Wann ist ein Weitspannregal die richtige Wahl?
Ein Weitspannregal ist die richtige Wahl, wenn Güter zu schwer oder zu sperrig für ein klassisches Fachbodenregal sind, aber nicht auf Paletten gelagert und mit dem Stapler bedient werden. Typische Anwendungen sind große Kartons, sperrige Stückware, Reifen, Behälter und schwere Einzelteile, die von Hand ein- und ausgelagert werden. Weitspannregale überbrücken große Abstände zwischen den Stützen und bieten je nach Ausführung Fachlasten von mehreren Hundert Kilogramm pro Boden. Sie sind damit der praktische Mittelweg zwischen dem leichten Fachbodenregal und dem staplerbedienten Palettenregal und überall dort im Vorteil, wo viel Volumen und Gewicht ohne Palette manuell gehandhabt werden.
Die Lücke zwischen Fachboden- und Palettenregal
In vielen Lagern und Werkstätten stehen zwei Regaltypen nebeneinander. Das Fachbodenregal nimmt leichte bis mittelschwere Ware in Ordnern, Kartons und Kleinladungsträgern auf. Das Palettenregal lagert schwere Ware auf Paletten, die mit dem Stapler bewegt werden. Zwischen beiden gibt es jedoch eine große Gruppe von Gütern, die in keines der beiden Systeme recht passt.
Das betrifft Ware, die zu schwer oder zu groß für den Fachboden ist, aber nicht palettiert wird oder werden soll. Ein sperriger Karton mit 200 Kilogramm, ein großes Ersatzteil, ein Bündel Profile oder eine voluminöse Verpackungseinheit lässt sich weder sinnvoll in ein leichtes Regal legen noch für den Staplerbetrieb auf eine Palette setzen. Wer solche Güter dennoch in ein Fachbodenregal zwingt, überlastet es, wer dafür ein Palettenregal aufstellt, verschenkt Fläche und Investition.
Genau diese Lücke schließt das Weitspannregal. Es kombiniert die manuelle Bedienbarkeit des Fachbodenregals mit deutlich höheren Fach- und Feldlasten und mit großen Spannweiten, die auch breite und tiefe Ladeeinheiten aufnehmen. Damit ist es kein Nischenprodukt, sondern für einen sehr häufigen Lagerfall die passende Lösung, die in der Planung oft übersehen wird.
Aufbau und Funktionsweise
Ein Weitspannregal besteht wie das Fachbodenregal aus zwei Seitenrahmen, zwischen denen die Fachböden auf Traversen aufliegen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Spannweite. Während der Fachboden eines gewöhnlichen Regals meist unter einem Meter breit ist, überbrückt das Weitspannregal Feldweiten von deutlich über zwei Metern, teils bis zu vier Metern.
Möglich wird das durch kräftige, tragende Traversen, die die Last der Böden aufnehmen und in die Rahmen einleiten. Die Fachböden selbst werden nicht verschraubt, sondern in ein Lochraster eingehängt, sodass sich die Höhe der Ebenen in feinen Schritten anpassen lässt. Ein Rasterabstand von etwa 50 Millimetern ist dabei üblich und erlaubt eine präzise Einteilung nach der Höhe des Lagerguts.
Ein für die Praxis wichtiges Merkmal ist der Verzicht auf Diagonalverstrebungen an den Längsseiten. Weil die Stabilität über die Rahmen und die Traversen erreicht wird, bleibt das Regal an beiden Längsseiten frei zugänglich. Das erlaubt die Beladung von zwei Seiten und macht das Weitspannregal auch als raumteilendes Element nutzbar, etwa zur Abtrennung von Betriebsbereichen.
Bodentypen und ihre Tragfähigkeit
Die Wahl des Bodens bestimmt maßgeblich, wie viel Last ein Weitspannregal aufnimmt und wofür es sich eignet. Im Markt haben sich drei Bodentypen etabliert, die sich in Tragfähigkeit, Preis und Einsatzzweck unterscheiden.
| Bodentyp | Typische Fachlast | Eigenschaften | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Spanplatte | bis etwa 880 kg | geschlossene Fläche, günstig | Kartons, Kleinteile, Stückgut |
| Stahlpaneel | bis etwa 880 kg und mehr | robust, korrosionsgeschützt, langlebig | schwere und scharfkantige Ware |
| Gitterboden | je nach Ausführung | offen, lässt Licht und Löschwasser durch | Sprinkleranlagen, Sichtlager |
Die Spanplatte ist die wirtschaftliche Standardlösung mit geschlossener Ablagefläche und eignet sich für die meisten Kartons und Stückgüter. Stahlpaneele sind robuster, unempfindlich gegen Feuchtigkeit und scharfe Kanten und eignen sich daher besonders für schwere oder sperrige Ware. Gitterböden lassen Licht und im Brandfall auch das Wasser einer Sprinkleranlage durch, was in bestimmten Lagern brandschutztechnisch gefordert ist. Wichtig ist, dass die angegebene Fachlast immer für eine gleichmäßig verteilte Last gilt. Punktlasten, etwa durch schmale Füße oder Kanten, können den zulässigen Wert deutlich reduzieren.
Fachlast und Feldlast richtig lesen
Wie bei jedem Regal sind auch beim Weitspannregal zwei Lastbegriffe zu unterscheiden, die in der Praxis häufig verwechselt werden. Die Fachlast bezeichnet die maximal zulässige Last eines einzelnen Bodens bei gleichmäßiger Lastverteilung. Die Feldlast ist die maximale Last eines gesamten Feldes, also aller Böden eines Feldes zusammen.
Beide Werte hängen zusammen, sind aber nicht einfach ineinander umrechenbar. Die Feldlast entspricht nicht der Summe der einzelnen Fachlasten, sondern ist ein eigener, in der Regel niedrigerer Grenzwert, der sich aus der Tragfähigkeit der Rahmen ergibt. Ein Feld mit vier Böden zu je 880 Kilogramm Fachlast hat also nicht automatisch eine Feldlast von 3.520 Kilogramm, sondern einen eigenen, vom Hersteller angegebenen Wert. Wer nur die Fachlast beachtet und die Böden gleichmäßig bis zur Fachlast belädt, kann die Feldlast überschreiten, ohne es zu merken. Die Auslegung der Lagerplätze muss daher beide Grenzen einhalten. Eine ausführliche Einordnung der Lastbegriffe und der Betreiberpflichten bietet der Beitrag zu Fachlast und Feldlast bei Fachbodenregalen in diesem Magazin.
Die drei Regaltypen im direkten Vergleich
Um die Einordnung zu erleichtern, stellt die folgende Tabelle die drei manuell oder staplerbedient genutzten Regaltypen anhand der für die Auswahl wesentlichen Kriterien gegenüber.
| Kriterium | Fachbodenregal | Weitspannregal | Palettenregal |
|---|---|---|---|
| Typische Fachlast | bis ca. 330 kg | ca. 350–880 kg | oft über 1.000 kg je Ebene |
| Bedienung | manuell | manuell | Stapler |
| Spannweite je Feld | klein (unter 1 m) | groß (2–4 m) | palettenbreite Fächer |
| Zugänglichkeit | meist einseitig | beidseitig möglich | gangseitig |
| Lagergut | Ordner, Kleinteile | Sperrgut, schwere Stückware | palettierte Ware |
| Flächen- und Kostenprofil | gering | mittel | hoch (Stapler, Gang) |
Die Übersicht macht die Einordnung des Weitspannregals deutlich. Es übernimmt genau die Fälle, in denen manuelle Bedienung gefragt ist, aber Gewicht und Volumen über das Fachbodenregal hinausgehen. Wo hingegen palettierte Ware in großen Mengen bewegt wird, bleibt das Palettenregal die richtige Wahl.
Wann lohnt sich ein Weitspannregal?
Ein Weitspannregal lohnt sich immer dann, wenn regelmäßig schwere oder sperrige Stückgüter von Hand gelagert werden. Typische Beispiele sind große Kartons, Ersatzteile, Reifen oder Behälter, die für ein Fachbodenregal zu schwer, für ein Palettenregal jedoch nicht palettiert sind.
Für leichte Kartons und Kleinteile bleibt das klassische Fachbodenregal meist die wirtschaftlichere Lösung. Sobald Gewicht und Volumen zunehmen, ohne dass Stapler eingesetzt werden, verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit jedoch zugunsten des Weitspannregals.
Sicherheit: Kippsicherung und Prüfpflicht
So praktisch das Weitspannregal ist, es unterliegt denselben Sicherheitsanforderungen wie andere Lagereinrichtungen. Zwei Punkte sind besonders zu beachten, weil sie in der Praxis regelmäßig übersehen werden.
Der erste betrifft die Standsicherheit. Nach der DGUV Information 208-061 besteht ab einem Höhen-Tiefen-Verhältnis von 5:1 die Pflicht, das Regal gegen Kippen zu sichern, in der Regel durch Verankerung am Boden oder an der Wand. Ein schlankes, hohes Weitspannregal erreicht dieses Verhältnis schnell, sodass die Befestigung nicht optional ist, sondern vorgeschrieben. Die Hersteller weisen in ihren Aufbauanleitungen auf diese Grenze hin.
Der zweite Punkt ist die wiederkehrende Prüfung. Nach DIN EN 15635 sind Lagereinrichtungen regelmäßig zu inspizieren, mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person, ergänzt um regelmäßige Sichtkontrollen durch geschultes Personal. Diese Pflicht gilt nicht nur für Palettenregale, sondern für Lagereinrichtungen allgemein und somit auch für Weitspannregale. Aus der Verbindung beider Anforderungen ergibt sich eine klare Konsequenz: Die Sicherheit eines Weitspannregals entsteht nicht allein durch das Produkt, sondern durch die fachgerechte Verankerung und den überwachten Betrieb. Ein richtig ausgewähltes Regal, das nicht verankert oder nie geprüft wird, bleibt sicherheitstechnisch ein Risiko.
Anbieter, Montage und Preise
Weitspannregale werden von mehreren etablierten Herstellern angeboten. Der französische Hersteller ManOrga fertigt seit über fünfzig Jahren Steck- und Weitspannregale und bietet Böden aus Spanplatte und Stahlpaneel mit Fachlasten bis etwa 880 Kilogramm. Ebenfalls verbreitet sind META mit TÜV-geprüften Systemen sowie SCHULTE und weitere Anbieter. Da die Systeme unterschiedlicher Hersteller für ähnliche Anforderungen konzipiert sind, lohnt der Vergleich anhand von Bodentyp, Spannweite, Fach- und Feldlast, Montageart und Erweiterbarkeit.
Bei der Montage ist zwischen Steck- und Schraubsystemen zu unterscheiden. Stecksysteme lassen sich ohne Werkzeug und ohne Schrauben aufbauen und später leicht umbauen oder erweitern, was sie für flexible Lager attraktiv macht. Preislich liegt ein Grundfeld je nach Höhe, Spannweite, Bodentyp und Fachlast im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Anbaufelder sind günstiger, da sie sich einen Rahmen mit dem benachbarten Grundfeld teilen. Für die Kalkulation ganzer Regalzeilen ist die Kombination aus einem Grundfeld und mehreren günstigeren Anbaufeldern maßgeblich, nicht der Preis eines einzelnen Feldes.
Ein Blick nach Frankreich
Das Weitspannregal ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Konstruktionsphilosophie die Nutzung im Alltag prägt. Französische Hersteller setzen traditionell stark auf werkzeuglose Stecksysteme, bei denen sich Böden und Felder ohne Schrauben montieren, versetzen und erweitern lassen. Der Hintergrund ist ein praktischer: In einem Lager, dessen Sortiment und Ladeeinheiten sich häufig ändern, ist die Fähigkeit, Ebenen in Minuten umzubauen, ein realer Vorteil gegenüber einer starr verschraubten Anlage.
Für deutsche Betriebe lässt sich daraus eine einfache Erkenntnis ableiten. Wer heute schon weiß, dass sich sein Lagergut verändern wird, sollte die Montageart als Auswahlkriterium ernst nehmen. Ein Stecksystem kostet in der Anschaffung selten mehr, spart aber später Zeit und Aufwand beim Umbau. Die Flexibilität ist damit kein weiches Argument, sondern ein kalkulierbarer Faktor in der Gesamtbetrachtung.
Checkliste: Weitspannregal auswählen und sicher betreiben
Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Prüfpunkte zusammen und eignet sich als Grundlage für die Abstimmung zwischen Lagerleitung, Arbeitssicherheit und Einkauf.
Prüfpunkte vor Auswahl und Aufstellung
☐ Lagergut nach Gewicht, Volumen und Handhabung erfasst (manuell oder Stapler)
☐ Geprüft, ob Ware zu schwer für das Fachbodenregal und zu unpalettiert für das Palettenregal ist
☐ Erforderliche Spannweite und Tiefe aus den Ladeeinheiten abgeleitet
☐ Bodentyp passend gewählt (Spanplatte, Stahlpaneel, Gitterboden)
☐ Fachlast je Boden und Feldlast je Feld getrennt geprüft
☐ Beachtet, dass die Feldlast nicht der Summe der Fachlasten entspricht
☐ Last gleichmäßig verteilt, Punktlasten vermieden
☐ Höhen-Tiefen-Verhältnis geprüft, ab 5:1 Verankerung am Boden oder an der Wand
☐ Montageart gewählt (Steck- oder Schraubsystem) nach Flexibilitätsbedarf
☐ Erweiterung über Anbaufelder eingeplant
☐ Jährliche Prüfung nach DIN EN 15635 und regelmäßige Sichtkontrollen organisiert
☐ Angebote mehrerer Hersteller nach Last, Bodentyp und Preis verglichen
Fazit: Das übersehene Regal für den häufigsten Sonderfall
Das Weitspannregal ist die passende Lösung für einen sehr häufigen Lagerfall, der zwischen den bekannten Regaltypen liegt: schwere und sperrige Ware, die manuell gehandhabt wird und nicht auf Paletten liegt. Wer das Lagergut ehrlich nach Gewicht, Volumen und Handhabung einordnet, erkennt schnell, ob das Fachbodenregal überfordert und das Palettenregal überdimensioniert ist. In genau diesen Fällen ist das Weitspannregal technisch und wirtschaftlich die richtige Wahl.
Als nächster Schritt empfiehlt es sich, den vorhandenen Lagerbestand nach Ladeeinheiten zu sortieren, für die schweren und sperrigen Güter die passende Spannweite und Fachlast zu bestimmen und dabei von Anfang an die Verankerung und die jährliche Prüfung mitzuplanen. So wird aus einer scheinbar einfachen Regalbeschaffung eine tragfähige, sichere Lagerlösung.