Umwelt

Nachhaltigkeit im Lager: CO₂-Bilanz von Regalsystemen, Kreislauffähigkeit und energieeffiziente Lagertechnik

Wenn Unternehmen über Klimaschutz sprechen, denken sie an Fuhrpark, Produktion oder Gebäudedämmung. Die Lagerlogistik bleibt meist außen vor — dabei verursacht sie durch Heizung, Beleuchtung, Flächenverbrauch und die Betriebseinrichtung selbst erhebliche CO₂-Emissionen. Mit der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und steigendem Druck aus Lieferketten rückt das Lager nun in den Fokus. Dieser Beitrag zeigt, wo die größten Hebel liegen — von der CO₂-Bilanz der Regalkonstruktion über die Flächeneffizienz bis zur Kreislauffähigkeit von Stahl.

Modernes Lagersystem mit energieeffizienter LED-Beleuchtung und Stahlregalen in einer Industriehalle

Warum Nachhaltigkeit im Lager jetzt Chefsache wird

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU hat die Spielregeln verändert. Seit dem Berichtsjahr 2025 müssen große kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen nach Scope 1, 2 und 3 offenlegen — inklusive der indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Im Rahmen des Omnibus-Pakets von 2025 wurden die Schwellenwerte zwar angehoben (auf mindestens 1.000 Beschäftigte oder 50 Millionen Euro Umsatz), doch die Richtung ist eindeutig: Nachhaltigkeit wird berichtspflichtig, prüfungspflichtig und vergleichbar.

Für den Lagerbetrieb hat das konkrete Konsequenzen. Zu den Scope-3-Emissionen eines Unternehmens zählen auch die Emissionen, die bei der Herstellung und dem Transport der eingekauften Betriebseinrichtung entstehen. Ein Palettenregal, das aus China importiert wird, hat eine fundamental andere CO₂-Bilanz als ein Regal, das in Deutschland aus europäischem Stahl gefertigt wird. Und selbst innerhalb der deutschen Produktion gibt es erhebliche Unterschiede — abhängig davon, ob der Stahl aus der Hochofenroute oder aus der Elektrostahlroute mit hohem Schrottanteil stammt.

Doch die CSRD-Pflicht betrifft nicht nur Großkonzerne. Auch mittelständische Zulieferer und Dienstleister spüren den Druck: Wer in der Lieferkette eines berichtspflichtigen Unternehmens steht, wird zunehmend aufgefordert, eigene Emissionsdaten bereitzustellen. Wer hier frühzeitig handelt, sichert sich nicht nur regulatorische Compliance, sondern auch Wettbewerbsvorteile im Einkauf.

Die CO₂-Bilanz von Stahlregalen: Herkunft entscheidet

Stahl ist der dominierende Werkstoff im Regalbau — und gleichzeitig einer der energieintensivsten Werkstoffe überhaupt. Rund sieben Prozent der globalen CO₂-Emissionen entfallen auf die Eisen- und Stahlherstellung. Die entscheidende Frage für Lagerbetreiber lautet daher nicht „Stahl oder kein Stahl?", sondern „Welcher Stahl?"

Die CO₂-Bilanz hängt maßgeblich von der Produktionsroute ab. In der Hochofenroute (Primärproduktion aus Eisenerz) fallen nach Berechnungen des Fraunhofer UMSICHT rund 1,74 Tonnen CO₂ pro Tonne Rohstahl an. In der Elektrostahlroute (Produktion im Lichtbogenofen, vorwiegend aus Stahlschrott) sind es nur etwa 0,40 Tonnen — eine Einsparung von rund 77 Prozent. In Deutschland werden derzeit etwa 70 Prozent des Rohstahls über die Hochofenroute und 30 Prozent über die Elektrostahlroute produziert.

Was bedeutet das in der Praxis? Ein typisches Palettenregal-Grundfeld (ein Rahmen, Traversen, Fußplatten, Verbindungselemente) wiegt je nach Höhe und Konfiguration zwischen 150 und 400 Kilogramm. Bei einer vollständigen Regalanlage mit 200 Feldern kommen schnell 40 bis 80 Tonnen Stahl zusammen. Die Differenz zwischen Primärstahl und Recyclingstahl beträgt bei dieser Menge rechnerisch 50 bis 100 Tonnen CO₂ — allein für die Betriebseinrichtung.

Neben der Produktionsroute spielt auch die Transportentfernung eine erhebliche Rolle. Regale aus asiatischer Produktion legen häufig 15.000 bis 20.000 Kilometer per Containerschiff zurück, bevor sie auf der letzten Meile per Lkw zum Kunden gelangen. Ein in Deutschland gefertigtes Regal verursacht bei einer durchschnittlichen Lieferdistanz von 300 bis 500 Kilometern nur einen Bruchteil dieser Transportemissionen. Das Fachbodenregal BERT von BERGER wird beispielsweise in Deutschland gefertigt, was kurze Transportwege und eine deutlich geringere Transportemission gegenüber Importware sicherstellt.

Stahl als Kreislaufwerkstoff: Warum Regale nicht im Müll landen

Stahl besitzt eine Eigenschaft, die ihn von den meisten anderen Werkstoffen unterscheidet: Er ist praktisch unbegrenzt und ohne Qualitätsverlust recycelbar. Während Kunststoffe beim Recycling an Qualität einbüßen (Downcycling) und Holz am Ende seiner Nutzungsdauer verbrannt wird, kann Stahl immer wieder eingeschmolzen und zu Produkten gleicher Güte verarbeitet werden. In Deutschland wurden im Jahr 2020 rund 14,6 Millionen Tonnen Eisen- und Stahlschrott erfasst, wovon etwa 75 Prozent direkt recycelt wurden.

Für den Lagerbetreiber hat das zwei praktische Vorteile. Erstens: Ein Stahlregal, das nach 20, 30 oder 40 Jahren Nutzung ausgemustert wird, hat einen messbaren Schrottwert. Es wird nicht entsorgt, sondern dem Stahlkreislauf wieder zugeführt. Der Europäische Recyclingverband (EuRIC) beziffert die CO₂-Einsparung durch Stahlrecycling gegenüber der Primärproduktion auf rund 58 Prozent. Bei der Ausmusterung einer größeren Regalanlage (50 Tonnen Stahl) entspricht das rechnerisch einer vermiedenen Emission von über 50 Tonnen CO₂.

Zweitens: Die Kreislauffähigkeit beginnt bereits im Betrieb. Modulare Regalsysteme mit steckbaren oder verschraubten Verbindungen lassen sich zerstörungsfrei demontieren, umbauen und an neuen Standorten wieder errichten. Beschädigte Einzelteile — ein verbogener Ständer, eine deformierte Traverse — werden ausgetauscht statt die gesamte Anlage zu ersetzen. Dieses Prinzip der Reparierbarkeit und Modularität ist ein zentrales Element der Kreislaufwirtschaft, wie sie die EU im Circular Economy Action Plan und in den ESRS-E5-Berichtsstandards fordert.

Flächeneffizienz: Weniger Quadratmeter, weniger Emissionen

Der größte Einzelposten im CO₂-Fußabdruck eines Lagers ist nicht die Betriebseinrichtung — es ist das Gebäude selbst. Jeder Quadratmeter Lagerfläche muss gebaut, beheizt (oder gekühlt), beleuchtet und instand gehalten werden. Eine Reduktion der benötigten Lagerfläche senkt daher den ökologischen Fußabdruck auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Hier kommen Verschieberegale ins Spiel. Konventionelle Palettenregale benötigen zwischen jedem Regalgang einen Fahrgang für Stapler — typischerweise 3,0 bis 3,5 Meter breit. Bei einer Verschieberegalanlage werden die Regale auf Schienen montiert und elektrisch zusammengefahren. Es wird nur ein einziger Arbeitsgang benötigt, der bei Bedarf an der gewünschten Stelle geöffnet wird. Das Ergebnis: Bei gleicher Stellplatzkapazität sinkt der Flächenbedarf um 40 bis 80 Prozent — oder umgekehrt: Auf gleicher Fläche stehen bis zu 100 Prozent mehr Palettenplätze zur Verfügung.

Die Auswirkung auf den CO₂-Fußabdruck ist erheblich. Wer statt 5.000 m² nur 3.000 m² Lagerfläche benötigt, spart nicht nur Baukosten und Miete, sondern auch jährlich Heizenergie für 2.000 m² Hallenfläche. Bei einem typischen Energiebedarf von 40 bis 80 kWh/m² für Hallenheizung ergibt sich eine Einsparung von 80.000 bis 160.000 kWh pro Jahr — und eine CO₂-Reduktion, die je nach Energiemix zwischen 20 und 50 Tonnen liegt. BERGER Dynamics bietet Verschieberegalsysteme in den Varianten „Heavy" (für Paletten- und Kragarmregale) und „Light" (für Fachboden- und Archivregale), die genau diesen Flächenvorteil realisieren.

Energieeffizienz im Lagerbetrieb: Die unterschätzten Hebel

Neben der Flächenreduktion bietet der laufende Lagerbetrieb weitere Ansatzpunkte zur Emissionssenkung, die oft ohne große Investitionen umsetzbar sind.

Beleuchtung: Die Umstellung von konventioneller Hallenbeleuchtung (Leuchtstoffröhren, HQL-Strahler) auf LED-Technik mit Präsenzsteuerung und Tageslichtsensoren reduziert den Stromverbrauch für Beleuchtung um 50 bis 70 Prozent. In einem 5.000-m²-Lager mit Dreischichtbetrieb können das 30.000 bis 50.000 kWh pro Jahr sein. LED-Leuchten vertragen zudem die niedrigen Temperaturen in Kühllagern besser als konventionelle Leuchtmittel und erreichen Lebensdauern von 50.000 bis 100.000 Betriebsstunden.

Flurförderzeuge: Der Wechsel von dieselbetriebenen Gabelstaplern auf Lithium-Ionen-Elektrostapler beseitigt direkte Emissionen im Lager (Scope 1) und verbessert gleichzeitig die Luftqualität für die Beschäftigten. Lithium-Ionen-Akkus bieten zudem den Vorteil schnellerer Zwischenladung, längerer Lebensdauer und des Wegfalls der Wasserbefüllung, die bei Blei-Säure-Batterien anfällt. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hallendach lässt sich der Staplerverbrauch nahezu klimaneutral decken.

Hallendämmung und Tore: Schnelllauftore mit automatischer Schließung und Hallenwände mit zeitgemäßer Dämmung reduzieren den Energieverbrauch für Heizung und Kühlung erheblich. Gerade in Bestandsgebäuden sind hier oft die größten Einsparungen möglich, da viele Industriehallen aus den 1970er bis 1990er Jahren nach heutigen Maßstäben massiv unterdämmt sind.

Nachhaltige Beschaffung: Was Einkäufer bei Lagereinrichtungen beachten sollten

Die Beschaffung von Lagereinrichtungen wird zunehmend von Nachhaltigkeitskriterien beeinflusst. Wer heute Regale, Spinde oder Gefahrstoffschränke bestellt, sollte nicht nur Preis und Lieferzeit vergleichen, sondern auch den ökologischen Fußabdruck in die Bewertung einbeziehen. Die wichtigsten Kriterien im Überblick:

Herstellungsort und Transportweg: Produkte aus europäischer, idealerweise deutscher Fertigung verursachen kürzere Transportwege und unterliegen den strengen europäischen Umwelt- und Arbeitsschutzstandards. Die BERGER GROUP hat sich zum Ziel gesetzt, ihre CO₂-Emissionen bis 2026 um 55 Prozent gegenüber dem Basisjahr zu senken — damit geht das Unternehmen über die Vorgaben des EU Green Deal hinaus. Als Mitglied der Responsible Steel Initiative bekennt sich BERGER zudem zu nachhaltigen Standards entlang der gesamten Stahl-Wertschöpfungskette.

Materialqualität und Langlebigkeit: Ein Regal, das 30 Jahre hält, hat pro Nutzungsjahr einen deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck als ein Billigregal, das nach zehn Jahren ersetzt werden muss. Hochwertige Pulverbeschichtung statt einfacher Nasslackierung, robuste Profile statt Dünnblech und präzise Fertigungstoleranzen verlängern die Lebensdauer und reduzieren den Wartungsaufwand.

Modularität und Reparierbarkeit: Systeme mit einzeln austauschbaren Komponenten (Ständer, Traversen, Fachböden, Sicherungsstifte) verlängern die Gesamtnutzungsdauer einer Regalanlage erheblich. Statt bei einem Anfahrschaden das gesamte Feld zu tauschen, wird nur das beschädigte Profil ersetzt. Das senkt sowohl Kosten als auch Ressourcenverbrauch. Das Palettenregal-System ARTUS von BERGER ist als Baukastensystem konzipiert: Einzelkomponenten lassen sich nachkaufen, und die Regalanlage kann bei veränderten Anforderungen umkonfiguriert statt ersetzt werden.

Umweltproduktdeklarationen (EPD): Für die CSRD-konforme Berichterstattung werden zunehmend Umweltproduktdeklarationen nach EN 15804 nachgefragt, die den CO₂-Fußabdruck eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus transparent machen. Einige Stahlhersteller — darunter Mitglieder des bauforumstahl e.V. — weisen in ihren EPDs nach, dass ihre Produkte in der Herstellung fast 60 Prozent weniger CO₂ ausstoßen als der Marktdurchschnitt. Beim Einkauf von Regalsystemen lohnt es sich, nach solchen Nachweisen zu fragen.

Umweltschutz im Lager: Gefahrstoffmanagement als Pflicht und Chance

Nachhaltigkeit im Lager bedeutet nicht nur CO₂-Reduktion — es geht auch um den Schutz von Boden, Wasser und Luft vor schädlichen Substanzen. In vielen Industrie- und Handwerksbetrieben werden Gefahrstoffe wie Öle, Lösemittel, Säuren und Laugen gelagert, die bei einer Leckage erhebliche Umweltschäden verursachen können.

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) § 62 und die TRGS 510 schreiben für die Lagerung wassergefährdender Stoffe geeignete Auffangsysteme vor. Die Wahl der richtigen Auffangwanne richtet sich dabei nach dem Gefahrstoff (Stahl für entzündliche Flüssigkeiten, Polyethylen für Säuren und Laugen), dem Volumen (mindestens 10 Prozent der Lagermenge, in Wasserschutzgebieten 100 Prozent) und der Bauart (ortsfest oder mobil). Der BERGER Shop bietet ein umfassendes Sortiment an Auffangwannen, Gefahrstoffschränken, Gasflaschen-Depots und Umweltcontainern — jeweils normkonform und mit klarer Zuordnung zu den entsprechenden Gefahrensymbolen.

Investitionen in professionelles Gefahrstoffmanagement sind nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsbilanz: Wer Leckagen verhindert, vermeidet nicht nur Bußgelder und Sanierungskosten, sondern kann die Maßnahmen auch positiv in der CSRD-Berichterstattung darstellen.

Sieben Hebel für ein nachhaltigeres Lager

  • Herkunft prüfen: Regale und Betriebseinrichtung aus europäischer Fertigung bevorzugen — kürzere Transportwege, strengere Umweltstandards, transparentere Lieferkette.
  • Flächeneffizienz steigern: Verschieberegale, Lagerbühnen und Mehrgeschossanlagen nutzen, um die belegte Grundfläche zu minimieren.
  • Lebensdauer maximieren: Qualitätsregale mit modularem Aufbau wählen, regelmäßig prüfen (nach DIN EN 15635), beschädigte Einzelteile tauschen statt ganze Anlagen ersetzen.
  • Beleuchtung optimieren: LED-Technik mit Präsenzsteuerung und Tageslichtsensoren einsetzen — Amortisation oft unter zwei Jahren.
  • Antriebe elektrifizieren: Diesel-Stapler durch Lithium-Ionen-Elektrostapler ersetzen, idealerweise mit eigenem PV-Strom.
  • Gefahrstoffe sichern: Normkonforme Auffangwannen und Gefahrstoffdepots einsetzen — Umweltschutz und Compliance in einem.
  • Daten erheben: CO₂-Fußabdruck der Lagereinrichtung erfassen (Scope 3, Kategorie 2: „Investitionsgüter"), EPDs bei Lieferanten anfragen — Grundlage für jede Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Fazit: Nachhaltigkeit ist kein Kostentreiber — sondern ein Effizienzprogramm

Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen, die den ökologischen Fußabdruck eines Lagers senken, senken gleichzeitig die Betriebskosten. Weniger Fläche bedeutet weniger Miete und weniger Heizenergie. Langlebige Regale bedeuten niedrigere Ersatzbeschaffung. LED-Beleuchtung bedeutet niedrigere Stromrechnung. Und ein modulares Regalsystem, das sich an veränderte Anforderungen anpassen lässt, vermeidet kostspielige Neuinvestitionen.

Die CSRD und die zunehmende Transparenz in Lieferketten machen Nachhaltigkeit im Lager messbar und vergleichbar. Unternehmen, die heute in qualitativ hochwertige, langlebige und recyclingfähige Lagereinrichtung aus regionaler Fertigung investieren, sichern sich nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch eine bessere Position im Wettbewerb um Kunden, Aufträge und Fachkräfte. Denn Nachhaltigkeit wird — auch im Einkauf von Betriebseinrichtung — vom Differenzierungsmerkmal zur Grundvoraussetzung.