Die wichtigsten Palettenregal-Typen im Überblick
Nicht jedes Lager braucht denselben Regaltyp. Die Wahl hängt ab von der Anzahl der SKUs (Artikelvarianten), der Umschlagshäufigkeit und dem verfügbaren Platz. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Einzelplatz-Systemen und Kompaktlagern.
Weitspannregale (Adjustable Pallet Racking)
Der Klassiker in deutschen Lagern. Jede Palette hat einen eigenen Stellplatz und ist direkt zugänglich (100 % Zugriff). Die Traversen lassen sich in Höhe verstellen, was maximale Flexibilität bei wechselnden Palettenhöhen bietet. Weitspannregale eignen sich für Lager mit vielen verschiedenen Artikeln und mittlerer bis hoher Umschlagshäufigkeit.
Einfahrregale (Drive-In Racking)
Bei Einfahrregalen fährt der Stapler direkt in die Regalgasse hinein und setzt die Paletten auf Schienen ab. Das Prinzip ist LIFO (Last In, First Out) — die zuletzt eingelagerte Palette wird zuerst entnommen. Diese Systeme bieten eine bis zu 85 % höhere Raumausnutzung als Weitspannregale, eignen sich aber nur für wenige Artikel mit hoher Stückzahl und geringer Umschlagshäufigkeit.
Durchlaufregale (Pallet Flow Racking)
Durchlaufregale arbeiten nach dem FIFO-Prinzip (First In, First Out): Paletten werden auf der Einlagerungsseite aufgesetzt und gleiten über Rollenbahnen mit leichtem Gefälle zur Entnahmeseite. Ideal für verderbliche Waren, chargengebundene Produkte und Produktionszulieferung. Die Investitionskosten sind deutlich höher als bei Weitspannregalen, die Raumeffizienz aber ebenfalls.
Traglasten und Normen: Was DIN EN 15512 vorschreibt
Palettenregale in Deutschland müssen nach DIN EN 15512 berechnet und nach DIN EN 15620 den entsprechenden Toleranzklassen zugeordnet werden. Die Norm unterscheidet drei Klassen: Klasse 400 (±40 mm), Klasse 200 (±20 mm) und Klasse 100 (±10 mm). Die Klasse bestimmt, wie genau der Stapler positionieren muss — und damit, welche Sicherheitsabstände in der Planung einzuhalten sind.
Die Feldlast (Traglast pro Regalfeld) ergibt sich aus der Summe aller Palettengewichte in einem Feld plus dem Eigengewicht der Traversen. Üblich sind Feldlasten zwischen 6.000 und 12.000 kg. Die Einzeltraversenlast liegt typischerweise bei 2.000–3.000 kg pro Traversenpaar.
Preisvergleich: Was kosten Palettenregale?
| Regaltyp | Preis pro Stellplatz | Raumausnutzung | Zugriffsrate |
|---|---|---|---|
| Weitspannregal | 40–90 € | 40–50 % | 100 % |
| Einfahrregal | 30–60 € | 70–85 % | Nur letzte Palette |
| Durchlaufregal | 120–250 € | 60–75 % | 100 % (FIFO) |
| Verschieberegal | 150–300 € | 80–90 % | 100 % |
Die Preise verstehen sich als Richtwerte für Neuanlagen in Standardkonfiguration, ohne Montage. Montagekosten liegen typischerweise bei 15–25 % des Materialpreises. Gebrauchte Regale bieten Einsparpotenziale von 30–50 %, müssen aber nach DIN EN 15635 geprüft werden.
Regalprüfung: Pflicht nach BetrSichV und DIN EN 15635
Die Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet Arbeitgeber, Palettenregale regelmäßig prüfen zu lassen. DIN EN 15635 konkretisiert: Eine wöchentliche Sichtkontrolle durch geschultes Personal und eine jährliche Experteninspektion durch einen Regalprüfer sind Mindeststandard. Schäden an Ständern, Traversen oder Fußplatten müssen sofort dokumentiert und bewertet werden — das Ampelsystem (Grün/Gelb/Rot) der Norm hilft bei der Einstufung.
Einkaufs-Checkliste Palettenregale: Regaltyp nach SKU-Zahl und Umschlag wählen · Feldlast mit 20 % Reserve kalkulieren · DIN EN 15512-Nachweis vom Hersteller anfordern · Montage durch Fachfirma · Regalprüfer für Erstabnahme beauftragen · Prüfprotokoll-Vorlage nach DIN EN 15635 einrichten