Die neue Realität: Nachhaltigkeit als Einkaufskriterium
Noch vor fünf Jahren war Nachhaltigkeit im B2B-Einkauf ein Nice-to-have — ein Thema für den Nachhaltigkeitsbericht, aber selten für die operative Beschaffungsentscheidung. 2026 hat sich das Bild grundlegend verändert. Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD), das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die wachsende Verbreitung von Nachhaltigkeitsratings wie EcoVadis haben dazu geführt, dass Einkaufsabteilungen heute belastbare Nachhaltigkeitsdaten von ihren Lieferanten einfordern — nicht aus Idealismus, sondern aus regulatorischer Notwendigkeit und wirtschaftlichem Kalkül.
Für den Betriebsausstattungs-Einkauf — Werkbänke, Hubwagen, Regale, Transportgeräte, Verpackungsmaterial — bedeutet das konkret: Wer Produkte bestellt, braucht Informationen darüber, wie nachhaltig diese hergestellt wurden, welche Materialien verwendet werden und unter welchen Bedingungen die Produktion stattfindet. Die gute Nachricht ist, dass erste Anbieter diesen Informationsbedarf bereits systematisch bedienen.
CSRD 2026: Was gilt jetzt — und was kommt noch?
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, dass große Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2024 bzw. 2025 stufenweise nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichten müssen. Durch das EU-Omnibus-Paket und die sogenannte „Stop the Clock"-Richtlinie (in Kraft seit April 2025) wurde der Zeitplan für die zweite und dritte Welle um jeweils zwei Jahre verschoben.
Stand Mai 2026 gilt: Das Omnibus-I-Paket ist final. Nach der politischen Trilog-Einigung vom 9. Dezember 2025 billigte das EU-Parlament die Reform am 16. Dezember 2025, der Rat verabschiedete sie am 24. Februar 2026, und der Rechtsakt wurde am 26. Februar 2026 im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Kernpunkt: Die Schwellenwerte wurden deutlich angehoben — berichtspflichtig sind künftig nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und über 450 Millionen Euro Umsatz. Dadurch fallen nach Schätzungen rund 80 bis 90 % der ursprünglich von der CSRD erfassten Unternehmen aus der Pflicht. Börsennotierte KMU sind ebenfalls ausgenommen, wie das Umweltbundesamt auf seiner CSRD-Informationsseite dokumentiert. Die Mitgliedstaaten müssen die Änderungen bis zum 19. März 2027 in nationales Recht umsetzen.
Für die einzelnen Wellen heißt das: Große kapitalmarktorientierte Unternehmen der „ersten Welle" (über 500 Mitarbeiter) berichteten ursprünglich erstmals für das Geschäftsjahr 2024 — wobei Deutschland die CSRD bislang nicht in nationales Recht umgesetzt hat und diese Unternehmen daher zunächst weiter nach den bisherigen Regeln (§ 289b HGB) berichten. Die Mitgliedstaaten können sie zudem für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 von den Pflichten ausnehmen. Ab dem Geschäftsjahr 2027 gelten die neuen Schwellenwerte; Unternehmen unterhalb dieser Grenzen fallen dann endgültig aus der Berichtspflicht heraus.
Was auf den ersten Blick nach Entlastung klingt, hat einen Haken: die Wertschöpfungsketten-Perspektive. Auch Unternehmen, die selbst nicht berichtspflichtig sind, geraten unter Druck, wenn ihre Kunden es sind. Denn berichtspflichtige Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsdaten entlang ihrer Lieferkette erheben — und dafür ihre Zulieferer befragen. Immerhin gibt es eine Schutzgrenze: Über den sogenannten „Value Chain Cap" dürfen berichtspflichtige Unternehmen von kleineren, nicht berichtspflichtigen Zulieferern nicht mehr Informationen verlangen, als der freiwillige VSME-Standard (Voluntary SME Standard) vorsieht. Diesen Standard hat die EFRAG Ende 2024 erarbeitet (Übergabe an die EU-Kommission im Dezember 2024); die EU-Kommission hat seine Anwendung im Juli 2025 offiziell empfohlen. Eine an die neuen Schwellenwerte angepasste Fassung für Unternehmen bis 1.000 Mitarbeiter befand sich Anfang 2026 in der Konsultation.
Parallel werden die ESRS selbst verschlankt: Ein überarbeiteter delegierter Rechtsakt soll Mitte 2026 verabschiedet werden und ab dem Geschäftsjahr 2027 (optional bereits 2026) gelten. Dabei entfallen rund 61 % der bisher verpflichtenden Datenpunkte — ein Versuch, die Berichterstattung praktikabler zu machen und die Interoperabilität mit internationalen Standards (etwa des ISSB) zu verbessern.
EcoVadis: Der globale Standard für Lieferantenbewertungen
EcoVadis hat sich als weltweit führende Plattform für die Nachhaltigkeitsbewertung von Lieferanten etabliert. Über 150.000 Unternehmen aus mehr als 250 Branchen und über 185 Ländern werden mittlerweile bewertet. Die Bewertung basiert auf einem branchenspezifischen Fragebogen mit 21 Nachhaltigkeitskriterien in vier Kategorien: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Das Ergebnis ist ein Score von 0 bis 100 Punkten mit Medaillen von Bronze bis Platin.
Die Medaillen folgen einer Perzentil-Logik: Bronze erhalten die besten 35 %, Silber die besten 15 %, Gold die besten 5 % und Platin das beste 1 % aller bewerteten Unternehmen — vorausgesetzt, kein einzelnes Themenfeld liegt unter 30 Punkten. Weil die Schwellen an Perzentile gekoppelt sind, steigt das Niveau über die Jahre: Wer seine Medaille halten will, muss sich kontinuierlich verbessern.
Für B2B-Einkäufer in Deutschland wird EcoVadis zunehmend zum Pflichtprogramm. Immer mehr Großunternehmen verlangen von ihren Lieferanten mindestens eine Bronze-Medaille als Qualifikationskriterium in Ausschreibungen. Seit Januar 2026 ist EcoVadis zudem als Suchkriterium in Amazon Business Stores integriert — Verkäufer können ihre verifizierten Medaillen direkt im Profil anzeigen, und Einkäufer können Suchergebnisse nach Nachhaltigkeitsleistung filtern. Das ist ein deutliches Signal: Nachhaltigkeit wird vom Reporting-Thema zum operativen Beschaffungskriterium.
Eine wichtige Entwicklung für 2026: EcoVadis richtet seine Methodik zunehmend an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) aus. Das bedeutet, dass Unternehmen, die bereits CSRD-konforme Daten erheben, diese weitgehend für ihr EcoVadis-Rating wiederverwenden können — und umgekehrt. Der Aufwand für die CSRD lässt sich so teilweise in einen besseren EcoVadis-Score ummünzen. Gleichzeitig gewichtet EcoVadis messbare Ergebnisse (Performance) stärker als bloße Absichtserklärungen (Policies): Reine Dokumente reichen immer weniger — gefragt sind belastbare Kennzahlen, Zielvorgaben und mehrjährige Trends.
Der Enkelfähig Score: Nachhaltigkeit auf Produktebene
Während EcoVadis und CSRD auf Unternehmensebene ansetzen, geht der Enkelfähig Score (bei kaiserkraft inzwischen auch als „Nachhaltigkeits-Score" geführt) einen Schritt weiter: Er bewertet Nachhaltigkeit auf Produktebene. Entwickelt wurde das System von der Investmentholding Haniel gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen ratioform und anschließend für die Divisionen der TAKKT AG — zu der auch kaiserkraft gehört — ausgerollt. Bewertet wird jedes einzelne Produkt auf einer Skala von 1,0 bis 5,9 in fünf Kategorien: Kreislauffähigkeit, Klimaschutz, Umweltverträglichkeit (in der aktuellen Fassung als „Biodiversität" geführt), Innovation und Wirtschaftlichkeit.
Nur Produkte mit einem Score ab 3,0 gelten als enkelfähig. Die Bewertungskriterien sind konkret und nachprüfbar: Besteht das Produkt aus Recyclingmaterial oder erneuerbaren Rohstoffen (etwa aus FSC- oder PEFC-zertifizierten Quellen)? Ist es am Ende der Lebensdauer wiederverwertbar — idealerweise als Einmateriallösung? Stammt es von einem Lieferanten mit zertifiziertem Energiemanagement (ISO 50001)? Ist der CO₂-Fußabdruck berechnet und kompensiert? Auch soziale Aspekte fließen ein: Verstöße wie Kinderarbeit, Korruption oder Arbeitsrechtsverletzungen wirken sich stark negativ aus und können verhindern, dass ein Produkt überhaupt als enkelfähig eingestuft wird.
Für den Einkäufer bedeutet das: Bei kaiserkraft ist der Score direkt unter jedem Produkt im Webshop ausgewiesen. Wer zwei vergleichbare Hubwagen oder Werkbänke gegenüberstellt, sieht auf einen Blick, welches Produkt nachhaltiger ist — und warum. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben sein gesamtes Sortiment von rund 100.000 Produkten mit dem Score bewertet. Das Ziel, mehr als 30 % des Umsatzes mit enkelfähigen Produkten zu erzielen, wurde 2023 mit 35 % sogar übertroffen.
Praxisbeispiel: eurokraft pro vs. Import — was der Score zeigt
Ein konkretes Beispiel macht die Unterschiede greifbar. Eine eurokraft pro Sackkarre, die am kaiserkraft-Standort Haan bei Düsseldorf gefertigt wird, erreicht einen deutlich höheren Enkelfähig Score als ein vergleichbares Importprodukt. Die Gründe: Produktion in Deutschland mit kurzem Transportweg, zertifiziertes Energiemanagement (ISO 50001) des Herstellers, EcoVadis-Gold-Zertifizierung des Lieferanten, lange Garantiezeit (10 Jahre bei eurokraft pro) als Indikator für Langlebigkeit und damit Ressourcenschonung, sowie die Möglichkeit der Reparatur und Ersatzteilversorgung über die gesamte Lebensdauer.
Für den Einkäufer, der in seinem eigenen Nachhaltigkeitsbericht die ökologische Qualität seiner Betriebsausstattung dokumentieren muss, ist ein solches Scoring-System Gold wert. Es liefert genau die produktbezogenen Daten, die weder EcoVadis noch die CSRD auf Produktebene abbilden.
Drei Systeme im Vergleich: Was sie können — und was nicht
| Kriterium | CSRD / ESRS | EcoVadis | Enkelfähig Score |
|---|---|---|---|
| Bewertungsebene | Unternehmen (Konzernbericht) | Unternehmen (Lieferant) | Einzelprodukt |
| Rechtscharakter | EU-Richtlinie (Pflicht) | Freiwillig (de facto Standard) | Freiwillig (herstellerspezifisch) |
| Skala | Qualitativ (ESRS-Datenpunkte) | 0–100 Punkte + Medaillen | 1,0–5,9 (ab 3,0 = enkelfähig) |
| Kategorien | Umwelt, Soziales, Governance | Umwelt, Arbeit, Ethik, Beschaffung | Kreislauf, Klima, Biodiversität, Innovation, Wirtschaftlichkeit |
| Prüfung | Externe Prüfung (Wirtschaftsprüfer) | EcoVadis-Analysten + 360° Watch | Herstellerinterne Bewertung |
| Nutzen für Einkäufer | Lieferanteninformationen anfordern | Lieferanten vergleichen und qualifizieren | Produkte direkt vergleichen |
| Kosten für Anwender | Hoch (Berichtserstellung) | ca. 500–5.500 €/Jahr (je nach Größe) | Kostenfrei (im Webshop integriert) |
Wie kaiserkraft beide Welten verbindet: Unternehmens-Rating und Produkt-Score
Kaiserkraft — selbst mit der EcoVadis-Goldmedaille ausgezeichnet und einem Gesamtscore von 76 Punkten — ist ein interessantes Fallbeispiel dafür, wie Unternehmens- und Produktbewertung zusammenspielen können. Mit 76 Punkten liegt das Unternehmen im Gold-Bereich (besten 5 %). Es fertigt viele seiner eurokraft-Produkte seit 1954 am Standort Haan bei Düsseldorf. Die kurzen Lieferwege, das zertifizierte Energiemanagement (ISO 50001 und ISO 14001) und die eigene Qualitätskontrolle fließen sowohl in die EcoVadis-Bewertung auf Unternehmensebene als auch in den Enkelfähig Score der dort gefertigten Produkte ein.
Für Einkäufer, die gleichzeitig Lieferanten- und Produktnachhaltigkeit dokumentieren müssen, ist das ein erheblicher Vorteil: Ein einziger Lieferant liefert beide Datenebenen — den Unternehmens-Nachweis (EcoVadis-Medaille) für die Lieferantenbewertung und den Produkt-Nachweis (Enkelfähig Score) für das Reporting über die Betriebsausstattung. Die Eigenmarken eurokraft basic (solide Grundqualität) und eurokraft pro (Premiumqualität mit 10 Jahren Garantie und hohem Enkelfähig-Potenzial durch deutsche Fertigung) bieten dabei für jedes Budget eine nachhaltige Option.
LkSG als Treiber: Sorgfaltspflichten im Einkauf
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das seit 2024 für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern gilt (seit 2023 bereits ab 3.000 Mitarbeitern), hat eine oft unterschätzte Wechselwirkung mit den Nachhaltigkeitsratings. Die gesetzlichen Pflichten zur Risikoanalyse und Lieferantenbewertung nach LkSG spiegeln sich direkt im EcoVadis-Modul „Nachhaltige Beschaffung" wider. Dokumente wie Grundsatzerklärungen zu Menschenrechten oder Lieferantenkodizes, die für das LkSG erstellt werden, dienen gleichzeitig als Belege im EcoVadis-Rating. Wer die Compliance-Arbeit für das LkSG strategisch mit der EcoVadis-Vorbereitung verknüpft, vermeidet Doppelarbeit und verbessert gleichzeitig seinen Score im Beschaffungsbereich.
Wichtig zum aktuellen Stand: Die jährliche LkSG-Berichtspflicht gegenüber dem BAFA wurde im Oktober 2025 ausgesetzt und soll rückwirkend entfallen — die materiellen Sorgfaltspflichten (Risikomanagement, Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen, Dokumentation) bleiben jedoch bestehen. Mittelfristig soll das LkSG durch ein Gesetz zur Umsetzung der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) ersetzt werden. Für den Einkauf ändert das wenig: Die Anforderungen an eine nachvollziehbare, risikobasierte Lieferantenbewertung bleiben — und verlagern sich zunehmend auf die europäische Ebene.
Auch hier schließt sich der Kreis zum Enkelfähig Score: Produkte, bei denen soziale Mindeststandards wie der Ausschluss von Kinderarbeit, Korruption oder Arbeitsrechtsverletzungen nicht gewährleistet sind, lassen sich nur schwer als enkelfähig einstufen. Damit kann der Score als einfacher Vorfilter für eine sorgfaltskonforme Beschaffung dienen — ohne dass der Einkäufer selbst eine aufwändige Risikoanalyse für jedes einzelne Produkt durchführen muss.
Indirekte Betroffenheit: Wenn der Kunde Nachhaltigkeitsdaten verlangt
Ein Aspekt, den viele mittelständische Betriebe unterschätzen: Selbst wenn das eigene Unternehmen nicht unter die CSRD-Berichtspflicht fällt, können Datenanfragen von Kunden das Tagesgeschäft erheblich beeinflussen. Ein berichtspflichtiger Automobilzulieferer beispielsweise muss nach ESRS die Nachhaltigkeitsleistung seiner gesamten Wertschöpfungskette dokumentieren — und das schließt den Büroausstatter, den Werkstattausrüster und den Verpackungslieferanten mit ein. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Tier-1-Zulieferer nach den CO₂-Emissionen seiner Betriebsausstattung fragt, muss der Lieferant antworten können — wobei der Value Chain Cap solche Anfragen auf den Umfang des VSME-Standards begrenzt.
Hier zeigen produktbezogene Scoring-Systeme ihren größten Wert. Wer bei seiner Betriebsausstattung auf Produkte mit dokumentiertem Enkelfähig Score oder vergleichbaren Nachweisen setzt, kann diese Anfragen schnell und belastbar beantworten — statt wochenlang Daten zusammenzusuchen, die möglicherweise nie erhoben wurden. Für den Einkauf ist das ein Argument, das über die reine Nachhaltigkeitsmotivation hinausgeht: Es geht um Reaktionsfähigkeit und Professionalität gegenüber den eigenen Kunden.
Was Einkäufer jetzt tun sollten: Fünf konkrete Schritte
Erstens sollten Einkäufer den eigenen Berichtsstatus klären — fällt das Unternehmen nach den neuen Schwellenwerten (über 1.000 Mitarbeiter, über 450 Mio. € Umsatz) unter die CSRD-Pflicht? Falls ja, muss die Beschaffung in die ESRS-Datenerhebung eingebunden werden. Falls nein, prüfen, ob Kunden oder Geschäftspartner berichtspflichtig sind und Datenanfragen stellen werden.
Zweitens sollte ein EcoVadis-Rating für das eigene Unternehmen geprüft werden — selbst wenn es nicht verpflichtend ist. Die Kosten liegen je nach Unternehmensgröße und Abonnement bei rund 1.000 bis 5.500 € pro Jahr, der Aufwand bei etwa 50 bis 150 Arbeitsstunden für die Ersteingabe. Der Return zeigt sich in verbesserten Chancen bei Ausschreibungen und in der Sichtbarkeit auf Plattformen wie Amazon Business.
Drittens sollten Einkäufer Nachhaltigkeitskriterien systematisch in die Lieferantenbewertung integrieren — nicht als Bonus, sondern als Muss-Kriterium. Mindestanforderungen definieren (z. B. EcoVadis-Bronze oder vergleichbare Nachweise), in Rahmenverträge aufnehmen und bei Neuausschreibungen konsequent abfragen.
Viertens sollte die Beschaffung von Betriebsausstattung als „Quick Win" genutzt werden. Produktbezogene Scoring-Systeme wie der Enkelfähig Score machen es einfach, bei der nächsten Werkbank-, Hubwagen- oder Regalbestellung die nachhaltigere Alternative zu wählen — ohne Mehraufwand, weil die Bewertung bereits vorliegt.
Fünftens sollten die Datenströme zusammengeführt werden. Wer CSRD-Daten, EcoVadis-Scores und produktbezogene Nachhaltigkeitsbewertungen in einem System zusammenführt, schafft ein konsistentes ESG-Daten-Ökosystem, das sowohl die regulatorischen Anforderungen erfüllt als auch die Beschaffungsentscheidungen verbessert. Das spart langfristig erheblichen Aufwand — und liefert die Zahlen, die der Vorstand, der Wirtschaftsprüfer und der Kunde sehen wollen.
Der Taiwan-Effekt: Warum globale Lieferketten das Nachhaltigkeitsthema beschleunigen
Ein Blick auf die globale Perspektive zeigt, warum Nachhaltigkeitsbewertungen auch aus Risikomanagement-Sicht an Bedeutung gewinnen. Die geopolitischen Spannungen um Taiwan und die daraus resultierenden Risiken für Halbleiter-Lieferketten haben vielen Einkäufern vor Augen geführt, wie verwundbar lange, intransparente Lieferketten sind. Nachhaltigkeit und Resilienz gehen dabei Hand in Hand: Regionale Beschaffung reduziert nicht nur den CO₂-Fußabdruck, sondern auch die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern. Der Enkelfähig Score berücksichtigt diesen Aspekt explizit über das Kriterium der regionalen Beschaffung — Produkte, die von lokalen Lieferanten bezogen werden, erhalten hier bessere Werte.
Auch in Asien selbst bewegt sich das Thema: Japan hat mit seinem „Green Procurement Law" bereits Anfang der 2000er-Jahre ein staatliches Bewertungssystem für nachhaltige öffentliche Beschaffung eingeführt und seine Vorgaben seither schrittweise erweitert. Und China hat in den vergangenen Jahren verbindliche ESG-Berichtspflichten für börsennotierte Unternehmen eingeführt, die ab 2026 stufenweise greifen. Für europäische Einkäufer, die in diesen Märkten beschaffen, bedeutet das: Die Datenverfügbarkeit verbessert sich — aber die Vergleichbarkeit zwischen den Systemen bleibt eine Herausforderung, die nur über international anerkannte Standards wie EcoVadis gelöst werden kann.
Häufige Fragen zu Nachhaltigkeit im B2B-Einkauf
Ab wann ist mein Unternehmen CSRD-berichtspflichtig?
Nach dem finalen Omnibus-Paket sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und über 450 Mio. € Umsatz berichtspflichtig — erstmals für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027. Kleinere Unternehmen und börsennotierte KMU fallen heraus, können aber über Datenanfragen ihrer Kunden indirekt betroffen sein.
Was ist der VSME-Standard?
Der Voluntary SME Standard ist ein freiwilliger, schlanker Berichtsrahmen für nicht berichtspflichtige Unternehmen. Er dient zugleich als „Value Chain Cap": Berichtspflichtige Kunden dürfen von kleineren Zulieferern nicht mehr Daten verlangen, als der VSME vorsieht.
Brauche ich zwingend ein EcoVadis-Rating?
Gesetzlich nicht. Faktisch wird es jedoch in vielen Ausschreibungen großer Unternehmen vorausgesetzt — häufig mindestens Bronze. Ein Rating verbessert die Chancen bei Vergaben und die Sichtbarkeit auf Plattformen wie Amazon Business.
Was unterscheidet den Enkelfähig Score von EcoVadis?
EcoVadis bewertet das Lieferantenunternehmen, der Enkelfähig Score das einzelne Produkt. Beide ergänzen sich: Das eine qualifiziert den Lieferanten, das andere liefert produktbezogene Daten für das eigene Reporting und konkrete Kaufentscheidungen.
Gilt das LkSG noch?
Ja, die materiellen Sorgfaltspflichten bestehen weiter (ab 1.000 Mitarbeiter seit 2024, ab 3.000 seit 2023). Die jährliche BAFA-Berichtspflicht wurde jedoch 2025 ausgesetzt und soll entfallen; mittelfristig wird das LkSG durch die nationale Umsetzung der EU-CSDDD ersetzt.
Wie hilft Nachhaltigkeit beim Lieferketten-Risiko?
Regionale, transparent bewertete Beschaffung senkt den CO₂-Fußabdruck und zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Ländern und langen Lieferwegen. Nachhaltigkeit und Resilienz verstärken sich gegenseitig — ein Argument, das über die reine Ökologie hinausgeht.
Handlungsleitfaden Nachhaltigkeit im Einkauf 2026: Eigenen CSRD-Status prüfen (Schwellenwerte: >1.000 MA, >450 Mio. € Umsatz) · EcoVadis-Rating prüfen — auch freiwillig ein starkes Signal · Nachhaltigkeitskriterien als Muss-Kriterium in Ausschreibungen aufnehmen · Produktbezogene Scores (Enkelfähig, FSC, Blauer Engel) bei Beschaffungsentscheidungen nutzen · CSRD- und EcoVadis-Daten zusammenführen — Doppelarbeit vermeiden · LkSG-Sorgfaltspflichten mit EcoVadis-Vorbereitung verknüpfen · Freiwilligen VSME-Standard als Einstieg für KMU in Betracht ziehen · Lieferketten-Resilienz und Nachhaltigkeit gemeinsam denken