 500 Euro/Motor | 20–40 % Antriebsenergie | 1–2 Wochen |
| Kurzarbeitergeld (bei Qualifikation) | 0 Euro (Erstattung 60–67 %) | 33–40 % Personalkosten für betroffene MA | 2–4 Wochen ab Anzeige |
| BAFA-Energieberatung (bis 80 % gefördert) | 1.000–3.000 Euro (Eigenanteil) | Schlüssel zu allen Förderprogrammen | 4–8 Wochen |
| PV-Anlage auf Hallendach (100 kWp) | 80.000–120.000 Euro (KfW 270 finanzierbar) | 8.000–13.000 Euro/Jahr Einsparung | 3–6 Monate |
Sofort-Checkliste: Die ersten 48 Stunden
Was Sie morgen früh tun können — ohne Genehmigung, ohne Budget, ohne Berater
- Heizung in allen Gebäuden um 2 °C senken. Nachtabsenkung und Wochenendabschaltung aktivieren.
- Alle Hallentore prüfen: Stehen welche dauerhaft offen? Streifenvorhänge bestellen.
- Kompressorstation besuchen: Betriebsdruck notieren. Kann er um 1 Bar gesenkt werden? Laufen Kompressoren im Leerlauf?
- Beleuchtung: Einen Rundgang durch alle Bereiche machen. Wo brennt Licht, wo niemand arbeitet? Schalter beschriften.
- Energierechnungen der letzten 12 Monate sammeln. Gesamtverbrauch Strom und Gas notieren.
- IHK anrufen: Kostenlose Erstberatung Energieeffizienz und Förderprogramme vereinbaren.
- Betriebsvereinbarung Kurzarbeit vorbereiten (auch wenn sie noch nicht nötig ist).
- Die drei wichtigsten Lieferanten kontaktieren: Lieferfähigkeit und Preisaussichten abfragen.
- Alle Mitarbeiter per Aushang informieren: „Wir müssen Energie sparen. So können Sie helfen."
- Dieseltank-Füllstand prüfen. Betriebstank auffüllen lassen, wenn unter 50 Prozent.