Umwelt

Papierhandtücher im Betrieb: Kosten pro Blatt, Verbrauch und Falzarten

Ein zweilagiges Recycling-Falthandtuch in Interfold-Qualität kostet im Karton rund 0,63 Cent pro Blatt netto. Für einen Bürostandort mit 50 Beschäftigten bedeutet das etwa 35 Euro im Monat, für 100 Beschäftigte gut 800 Euro im Jahr. Die Spanne zwischen einem gut und einem schlecht eingekauften Waschraum entsteht dabei selten über den Kartonpreis, sondern über Falzart, Spendersystem und Blattverbrauch je Trocknung. Dieser Beitrag rechnet den Preis pro Blatt sauber durch, ordnet die Falzarten ein und zeigt, welche Pflichten die ASR A4.1 tatsächlich vorgibt.

Wandspender mit weißen Falthandtüchern in Interfold-Falzung über einem Waschbecken in einem betrieblichen Waschraum

Was ein Papierhandtuch tatsächlich kostet

Die Frage nach dem Preis pro Blatt lässt sich beantworten, sobald zwei Werte bekannt sind: der Nettopreis je Karton und die Blattzahl je Karton. Beide stehen auf jedem Angebot, werden im Einkauf aber selten zueinander ins Verhältnis gesetzt. Genau daraus entstehen die Fehleinschätzungen, die im Waschraum später sichtbar werden.

Ein konkretes Beispiel mit belastbaren Herstellerdaten: Das Tork Xpress Multifold Universal (Artikel 150299) ist ein zweilagiges Falthandtuch aus 100 Prozent Recyclingfasern für das Spendersystem H2. Entfaltet misst ein Blatt 23,4 × 21,3 cm, gefaltet 7,8 cm. Ein Karton enthält 4.740 Blatt, aufgeteilt in 20 Bündel zu je 237 Blatt, und wiegt nach der aktuellen Lieferspezifikation netto 8,03 kg. Ältere Datenblätter desselben Artikels weisen 8,505 kg aus, worauf im Abschnitt zur Grammatur zurückzukommen ist.

Im Preisvergleich wurde dieser Karton zuletzt ab 35,34 Euro gelistet. Die dort ausgewiesenen Preise verstehen sich einschließlich Mehrwertsteuer und zuzüglich Versand. Für die betriebliche Kalkulation ist der Nettowert maßgeblich, also rund 29,70 Euro. Daraus ergibt sich:

Rechenweg Preis je Blatt
35,34 € brutto ÷ 1,19 = 29,70 € netto je Karton
29,70 € ÷ 4.740 Blatt = 0,00627 € je Blatt
Das entspricht 0,63 Cent pro Blatt netto, brutto 0,75 Cent.
Bei einem Blatt je Trocknung: 0,63 Cent netto je Händetrocknung.
Bei zwei Blatt je Trocknung: 1,25 Cent netto je Händetrocknung.

Damit ist die häufig gestellte Frage, ob es Papierhandtücher in brauchbarer Qualität für unter einem Cent pro Blatt gibt, klar beantwortet. Im Kartonbezug liegt ein zweilagiges Markenprodukt mit EU-Ecolabel und Blauem Engel deutlich darunter. Was den Preis nach oben treibt, sind Kleinmengenbezug, dreilagige Zellstoffqualitäten und Sonderformate für geschlossene Spendersysteme.

Die entscheidende Kennzahl für den Einkauf ist deshalb nicht der Preis je Blatt, sondern der Preis je Trocknungsvorgang. Ein größeres, saugfähigeres Blatt für 0,9 Cent, von dem eines ausreicht, ist günstiger als ein kleines Blatt für 0,5 Cent, von dem zwei gebraucht werden. Diese Rechnung lässt sich im eigenen Waschraum in einer Woche überprüfen: Zählerstand des Spenders vor und nach der Woche, geteilt durch die Zahl der Nutzungen.

Quellen: Produktspezifikation und Lieferspezifikation Tork 150299 (Essity), Preisabfrage heise Preisvergleich. Preisangaben unterliegen Schwankungen. Redaktionsschluss: 4. September 2026.

Verbrauch realistisch kalkulieren

Für die Budgetplanung braucht es eine Verbrauchsannahme je Person und Tag. In reinen Bürobetrieben sind drei bis fünf Händetrocknungen je Beschäftigtem und Arbeitstag ein brauchbarer Ausgangswert, in Produktion, Werkstatt und Lebensmittelverarbeitung liegt der Wert deutlich höher. Publikumsverkehr, Kantinenbetrieb und Besucher kommen jeweils obendrauf.

Die folgende Kalkulation arbeitet mit vier Trocknungen je Person und Tag, 220 Arbeitstagen im Jahr und einem Mischwert von 1,5 Blatt je Trocknung. Der Preis je Blatt beträgt 0,63 Cent netto.

Jahresbedarf und Kosten bei vier Trocknungen je Person und Tag
Kennzahl 50 Beschäftigte 100 Beschäftigte
Trocknungen je Jahr44.00088.000
Blattbedarf je Jahr66.000132.000
Materialkosten je Jahr nettorund 414 €rund 827 €
Materialkosten je Monat nettorund 35 €rund 69 €
Kartons je Jahretwa 14etwa 28
Lagervolumen für den Jahresbedarfrund 0,8 m³rund 1,6 m³
Papierabfall je Jahrrund 112 bis 118 kgrund 224 bis 237 kg

Die Zahlen zeigen zwei Dinge. Erstens ist der Materialaufwand für Papierhandtücher in einem Bürobetrieb ein überschaubarer Kostenblock, der selten Anlass für Grundsatzdebatten gibt. Zweitens ist die Abfallmenge relevant: Über 200 kg zusätzlicher Papierabfall bei 100 Beschäftigten wirken sich auf Behältergrößen, Abholrhythmus und die Dokumentation nach Gewerbeabfallverordnung aus. Wer die Waschraumausstattung plant, sollte den Abfallpfad von Anfang an mitdenken.

Das Lagervolumen ist ebenfalls kein Nebenaspekt. Ein Karton des genannten Artikels misst 603 × 403 × 234 mm und beansprucht 56,86 dm³. Eine volle Palette umfasst 32 Kartons und damit 151.680 Blatt. Für einen Standort mit 100 Beschäftigten reicht eine Palette rechnerisch etwa 14 Monate. Wer palettenweise bestellt, senkt den Stückpreis spürbar, bindet aber Lagerfläche und Kapital.

Quellen: eigene Berechnung auf Basis der Lieferspezifikation Tork 150299 (Kartoninhalt, Volumen, Nettogewicht, Palettenmenge). Verbrauchsannahmen sind Planungswerte und ersetzen keine Messung im eigenen Betrieb.

Falzarten und warum die Bezeichnungen im Einkauf Ärger machen

Falthandtücher werden nach der Art ihrer Faltung unterschieden. In der Praxis sind vier Bezeichnungen gebräuchlich, und genau hier beginnt das Problem: Die Begriffe werden von Herstellern und Händlern nicht einheitlich verwendet. Was ein Anbieter als Z-Falz führt, heißt beim nächsten Multifold oder Interfold.

V-Falz, auch ZZ-Falz genannt

Das Tuch ist einmal mittig gefaltet, die Blätter sind ineinandergeschoben. Beim Herausziehen wird die Hälfte des nächsten Blattes freigelegt, sodass eine Einzelentnahme möglich ist. Der V-Falz ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Variante und deckt den Standardbedarf in Büro, Gastronomie und öffentlichen Waschräumen ab.

C-Falz, auch Lagenfalz

Das Tuch ist in drei Abschnitte C-förmig gefaltet und liegt lose auf dem Stapel, ohne mit dem nächsten Blatt verbunden zu sein. Entfaltet ergibt sich eine deutlich größere Fläche, was beim Abtrocknen stark verschmutzter Hände oder von Arbeitsflächen von Vorteil ist. Nachteilig ist der fehlende automatische Nachzug. Nutzer greifen häufiger mehrere Blätter gleichzeitig, was den Verbrauch erhöht.

Z-Falz und W-Falz, häufig als Interfold oder Multifold bezeichnet

Diese Tücher sind zwei- oder dreifach gefaltet und ineinandergelegt. Die gefaltete Tiefe ist geringer, sodass die Blätter in flachere Spender passen. Beim Herausziehen kommt jedes Blatt bereits vollständig entfaltet aus dem Spender, das folgende steht griffbereit, ohne berührt zu werden. Für stark frequentierte Waschräume ist das die hygienisch und wirtschaftlich sinnvollste Bauart.

Falzarten im Überblick mit typischen Merkmalen
Falzart Faltung Entnahme Typischer Einsatz
V-Falz (ZZ-Falz)einmal mittig, ineinandergeschobenEinzelblatt mit NachzugBüro, Gastronomie, öffentliche Waschräume
C-Falz (Lagenfalz)dreiteilig C-förmig, lose gestapeltmanuell, kein Nachzuggrößere Tuchfläche, stärkere Verschmutzung
Z-Falzzweifach, ineinandergelegtEinzelblatt, entfaltetflache Spender, hohe Frequenz
W-Falz (Multifold)mehrfach, ineinandergelegtEinzelblatt, entfaltethohe Frequenz, Verbrauchskontrolle

Ein Blick in die Falzarten-Systematik der Anbieter zeigt, wie unterschiedlich die Zuordnung ausfällt. Für die Beschaffung folgt daraus eine einfache Regel: In die Ausschreibung gehören deshalb Maße und Zahlen statt Falzbezeichnungen. Blattgröße entfaltet in Zentimetern, Länge gefaltet, Lagenzahl, Blattzahl je Bündel, Bündel je Karton und das Spendersystem. Wer nur „Z-Falz“ schreibt, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Tuch geliefert, das nicht in die vorhandenen Spender passt.

Quellen: Falzarten-Systematik Franz Mensch, Produktspezifikationen Tork 150299 und 290163 (Falzung, Länge entfaltet, Länge gefaltet).

Spendersysteme und die Bindung an den Lieferanten

Die Kürzel H1, H2 und H3 stammen aus der Tork-Systematik und werden inzwischen auch von anderen Anbietern zur Orientierung verwendet. H1 bezeichnet Rollenhandtuchsysteme, H2 die schmalen Spender für Multifold-Handtücher, H3 die klassischen Spender für Zickzack- und Lagenfalz-Tücher.

Der Unterschied ist im Alltag deutlich spürbar. Das bereits genannte H2-Handtuch misst gefaltet 7,8 cm. Ein Zickzack-Handtuch für das H3-System misst gefaltet 11,5 cm, entfaltet 23 × 24,8 cm, und wird in Kartons zu 3.750 Blatt geliefert, aufgeteilt in 15 Bündel zu je 250 Blatt. Ein H3-Tuch passt nicht in einen H2-Spender, und der Versuch, es dennoch einzulegen, führt zu Papierstau und Blattabriss.

Bei der Systemwahl entsteht daraus eine faktische Lieferantenbindung. Sie ist unproblematisch, solange das Nachfüllmaterial in Standardmaßen verfügbar ist und mehrere Hersteller es anbieten. Kritisch wird es bei Spendern mit proprietären Kassetten oder komprimierten Sonderformaten, für die es genau ein Nachfüllprodukt gibt. Vor der Ausstattung eines Standorts mit mehreren hundert Spendern lohnt sich deshalb die Prüfung, wie viele Anbieter das passende Nachfüllmaterial führen. Eine vertiefende Gegenüberstellung der Systemtypen bietet unser Beitrag zum Vergleich von Handtuchspendern und Händetrocknern.

Ein zweiter Punkt betrifft die Bedienung. Spender mit Einzelblattentnahme reduzieren den Verbrauch, weil das Nachfassen mehrerer Blätter erschwert wird. Berührungslose Ausgabe ist in sensiblen Bereichen sinnvoll, in der Fläche aber selten wirtschaftlich. Welche Ausstattung im Waschraum darüber hinaus gefordert ist, behandelt der Beitrag zu berührungslosen Spendern und Armaturen.

Quellen: Produktspezifikationen Tork 150299 (System H2) und Tork 290163 (System H3), jeweils Herstellerangaben zu Maßen, Falzung und Verpackungseinheiten.

Lagen, Grammatur und Saugfähigkeit

Die Lagenzahl allein sagt wenig über die Leistung eines Handtuchs aus. Aussagekräftiger ist das Flächengewicht, das viele Datenblätter jedoch nicht ausweisen. Es lässt sich aus den Lieferdaten ableiten, sofern Nettogewicht, Blattzahl und Blattmaß bekannt sind.

Flächengewicht aus Lieferdaten ableiten
8.030 g Nettogewicht ÷ 4.740 Blatt = 1,694 g je Blatt
Blattfläche: 0,234 m × 0,213 m = 0,0498 m²
1,694 g ÷ 0,0498 m² = rund 34 g/m² gesamt
Mit dem älteren Datenblattwert von 8.505 g ergeben sich 1,794 g je Blatt und rund 36 g/m².
Bei zwei Lagen entspricht das etwa 17 bis 18 g/m² je Lage.

Damit liegt dieses Produkt im typischen Bereich für zweilagige Universalqualitäten. Dreilagige Zellstofftücher erreichen höhere Flächengewichte, saugen mehr Wasser je Blatt auf und ermöglichen dadurch häufiger die Trocknung mit einem einzigen Blatt. Ob sich der Aufpreis rechnet, entscheidet die Rechnung je Trocknungsvorgang und nicht der Kartonpreis.

Für die Praxis relevant sind drei weitere Eigenschaften. Die Nassfestigkeit bestimmt, ob das Tuch beim Reiben zerfällt und Faserreste an den Händen hinterlässt. Die Prägung vergrößert die wirksame Oberfläche und beschleunigt die Wasseraufnahme. Und die Lebensmitteltauglichkeit ist überall dort erforderlich, wo Handtücher im Umfeld offener Lebensmittel eingesetzt werden. Das beschriebene Produkt ist für den kurzzeitigen Lebensmittelkontakt extern zertifiziert, was in Produktions- und Küchenbereichen ein sinnvolles Ausschreibungskriterium ist.

Quellen: eigene Berechnung aus Nettogewicht, Blattzahl und Blattmaß der Lieferspezifikation Tork 150299. Angaben zur Lebensmitteltauglichkeit nach Herstellerangabe.

Papierhandtuch, Stoffhandtuchrolle oder Warmlufttrockner

Die Systemfrage wird in vielen Betrieben emotional geführt und selten mit Zahlen. Hilfreich ist es, Hygiene, Betriebskosten und Emissionen getrennt zu betrachten.

Hygiene

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt auf ihrem Portal infektionsschutz.de klar, dass Mikroorganismen leichter auf feuchte Hände übertragen werden und dass das Abtrocknen durch Reibung zusätzlich Keime entfernt. Das Abtrocknen ist damit fester Bestandteil des Händewaschens und keine optionale Ergänzung. Für öffentlich zugängliche Sanitärräume empfiehlt die Behörde ausdrücklich saubere Einmalhandtücher.

Die KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene am Robert Koch-Institut bildet für Einrichtungen des Gesundheitswesens den maßgeblichen fachlichen Rahmen. Gemeinschaftshandtücher scheiden in betrieblichen Waschräumen in jedem Fall aus. Zwischen Einmalhandtüchern aus Papier und Einmalstoffhandtüchern aus Retraktivspendern besteht aus hygienischer Sicht kein grundsätzlicher Unterschied, solange jedem Nutzer ein frischer Abschnitt zur Verfügung steht.

Betriebskosten und Emissionen

Für die Gegenüberstellung liegen von beiden Seiten Herstellerangaben vor, die auf unterschiedlichen Methoden beruhen und deshalb nicht direkt verrechnet werden dürfen. Essity gibt für das Multifold-System einen durchschnittlichen Cradle-to-grave-Fußabdruck von 10,3 g CO2e je Nutzung an, davon 6,4 g bis Werkstor. Dyson weist für den Airblade 9kJ im Eco-Modus 9,3 Kilojoule Strombedarf und 2,1 g CO2 je Trocknung aus und nennt für konventionelle Warmlufttrockner 16,8 g je Trocknung.

Gegenüberstellung für 88.000 Trocknungen im Jahr, entspricht 100 Beschäftigten
Position Papierhandtuch Hochgeschwindigkeitstrockner
Verbrauchsmaterial je Jahrrund 827 € nettoentfällt
Energiebedarf je Jahrentfällt im Betriebrund 227 kWh
Energiekosten bei 0,25 €/kWhentfälltrund 57 €
Abfall je Jahrrund 230 kg Papierkeiner
CO2 je Nutzung nach Herstellerangabe10,3 g CO2e2,1 g CO2
Investition und WartungSpender, geringGerät, Filterwechsel, Reinigung

Die Rechnung fällt bei den laufenden Kosten eindeutig zugunsten des Trockners aus, sobald die Frequenz hoch genug ist, um die Anschaffung zu amortisieren. Gegen den Trockner sprechen die Geräuschentwicklung, die Trocknungsdauer bei Warteschlangen und die fehlende Möglichkeit, das Tuch zum Öffnen der Tür zu verwenden. In Lebensmittelbetrieben und im Gesundheitswesen bleibt das Einmalhandtuch aus diesen Gründen häufig gesetzt. Eine Mischlösung mit Trocknern in stark frequentierten Bereichen und Papier in Produktions- und Küchennähe ist in der Praxis oft die tragfähigste Variante.

Quellen: BZgA infektionsschutz.de zum Händewaschen, KRINKO-Empfehlung Händehygiene 2016, CO2-Angabe Essity zum Tork Xpress Multifold H2, Geräteangaben Dyson Airblade 9kJ. Herstellerangaben beruhen auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden und sind nicht unmittelbar vergleichbar. Energiekosten eigene Berechnung mit 0,25 €/kWh. Redaktionsschluss: 4. September 2026.

Was die ASR A4.1 tatsächlich verlangt

Die Bereitstellung von Mitteln zum Händetrocknen ist keine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A4.1 „Sanitärräume“ konkretisiert die Arbeitsstättenverordnung und fordert, dass in der Nähe der Waschplätze Mittel zum Trocknen der Hände zur Verfügung stehen. Ausdrücklich genannt werden Einmalhandtücher, Textilhandtuchautomaten und Warmlufttrockner.

Die Regel legt damit das Schutzziel fest, nicht die Technik. Ein Betrieb ist frei in der Wahl des Systems, solange die Trocknungsmöglichkeit vorhanden, erreichbar und funktionsfähig ist. Der leere Spender am Freitagnachmittag ist deshalb ein Mangel, unabhängig davon, welches System eingebaut wurde. Für die Praxis heißt das: Der Nachfüllrhythmus gehört in den Reinigungsvertrag, mit einer klaren Regelung, wer prüft und wer nachfüllt.

Ergänzend gelten Anforderungen an Handwaschgelegenheiten, Seifenspender und Abfallbehälter. Gerade der Abfallbehälter wird bei Papierhandtüchern regelmäßig zu klein dimensioniert. Bei 100 Beschäftigten fallen jährlich über 200 kg Papier an, was bei einem Waschraum mit zwei Waschplätzen einen Behälter von mindestens 40 Litern mit täglicher Leerung bedeutet. Welche weiteren Anforderungen an Wasch- und Sozialräume bestehen, fasst der Beitrag zu Sozialräumen nach ArbStättV zusammen, ergänzt um die Ausstattungsdetails im Waschraum.

In Bereichen mit erhöhten hygienischen Anforderungen kommt die Frage der Händedesinfektion hinzu. Sie ersetzt das Händewaschen nicht, sondern ergänzt es indikationsbezogen. Die Abgrenzung behandelt der Beitrag zu Händedesinfektion und Händewaschen im Betrieb.

Quellen: ASR A4.1 „Sanitärräume“, Punkt 6 Waschräume, herausgegeben von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Maßgeblich ist der im GMBl bekanntgemachte Text.

Recyclingfaser, Umweltzeichen und CSRD-Relevanz

Hygienepapier lässt sich nicht rezyklieren. Die Fasern gehen nach dem Gebrauch über Abfall oder Abwasser verloren. Genau deshalb ist der Einsatz von Altpapier in dieser Produktgruppe besonders wirksam. Der Blaue Engel fordert in den Kriterien DE-UZ 5 für Hygienepapiere einen Faseranteil von 100 Prozent Altpapier und begrenzt zugleich kritische Fabrikations- und Veredelungsstoffe. Optische Aufheller, halogenierte Bleichmittel und schwer abbaubare Komplexbildner sind ausgeschlossen, ebenso Lotionen und Duftstoffe.

Bemerkenswert ist die Marktentwicklung. Das Umweltbundesamt weist in seinen FAQs für Recyclingpapier aus, dass Recyclingfasern im Jahr 2000 noch drei Viertel des Faserrohstoffs für Hygienepapiere ausmachten, im Jahr 2020 dagegen nur noch 48 Prozent. Der Altpapieranteil ist in dieser Produktgruppe also gesunken, obwohl sie sich dafür besonders eignet. Für den Einkauf ist das ein Ansatzpunkt mit unmittelbarer Wirkung: Die Umstellung auf zertifiziertes Recyclingmaterial ist bei Falthandtüchern in der Regel ohne Qualitätsverlust und ohne nennenswerten Aufpreis möglich.

Berichtspflichtige Unternehmen können den Verbrauch zudem quantifizieren. Mit der Herstellerangabe von 10,3 g CO2e je Nutzung ergeben sich für 100 Beschäftigte und 88.000 Trocknungen rund 906 kg CO2e im Jahr. Das ist eine Größenordnung, die in der Scope-3-Erfassung nach ESRS auftaucht, sobald Verbrauchsmaterialien systematisch erfasst werden. Wie die Datenbeschaffung im Einkauf organisiert wird, behandelt der Beitrag zur CSRD-Berichtspflicht im Einkauf. Für die Auswahl geeigneter Umweltzeichen bei Verbrauchsmaterialien ist außerdem der Beitrag zur nachhaltigen Beschaffung hilfreich.

Quellen: Blauer Engel, Produktwelt Hygienepapiere und Vergabekriterien DE-UZ 5. Umweltbundesamt, FAQs für Recyclingpapier, Stand Dezember 2021. CO2-Angabe je Nutzung nach Essity, Hochrechnung eigene Berechnung.

Checkliste für die Ausschreibung

Diese Angaben gehören in jede Anfrage für Falthandtücher

  • Spendersystem und Fabrikat der vorhandenen Spender, inklusive Innenmaß
  • Blattmaß entfaltet und Länge gefaltet in Zentimetern, nicht nur die Falzbezeichnung
  • Lagenzahl und, sofern verfügbar, Flächengewicht in g/m²
  • Blatt je Bündel, Bündel je Karton, Blatt je Karton
  • Nettopreis je Karton und daraus abgeleitet der Preis je Blatt
  • Faserrohstoff: Recyclingfaser oder Frischzellstoff, mit Zertifikatsnachweis
  • Umweltzeichen: Blauer Engel DE-UZ 5, EU Ecolabel, FSC oder PEFC
  • Eignung für kurzzeitigen Lebensmittelkontakt, sofern im Betrieb erforderlich
  • Kartonmaße und Palettenmenge für die Lagerplanung
  • Nachfüll- und Prüfrhythmus, vertraglich geregelt

Vor der Umstellung eines Standorts lohnt sich ein Praxistest über zwei Wochen an einem repräsentativen Waschplatz. Gezählt werden ausgegebene Blätter und Nutzungen, dokumentiert werden Beschwerden über Faserrückstände oder Blattabriss. Mit diesen Daten lässt sich der Preis je Trocknungsvorgang für die konkrete Situation berechnen, und die Verhandlung mit dem Lieferanten steht auf einer belastbaren Grundlage.

Fazit für die Beschaffung

Papierhandtücher sind ein kleiner Kostenblock mit vielen kleinen Stellschrauben. Der Preis pro Blatt liegt bei zweilagigen Recyclingqualitäten im Kartonbezug bei etwa 0,63 Cent netto und damit klar unter der oft genannten Ein-Cent-Marke. Die relevante Größe ist jedoch der Preis je Trocknungsvorgang, und der hängt von Blattgröße, Saugfähigkeit und Entnahmesystem ab.

Drei Maßnahmen bringen in der Praxis den größten Effekt. Erstens die Umstellung auf Einzelblattentnahme, weil sie den Griff nach mehreren Blättern erschwert. Zweitens die Prüfung, ob ein größeres oder saugfähigeres Tuch die Zahl der Blätter je Trocknung von zwei auf eines senkt. Drittens die Aufnahme von Maßen und Blattzahlen in die Ausschreibung, damit Angebote überhaupt vergleichbar werden. Wer diese drei Punkte klärt, hat die Beschaffung von Handtuchpapier für die nächsten Jahre auf eine belastbare Grundlage gestellt.

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